Baesweiler - Raum für Kinder psychisch kranker Eltern

Raum für Kinder psychisch kranker Eltern

Von: Stefan Schaum
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Stoffhund „Lucky“ ist auch wieder mit dabei: Zum zweiten Mal laden Sozialarbeiterin Svenja Hansen und Jörn Keller, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, in den „Kinder-Wunder-Laden“ ein. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Es geht um Spiele, um Gespräche, um Aufmerksamkeit. Im Grunde einfach darum, gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Wobei „einfach“ so ganz einfach auch wieder nicht ist. Denn die Kleinen, die die „Kinder-Wunder-Laden“-Gruppe besuchen, haben Väter oder Mütter, die psychisch krank sind.

Oft sind es Kinder, deren Alltag stark von der Krankheit geprägt ist. Die daheim zu sehr gefordert werden – oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Im September startet die Gruppe zum zweiten Mal als Kooperation zwischen der Familienberatungsstelle der Caritas in Alsdorf-Schaufenberg und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Zwölf Treffen stehen an, wie es sie vor gut einem Jahr bereits gegeben hat. „Die Resonanz seinerzeit war riesig“, sagt Sozialarbeiterin Svenja Hansen, die die Treffen erneut gemeinsam mit Jörn Keller, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie, leiten wird. Letztlich konnten sieben Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren teilnehmen, mehr als 20 hatten sich angemeldet. „Das ist richtig viel“, sagt Hansen – denn oft scheuen Eltern, die psychisch erkrankt sind, den Weg über das Jugendamt – oder sie gestehen sich womöglich nicht ein, überhaupt an einer Gemütsveränderung zu leiden.

Möglichst niedrigschwellig soll das Angebot daher sein. Niemand muss mit einer ärztlicher Diagnose aufwarten. Ob und wie sehr der familiäre Alltag von einer psychischen Veränderung betroffen ist, wollen die Gruppenleiter ganz unkompliziert erfahren und bieten dazu vor dem Start der Gruppe Hausbesuche an. Die sollen in den kommenden Wochen vonstatten gehen, ab Dienstag, 15. September, beginnen dann die Treffen, die dann wöchentlich ab 15.30 Uhr in Räumen des SkF in Baesweiler stattfinden.

Zu Beginn jedes Treffens gibt es Kakao. Mit ordentlich Sahne. Als leckere Begrüßung und Ritual, bevor Kinder im Stuhlkreis erzählen können. Davon, dass Papa oder Mama mal gute und vielleicht auch mal ganz schlechte Tage haben. Dass sie oft sehr müde sind oder sich kaum um die Dinge im Haushalt kümmern können. Alles kann zur Sprache kommen, nichts muss. Doch die Erfahrung der ersten Runde im „Kinder-Wunder-Laden“ hat gezeigt, „dass Kinder, die zu Beginn verschlossen waren, am Ende regelrecht begeistert erzählt haben“, sagt Jörn Keller. Nicht bloß die Offenheit wuchs bei manchen. Auch das Selbstwertgefühl stieg und das Verständnis dafür, warum es den Eltern oft nicht so gut geht.

Ein Clou des Ganzen ist der Transport: Auf Wunsch werden Kinder daheim abgeholt und wieder zurückgebracht. Kostenlos – wie es für die gesamten Treffen gilt. Bei der ersten Auflage hatten alle Kinder diesen Service genutzt, der durch einen anonymen Spender erneut ermöglicht wird. „Da begann das Gruppengefühl schon unterwegs“, sagt Keller, „man hat richtig gespürt, dass es für die Kinder etwas Besonderes war, auf diese Weise in den Kinder-Wunder-Laden zu kommen.“ Vielleicht die einzig mögliche. Denn für Eltern, die einen regelmäßigen Transport der Kinder oft nicht gewährleisten können, ist es auch eine Entlastung.

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