Rattenplage? Zoff im Kleingartenverein

Von: Holger Bubel
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Nicht einverstanden mit der Darstellung ihres Mitglieds Dr. Saffer: Vorsitzender Gerd Henot (M.), stellvertretender Vorsitzender Michael Simross und Schriftführerin Sabrina Plum. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Dicke Luft herrscht im Familien-Dauerkleingartenverein „Am Kiesacker“ in Alsdorf-Ofden. Der Grund: Parzellenpächter Dr. Stefan Saffer hatte sich mit dem Vorwurf, sein Kleingartennachbar sei ursächlich für ein vermehrtes Rattenaufkommen in der Anlage an die Stadt Alsdorf und an das Veterinäramt der Städteregion gewandt – und an die Medien.

Besonders der letzte Adressat in dieser Liste stößt dem Vorstand des Kleingärtnervereins sauer auf. Vorsitzender Gerd Henot: „Der Verein steht durch diese Aussagen in einem schlechten Licht da. Das Rattenproblem ist nicht so groß, wie es Herr Saffer geschildert hat.“

Dieser hatte den Vorwurf erhoben, dass etwa jeweils ein Dutzend Hühner, Kaninchen und Tauben auf der Parzelle nebenan nicht artgerecht gehalten werden und das Futter dort offen aufgestellt sei, worin Dr. Saffer den Hauptgrund für eine „Rattenplage“ sieht. Tatsächlich, das bestätigt Vorsitzender Gerd Henot, sei auf Grundlage der Vorwürfe ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen eingesetzt worden, und etwa 20 verendete Ratten wurden auch gefunden. „Dieser Einsatz ist auch noch nicht beendet“, bekräftigt Henot. Aber von einer Rattenplage könne wohl keine Rede sein.

Einen Ortstermin an der unter Verdacht stehenden Parzelle hat es mittlerweile gegeben, wie Stephan Müller, Leiter des Liegenschaftsamtes der Stadt Alsdorf, Eigentümerin des Vereinsgeländes, auf Nachfrage bestätigt. An diesem hatte neben Müller und dem Vereinsvorstand auch die Veterinärin der Städteregion, Swantje Schuhmacher, teilgenommen. „Sie hat festgestellt, dass die Tiere ganz normal gehalten werden. Es gab nur minimale Mängel – etwa verbesserungswürdige Sitzstangen für die Tauben oder die nicht ganz sauberen Kaninchentränken –, die noch behoben werden müssen“, berichtet Städteregionssprecher Detlef Funken. Auch die Zahl der Tiere sei deutlich geringer, als von Dr. Saffer gemutmaßt: fünf Zierkaninchen und -tauben sowie sechs Hühner, „für die keine Gefahr bestand oder besteht“. Auch das Tierfutter sei nicht offen, sondern in Plastik und in Eimern gelagert.

„Ganz unaufgeregt“ wolle man prüfen, ob der Tierhalter, der sich „im Übrigen sehr kooperativ“ gezeigt habe, diese Veränderungsforderungen des Veterinäramtes umgesetzt habe. Ganz konkret sagt Detlef Funken auch, habe die Tierärztin festgestellt: „Auch wenn dieses Grundstück zwar für einen Garten ungepflegt ist, der Rattenbefall geht offensichtlich nicht von dieser Parzelle aus.“ Aufgrund des Wildwuchses dieser und auch der benachbarten Parzellen – hierzu gehört das Pachtgrundstück von Dr. Stefan Saffer – „fühlten sich Ratten allerdings sehr wohl“, ergänzt Funken... Wasser auf die Mühlen des Vereinsvorstandes: „Man kann uns keine Pflichtverletzung vorwerfen. Doch was Dr. Saffer da veranstaltet hat, ist ein vereinsschädigendes Verhalten“, ist Gerd Henot stinksauer. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe es wüste Anfeindungen gegen Vorstand und Mitglieder gegeben: „Gleich 79 Absagen zu unserem Erntedankfest im Clubheim haben wir erhalten.“

Einen Rechtsanwalt habe man zwischenzeitlich beauftragt und prüfen lassen, inwieweit die Anschuldigungen des Pächters Saffer ausreichten, um ein Vereinsausschlussverfahren einzuleiten. „Einzig die Tatsache, dass Stefan Saffer seit 30 Jahren Mitglied ist, schützt ihn vor einer fristlosen Kündigung seitens des Vereins“, sagt der Vorsitzende. Eine Abmahnung habe man ihm bereits zukommen lassen. „Für ein persönliches Gespräch ist er ja nicht greifbar, am Vereinsleben nimmt er nicht teil. Und wenn überhaupt, ist er zweimal im Jahr in seinem Garten.“ Was der Vorstand nach den jüngsten Vorfällen nicht zu bedauern scheint...

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