Rauchiger Blues ohne viel Brimborium

Von: rei
Letzte Aktualisierung:
14300517.jpg
Frontmann mit markanter Stimme: „Hookers“-Sänger Hubert Clemens – musikalisch und körperlich ein Schwergewicht. Foto: Stefan Reimers

Herzogenrath. Auf der Burg Rode wurde vor ausverkauftem Saal mit „The Hookers“ ein besonderer musikalischer Leckerschmecker geboten. Blues, Boogie und Rock´n‘ Roll, reduziert auf das absolut Wesentliche und präsentiert von drei Großen ihres Fachs.

Hubert Clemens an Gesang und Blues Harp, Walter Jenniches am Klavier – dank der Veranstalter in diesem Falle sogar ein waschechter Flügel! – und Jochen Solbach am Kontrabass. Mehr braucht es auch nicht, wenn die Musiker die ausgewählten Songs so gefühlvoll und ausdrucksstark interpretieren, wie es die „Hookers“ getan haben.

Das Markanteste ist und bleibt natürlich die verraucht-verruchte Stimme von Frontmann Hubert Clemens. Die ist für den Blues gemacht, die klingt eins zu eins, wie die der Originale und Vorbilder. John Lee Hookers tiefer, rauchiger Sprechgesang, Joe Cockers kraftvolle Rockröhre und last but not least natürlich Tom Waits verlebtes Organ, das immer ein bisschen klingt, als läge er in den letzten Zügen, was seine Songs aber gerade deshalb so einzigartig macht.

Hubert Clemens fühlte die Musik und durchlebte, was er sang, das spürte man, das sah man und das kaufte man ihm auch ab. Da brauchte es nicht viel Brimborium und Drumherum, keine Lightshow (die Ausleuchtung war leider nur auf das Allernötigste reduziert), keine großen Posen. Die Musik sprach für sich und zwar in akustischen Fettdruck. Zwischendurch unterhielt Hubert Clemens mit kleinen Anekdoten und Erläuterungen zu den vorgetragenen Stücken oder aus seinem eigenen musikalischen Werdegang.

„Gefunden haben wir uns über den Blues“ und „Wir lieben Tom Waits“ trafen dabei den Nerv. Da lagen und liegen ganz klar die Wurzeln und die Seele von „The Hookers“ und dann waren sie als Band auch am besten. Da klang sogar Elvis Presley beim „Heartbreak Hotel“ wie ein trinkfester Kettenraucher.

Der Song – jeglichen Rock´n‘Roll Charakters beraubt und ganz im besten Bluesstil gespielt – gab das aber auch her. Auch vom Text her („I am so lonely I could die”) und so entstand eine mehr als gekonnte und interessante Eigeninterpretation, die man so sicher noch nicht gehört hatte.

Ein Wermutstropfen, der nicht jedem aufgefallen sein mag, aber in dieser Deutlichkeit dennoch ungewöhnlich augenscheinlich zutage trat, waren die Unstimmigkeiten zwischen Sänger und Pianist, was die Tempi der Lieder anging. Walter Jennichen war nicht umsonst als designierter Boogiepianist angekündigt worden. Seine Stärken lagen klar in den Uptempo-Nummern, da konnte er auch solistisch deutliche Duftmarken setzen.

Abbruch und Neubeginn

Häufig jedoch versuchte Clemens seinem Begleiter Zeichen zu geben, langsamer zu spielen. Man kann nicht behaupten, dass dies spürbar gefruchtet hätte, weshalb die Unzufriedenheit des Sängers im zweiten Teil deutlich zutage trat und unverhohlen öffentlich geäußert wurde.

Hubert Clemens wuchtete sich sogar zwischen den Stücken vom Hocker herunter, um Walter Jennichen zurechtzuweisen und als auch dies offenbar nicht gewünschten Erfolg brachte, tat er das, was unter Musikern als wahre Todsünde gilt: Er brach bei „High Heel Sneakers“ tatsächlich ab und ließ neu beginnen. Von da an setzte es immer wieder Spitzen in Richtung Tastenmann, Marke „Lass das Klavier ruhig mal weg, das hat mich heute enttäuscht“.

Hoher Wiedererkennungswert

Wer allerdings mit Fremdschämen nichts am Hut hat, den wird das nicht gestört haben und der dürfte einen ganz ungeschmälerten Genuss wunderbarer und besonderer Blues und Boogiemusik, mit einer markanten Stimme von hohem Wiedererkennungswert erlebt haben. Hubert Clemens – das soll nicht unerwähnt bleiben – spielt übrigens auch wirklich gut die Bluesharp (zu deutsch Mundharmonika). Eine richtig runde Sache also, das Konzert von „The Hookers“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert