Nordkreis - Raucher und Wirte zittern vor dem Winter

Raucher und Wirte zittern vor dem Winter

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
6533307.jpg
„Gemütlich und im Winter trocken und warm“: Seit der Wohnwagen zur Zuflucht der Raucher geworden ist, haben die Beschwerden wegen Lärmbelästigung durch die Gäste des „Bügeleisens“ in den Nachtstunden aufgehört. Foto: Holger Bubel
6533304.jpg
Wollte seine Existenzangst mit einem Hausverbot für Landtagsabgeordnete Ausdruck verleihen: Wirt Carlos Gores Pinillos – das Ordnungsamt der Städteregion schaltet sich ein und drohte mit Strafanzeige.

Nordkreis. Der Winter naht – und damit drohen auch Probleme. Nein, nicht nur für die Autofahrer, die bei erstem Schnee immer noch auf Sommerreifen unterwegs sind. Vielmehr schlagen für Raucher und Wirte mit der dunklen und kalten Jahreszeit die Härten des zum 1. Mai dieses Jahres in Kraft getretenen Nichtraucherschutzgesetzes durch.

Das Gesetz, das in allen gastronomischen Betrieben in NRW ein absolutes Rauchverbot vorsieht und bei Missachtung drastische Geldstrafen im Katalog hat, beginnt nämlich langsam aber stetig den Gastronomen und Nikotinabhängigen die Sorgenfalten ins Gesicht zu meißeln. Einer, der bereits im Mai Schlimmes befürchtet hatte, ist Carlos Gores Pinillos. Seine Angst um die Existenz seiner Gaststätte „Bei Carlos“ hatte er mit einem Hausverbot für die Abgeordneten der rot-grünen Landesregierung – sichtbar an und in seiner Kneipe angeschlagen – zum Ausdruck gebracht. Die Folge: Fast hätte er vom Ordnungsamt der Städteregion eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Antidiskriminierungsgesetz erhalten. Quasi in letzter Minute entfernte er die Plakate und beugte sich dem Willen der Obrigkeit.

Manch einer in der Region, etwa in Eschweiler der Wirt Mike Packbier, hat nun allerdings schon die Flinte ganz ins Korn geworfen: Der Gastronom macht seine Kneipe „Mikes Pub“ dicht. Die Beschwerden der Anwohner über den Lärm der Raucher vor der Gaststätte haben dort den Eigentümer zur Lösung des Vertrags mit dem Gastronomen bewogen. Ein zweites Lokal steht in der Indestadt vor einem ähnlichen Schicksal: Auch bei „Pascal“, am zentralen Markt gelegen, scheint der Ärger der Anwohner Wirkung zu zeigen und das Handtuch zum Werfen griffbereit zu liegen.

„Gerüchte“ ähnlichen Inhalts halten sich auch wacker in den Nordkreiskommunen, sind aber „offiziell noch nicht spruchreif“. Nicht ganz von der Hand zu weisen, sind aber zmindest in Herzogenrath Denunziationen der Wirte untereinander – zumindest eine Zeit lang, wie Jürgen Venohr auf Anfrage bestätigte: „Es hat auch anonyme Eingaben gegeben, denen wir nachgegangen sind. Wir waren nahe dran erste Bußgelder zu erteilen. Aber die Lage hat sich wieder beruhigt. Noch jedenfalls.“

Irgendwie kämpfen die Wirte im Nordkreis alle mit den Unbilden, die sie in diesem Jahr 2013 heimgesucht haben: Neben dem verschärften Nichtraucherschutzgesetz leiden sie besonders unter deutlich gestiegenen Energiekosten für ihre Gastronomie, den erhöhten Bierpreisen seitens der Brauereien und dem Preisanstieg für den Fußball-Bezahlsender Sky. „Wie viel Bier muss ich da verkaufen, um das alles gegenzufinanzieren“, fragt sich etwa Myriam Reiß vom „Schaufenberger Eck“ in Alsdorf. Seitens der Nichtraucher, die aufgrund des Landesgesetzes nun eigentlich in die Gaststätten strömen sollten, ist keine Unterstützung zu erwarten: „Seit dem Gesetz habe ich zwar keinen rauchenden Stammkunden verloren, aber keinen einzigen Nichtraucher dazugewonnen“, erklärt Friedel Schleiden, Wirt der Gaststätte „Altes Rad“ in Baesweiler.

Findig greifen manche Wirte zu Notlösungen, um ihren rauchenden Gästen das Auffüllen der Nikotindepots zu ermöglichen: Manch einer öffnet seinen Gästen die Privaträume oder den Keller. Andere stellen Pavillons nach den Richtlinien des Nichtraucherschutzgesetzes auf. Diese schützen dann zwar vor Niederschlag. Aber nicht vor der Kälte – und dem Lärm.

Irvan Karakavuz ist einen Schritt weiter gegangen und hat in einen Wohnwagen investiert, den er vor seiner Kneipe „Zum Bügeleisen“ in Alsdorf parkt. Anwohner hatten sich massiv und mehrfach bei Ordnungsamt und Polizei über unzumutbare Lärmbelästigung beklagt, deren Ursache sie in der rauchenden Gästeschaft vor dem Etablissement ausmachten. Nach Aussagen des Wirts sei der Wohnwagen mit dem städtischen Ordnungsamt abgesprochen. 18 Tage lang könne er diesen auf dem Parkstreifen vor dem „Bügeleisen“ abstellen.

Seit Juli steht das Mobil wöchentlich von freitags bis sonntags dort, und damit allerdings im öffentlichen Parkraum, in einer Parkscheibenzone. 1500 Euro Anschaffungskosten plus Versicherung hat er für das bereifte Raucherheim berappt. „Der Wohnwagen kommt super bei den Gästen an. Und die Polizei brauchte auch nicht mehr zu kommen“, freut sich Irvan Karakavuz. Jedoch kommt der Caravan weniger super beim Alsdorfer Ordnungsamt an. „Herr Karakavuz hat keine Sondernutzung für den Parkraum vor seiner Gaststätte. Dieser würden wir auch nicht zustimmen. Denn es handelt sich um eine Parkscheibenzone und die ist für Anwohner oder Gäste gedacht“, sagt Jürgen Kochs, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Alsdorf.

Die Folge: Samstag für Samstag – denn auch dies sind Werktage und damit gebührenpflichtig – findet Karakavuz ein „Knöllchen“ über zehn Euro an seinem Wohnwagen, denn „nach einer langen Nacht – in der Regel sogar bis in die Morgenstunden – hinter dem Tresen“ schafft er es nicht mehr, den Raucherwohnwagen im vorgeschriebenen Zeitfenster fortzusetzen. Aber er will weitermachen: „Ich möchte nicht, dass meine Gäste in der Kälte stehen müssen und die Nachbarn sich aufregen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (10)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert