Ralf Langohr: In Sorge um das Leben im Stadtteil

Von: Beatrix Oprée
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Ralf Langohr

Herzogenrath. Kohlscheid liegt ihm am Herzen. So sehr, dass er nach der jüngsten Pfingstkirmes beschlossen hat, selbst Initiative zu ergreifen. „Was da geboten wurde, war traurig“, sagt Ralf Langohr. „Da gab es nur Sachen für Kleinkinder – ein Karussell, ein ,Miniriesenrad‘, ein Kinderflieger – für größere Kinder, geschweige denn Erwachsene wurde so gut wie nichts geboten.“

Dabei sei die Kohlscheider Kirmes in früheren Zeiten im weiten Umkreis die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art neben dem Aachener Bend gewesen. Vom Markt bis zum Kirmesplatz hätten sich einst Büdchen an Büdchen gereiht. Langohr: „Da kamen eigens die Verwandten zu Besuch, man trank zuerst Kaffee und ging dann gemeinsam auf die Kirmes.“ Ein Anziehungs- und Treffpunkt für die Menschen – das soll die Kohlscheider Pfingstkirmes wieder werden.

Langohr selbst ist Geschäftsmann, betreibt eine Lotto-Toto-Annahmestelle in Linden-Neusen: Neben „sechs Richtigen“ reichen die Kundenwünsche von Zeitschriften über Zigaretten und Schreibwaren bis hin zu Gelben Säcken. Diverse Paketdienste geben sich ebenso die Klinke in die Hand wie Lieferanten für Süßwaren, Kleinspielzeug und Gimmicks für die anstehende Fußball-Europameisterschaft.

Der Laden floriert und ist zugleich eine Anlaufstelle für die Anwohner ringsum. Wird es personell eng, springt eine Nachbarin kurzerhand mit ein. „Na, wie geht‘s denn heute?“ – „Wissen Sie schon ...?“ – „Bestelle ich gerne für Sie ...!“ Man lernt sich kennen, tauscht sich aus, bietet Hilfe an – so muss das Leben im Quartier funktionieren.

In Vereinswelt verwurzelt

Doch um sein eigenes Quartier, seine Heimat Kohlscheid, sorgt sich der 38-Jährige, der auch Vorsitzender des Ausschusses Kohlscheider Karneval (AKK) und Präsident der KG Dorfspatzen ist: Denn bei weitem nicht nur das Verschwinden von Schaustellergeschäften zu Pfingsten ist ihm ein Dorn im Auge, vielmehr das allmähliche Ausbluten des gesamten Stadtteils: „Wenn ich bedenke, was aus unserer Einkaufsstraße geworden ist!“

Ganz zu schweigen von der längst geschlossenen maroden Schwimmhalle: „Hier haben wir als Jugendliche ganze Nachmittage verbracht, und unsere Eltern wussten, wo wir waren. Heute fahren die Schulkinder mit dem Bus zur Halle in Herzogenrath-Mitte, ziehen sich um, sind kaum länger als zehn Minuten im Wasser und müssen sich dann schon wieder für die Rückfahrt fertig machen. So haben es mir Eltern erzählt. Kann da richtiger Schwimmunterricht stattfinden?“

Natürlich weiß Langohr auch um die schwierige Haushaltssituation der Stadt Herzogenrath und dass die Politiker per einstimmigem Ratsbeschluss unlängst alle kommunalen Standards auf den Prüfstand gestellt haben – um in absehbarer Zeit finanziell in geregelte Bahnen zurückzugelangen und damit überhaupt wieder handlungsfähig zu werden. „Es geht ja gar nicht darum, Politiker abzustrafen, sondern gemeinschaftlich mit Politik und Verwaltung zu überlegen, was wünschenswert ist, was die Bürger davon überhaupt haben wollen und was letztlich machbar ist“, sagt Langohr. Und noch etwas bewegt ihn: „Ich möchte nicht, dass durch Missmut, der bei den Kohlscheidern aufkommt, unsere renommierten Parteien abgestraft werden und bei den nächsten Wahlen aus Frust Parteien gewählt werden, die eigentlich keiner haben will!“

So hat er kurzerhand die Facebook-Gruppe „Kohlscheid – unsere Heimat“ gegründet, um Gleichgesinnte um sich zu scharen: „Jeder interessierte Kohlscheider Einwohner kann, darf und sollte sich gerne dieser Gruppe anschließen und sagen, wo und wie der Schuh drückt. Unter dem Motto ,Nicht nur reden, sondern auch was machen‘, sollen alle Probleme in und um Kohlscheid zusammengetragen und versucht werden, diese an den richtigen Stellen als Sorgen, Nöte oder Anträge vorzubringen“, wirbt er um ernsthafte Mitglieder. Denn: „Zusammen sind wir stark! ... Also liebe Scheeter, wir brauchen Euch!“ Schon in den ersten drei Tagen haben sich über 80 Interessenten gemeldet.

Damit alles auch wirklich keine blanke Theorie im sozialen Netzwerk bleibt, hat Ralf Langohr ein erstes Treffen anberaumt: am kommenden Mittwoch, 1. Juni, 20 Uhr, im „Haus Goertz“ in Kohlscheid-Klinkheide, Schulstraße 34. „Es wäre schön, wenn soviel wie möglich erscheinen“, hofft Langohr auf zahlreiche Zusagen.

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