Rasante Sprachakrobatik mit rheinischen Feinheiten

Von: Patrick Kreitz
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Sprachgewandt und feinsinnig: Konrad Beikircher brillierte in der Aula des Gymnasiums. Foto: Patrick Kreitz

Herzogenrath. Konrad Beikircher und das Rheinland - das ist schon ein Kapitel für sich. Nein, eigentlich sind es deren zehn. Denn auf so viele Teile ist die Auseinandersetzung des gebürtigen Südtirolers mit den Menschen und der Mentalität entlang des Rheins bereits angewachsen. Wohlgemerkt: Was vor zwanzig Jahren begann, war eigentlich als Trilogie gedacht. Egal.

„Am schönsten isset, wenn et schön is!” Den Titel seines aktuellen Programms will der Kabarettist in der Aula des Herzogenrather Gymnasium gleich in die Tat umsetzen. Und in der Tat: Die Zuschauer im sehr gut besuchten Saal finden es von der ersten Minute an richtig schön, laute Lacher begleiten von der ersten bis zur letzten Minute Konrad Beikirchers ungebremsten Vortrag voller Episoden und Anekdötchen.

In feinem Nadelstreifenanzug mit Weste und adretter Krawatte gekleidet, die Brille auf der Nasenspitze, wirkt Beikircher wie ein freundlicher Bankdirektor. Der öffnet sogleich die Tresortüren und holt sämtliche Facetten des rheinischen Sprachschatzes hervor. Nicht jedoch, ohne zunächst die immer noch existierenden verbalen Grenzen zwischen Ost- und Westdeutschland zu bedauern. Eine schnelle Lösung sei wohl nicht in Sicht: „Da fahren Herzogenrather eher noch freiwillig nach Kohlscheid, als dass sich daran etwas ändern wird!”

Also wird die Arbeit der sprachlichen Annäherung zwischen Sachsen und Siegburg schnell liegen gelassen. Stattdessen wird sich den Feinheiten der rheinischen Grammatik zugewandt. Da weiß man, woran man ist!

Haarsträubend

Etwa der „coniunctivus prophilacticus”, den Beikircher erklärt: „Damit können sie herrlich jemanden beleidigen, ohne dafür belangt zu werden. Beispiel: Sie Arschloch, hätte ich beinahe gesagt!´” Ja, der Rheinländer darf sich vieles erlauben. Schließlich ist er auch Herr über Raum und Zeit, wie einst ein Freund des Experten bewies: „Der stand vor unserer Tür und gab folgendes von sich: âAn und für sich wollte ich gar nicht gekommen sein, aber wo ich grad hier bin, wollte ich gefragt haben, ob ihr Samstag zum Skat kommen tätet.´ Mehr Zeitformen kann man nicht in einen Satz packen. Da bekommt der Duden Kabelbrand im Herzschrittmacher.”

Nur woher stammen diese für den sogenannten Hochdeutschen haarsträubenden Konstruktionen? Konrad Beikirchers Antwort: „Von den Römern, woher denn sonst?” Nirgendwo sonst in Deutschland seien etwa die Relativsätze des Lateinischen so gut erhalten geblieben, wie im Rheinland - dort gebe es ja sogar relativische Hauptsätze!

Da ist es natürlich ein Unding, dass die Niedersachen eiskalt behaupten, die sich nun zum zweitausendsten Male jährende Varusschlacht habe auf ihrem Territorium stattgefunden. Pah! Das sei natürlich nur ein Marketing-Trick, um etwa Würstchen Marke „Harter Hermann” an einfältige Bustouristen zu verkaufen, weiß Beikircher: „Die Niedersachsen waren auch schon vor Gerhard Schröder geschäftstüchtig.”

So schweift der Sprachakrobat während seiner mehr als zweistündigen Darbietung zwar immer wieder ab, jedoch nicht ohne stets zum Kern der Sache zurückzukehren. Der lautet: Herrmann der Cherusker besiegte die Römer natürlich im Rheinland und nicht etwa im Weserbergland. Schließlich springe hier doch jedem gleich ein Römerhelm entgegen, der nur ein Loch aushebe, um Fleißige Lieschen zu pflanzen.

Messerscharf aufgeklärt

Und nach weiteren Episoden rund um das Futur II, Ulla Schmidts gestresste schwäbische Pressereferentin oder maschinell übersetze Shakespeare-Texte kann Konrad Beikircher sogar noch messerscharf aufklären, wo genau die ominösen Kampfhandlungen stattgefunden haben müssen: „Ohne Zweifel: Der Campingplatz bei Lohmar zwischen der Autobahn 3 und dem Flüsschen Agger war das Schlachtfeld!” Warum? „Weil es da heute noch so aussieht.”
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