Rätsel: Hummelsterben im Stadtpark

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Bodenlampen illuminieren nachts den Südpark.
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Auf ihren Scheiben fanden sich gehäuft tote Hummeln. Ursache sollen die Strahler für den Tode der Tiere nicht sein.

Alsdorf. Auf dem Weg zur Post, durch den Park am Übacher Weg hindurch, war es unserer Leserin Hildegard Schmitz aufgefallen: Auf den Scheiben der in den Boden eingelassenen Lampen, die – unter Bäumen und das Trottoir entlang – die ganze Anlage nach Einbruch der Dunkelheit attraktiv illuminieren, lagen jede Menge toter Hummeln.

Als hätte sie jemand auf den kreisrunden Platten zusammengefegt. Natürlich muss es eine ganz andere Erklärung für diese seltsame Kumulierung geben. Nur welche?

Die Lampen werden schlichtweg zu heiß, vermutete Hildegard Schmitz in ihrem offenen Brief an Bürgermeister Alfred Sonders. Einem Gedanken, den auch Franz-Josef Emundts nicht ganz verwerfen würde, Sprecher der Kreisgruppe Aachen-Land des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ihm, der ganz in der Nähe wohnt und deswegen häufig am Südpark vorbeigeht, ist schon aufgefallen, dass es mitunter zischt, sobald Regentropfen respektive im Winter Schneeflocken auf die Glasplatte fallen.

Generell wäre es ihm ohnehin lieber, wenn andere Lichtkörper, etwa Natriumdampf-Niederdrucklampen, zur Bodenbeleuchtung verwendet würden: „Ihre Betriebstemperatur ist deutlich niedriger, und das orangefarbene Licht lockt Insekten nicht so an.“ Denn der Lichtsmog in unseren Städten hat fatale Auswirkungen auf Insekten, beeinträchtigt Orientierungsvermögen, Nahrungssuche, Fortpflanzung und Biorhythmik. Das allerdings gilt für nachtaktive Kerbtiere.

Und Hummeln sind tagaktiv. Folglich vermutet Emundts, dass bei den verendeten Immen in Alsdorf mehrere Faktoren zusammengekommen sind: Den Hautflüglern geht gegen Ende Juli allmählich die Nahrung aus, was sie immer schwächer werden lässt. Sind die Tiere, was sehr zu vermuten sei, dazu noch durch großflächigen Insektizideinsatz, etwa mittels Glyphosat in der Landwirtschaft, vorgeschädigt, haben sie gar keine Reserven mehr und verenden dann offenbar scharenweise.

Gift vermutet auch Günter Kalinka, aus Herzogenrath, Vorsitzender der AG Wurmtal, als Hauptursache, als er sich die Fotos der toten Hummeln betrachtet. Er richtet sein Augenmerk dabei auch auf private Gartenbesitzer: „Man macht sich keine Vorstellungen, was an längst verbotenen Giftcocktails noch alles so in Kellern und Schuppen herumsteht. Und klammheimlich weiter verwendet wird, ganz nach dem Motto ,Dat hat immer jut jeholfen‘.“

Die geschädigten Hummeln haben im Südpark dann vielleicht noch eine schützende Wärmequelle gesucht, „in Hummelbauten ist es immerhin um die 30 Grad warm“, und sich deswegen auf den Lampenscheiben versammelt.

Warum ausgerechnet dort so viele Hummeln zu finden sind, hat einen Grund: Im Südpark stehen Linden, die – der Duft verrät es – zurzeit blühen. „Den Hunger der Tiere können aber auch sie nicht mehr stillen“, sagt Eleonore Prömpers vom Fachgebiet Umwelt im Rathaus. Sie geht davon aus, dass die Hummeln letzte Kräfte tanken, bevor sie verenden. Dass sie von den Bodenlampen angezogen würden, glaubt auch sie nicht: „Hummeln fliegen nicht einfach um Lichtquellen herum.“

Es handele sich eher um die Kombination aus Lichtquelle und Linden, die dafür sorge, dass die toten Insekten vermehrt im Umkreis der Strahler zu finden seien. „Die Strahler selbst töten die Tiere nicht“, bestätigt Damian Toporowski vom Fachgebiet Verkehrsplanung. Sie seien zwar warm, jedoch nicht heiß genug, um ein Insekt zu töten. „Wenn eine tote Hummel aber ein paar Stunden auf dem Strahler liegt, wird sie sicher vertrocknen.“

Die Stadt hat dennoch sofort reagiert: In den kommenden vier Wochen bleiben die Bodenlampen aus, „um geschwächte Tiere womöglich nicht noch stärker zu belasten“. Zugleich kontrolliere der Stromversorger Regionetz GmbH alle Strahler. Toporowski: „Mit zunehmendem Alter verlieren sie an Leuchtkraft, und das Farbspektrum kippt in einen blaueren Wellenbereich.“ Und der ziehe Insekten stärker an. Zudem werden alle Glasscheiben gesäubert, auf denen sich möglicherweise Rückstände süßlich-klebriger Flüssigkeiten befinden, die Insekten anziehen.

Geprüft werden soll auch, ob die Strahler in den Sommermonaten, in denen es lange hell bleibt, generell ausgeschaltet bleiben. „Wenn wir den Hummelflug so verlängern können, wollen wir gerne dazu beitragen“, sagt Toporowski.

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