Radschnellweg Euregio nimmt schneller Formen an als gedacht

Von: Beatrix Oprée
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Der geplante Radschnellweg soll so schnell wie möglich gebaut werden, stößt aber auch auf Kritik. Foto: Symbolbild: dpa

Herzogenrath. Er soll gebaut werden und zwar so zügig wie möglich: der Radschnellweg Euregio von Aachen nach Heerlen beziehungsweise Kerkrade. Große Befürworter hat das Projekt in Herzogenrath, stößt dort aber auch auf massive Kritik: Naturschutzverbände, unter ihnen die Merksteiner Naturfreunde, aber auch die Linkspartei, werden nicht müde, ihre Bedenken bezüglich der Routenführung zu äußern.

Sie befürchten unter anderem einen zu großen Flächenverbrauch zum Nachteil natürlicher Refugien. Zudem sei die Steigung in Straß zu steil. Und stünden mitunter auch noch Häuser im Weg.

Andere freuen sich, endlich eine Idee in ihrem Sinne vor der Umsetzung zu sehen. Die FDP etwa, die immer wieder den Gedanken eines Radschnellwegs zwischen dem Technologiepark Herzogenrath (TPH) und dem RWTH-Campus mit seinem Zentrum für E-Mobilität ins Gespräch brachte.

Stadtverordneter Thomas Dautzenberg betonte im Bau- und Verkehrsausschuss denn auch genüsslich, dass „eine ganz kleine Fraktion“, nämlich die seine, einst den Radschnellweg-Anstoß gegeben habe.

Die Grünen sind ohnehin happy. Vom größten Projekt für die Stadt Herzogenrath seit Jahrzehnten und wohl auch für die nächsten Jahrzehnte spricht deren Fraktionschef Dr. Bernd Fasel.

CDU-Fraktionschef Reimund Billmann appellierte, die gebotene Chance jetzt zu nutzen, wohl wissend, dass das Wurmtal ein Problem darstelle, die Alte Bahn biete sich da als Alternativstrecke an.

Parteikollege Dieter Gronowski ergänzte, dass „es uns froh stimmen sollte, dass wir noch auf den Zug aufgesprungen sind“. Und warb gleich auch noch dafür, die Idee eines „Stichs“ zur Europaschule in Merkstein weiter auszubauen: „Es wäre schön, wenn der Radschnellweg gänzlich in Merkstein sein Ende finden könnte – oder seinen Anfang ...“

Fragen bezüglich der Umsetzbarkeit des Vorhabens bewegten indes Josef Dautzenberg (SPD), etwa nach der Umweltverträglichkeit respektive der Kompatibilität der jeweils gewählten Streckenführungen auf Aachener und Herzogenrather Stadtgebiet.

Hubert Philippengracht, Leiter des Amtes für Immobilienmanagement und Verkehr bei der Städteregion Aachen, und Ralf Oswald, städteregionaler Radverkehrsbeauftragter, waren es, die Rodas Politikern den Sachstand in Form der Ergebnisse aus der ersten Bürgerbeteiligung vorstellten. Nicht ohne auch mit der erfreulichen Nachricht aufzuwarten, dass Bau, Unterhalt und Verkehrssicherung tatsächlich vom Land getragen würden, da Radschnellwege künftig mit Landesstraßen gleichgestellt werden sollen.

Wie hoch sind denn die Kosten für den Radschnellweg? Wie werden sie im Landeshaushalt berücksichtigt?

Bislang gehen die Planer von rund 15 Millionen Euro für das insgesamt über 30 Kilometer lange Streckennetz aus. Eine genauere Kostenschätzung, so erläutert Ralf Oswald auf Nachfrage, werde mit Abschluss der Machbarkeitsstudie voraussichtlich im Herbst 2016 vorgelegt. Das Land habe in der mittelfristigen Finanzplanung eine Steigerung der jährlichen Haushaltsmittel auf fünf Millionen Euro pro Jahr bis 2019 vorgesehen. In den Jahren danach müssen die Haushaltsmittel entsprechend dem genauen Finanzbedarf für die geplanten Projekte eingeplant werden. Üblich ist eine Realisierung in mehreren Bauabschnitten über mehrere Jahre.

Der Landesbetrieb, so hieß es im Ausschuss, sei noch nicht auf die Projektabwicklung vorbereitet. Wie sieht der Zeitplan aus?

Damit die Planung der preisgekrönten Radwege zügig fortgesetzt werden und die Umsetzung zeitnah erfolgen kann, sollen die Gewinnerkommunen nach der Machbarkeitsstudie auch die weitere Planung betreiben. Das Land, so Oswald, werde diese Planungen für den Radschnellweg Euregio mit 80 Prozent weiter fördern. Wer dann die Bauausführung organisiere, der Landesbetrieb oder die Städteregion, muss noch im weiteren Projektablauf festgelegt werden. Der Zeitpunkt für einen möglichen Baubeginn hänge von der letztlich ausgewählten Linienführung und den Entscheidungen der politischen Gremien ab und könne folglich noch nicht angegeben werden. Voraussichtlich im Herbst werde den politischen Gremien eine Linienführung als Ergebnis der bisherigen Untersuchungen und Bürgerbeteiligung vorgeschlagen. Oswald: „Diese entscheiden über die Linie und ob die nächste Planungsphase beginnen soll.“

Kritiker wünschen sich, erst den Bestand zu sanieren. Würde ein derart optimiertes heutiges Radwegenetz dann nicht ausreichen?

Das heutige Radverkehrsnetz werde den Ansprüchen vieler Nutzergruppen nicht gerecht. Ralf Oswald verweist auf die jüngste Unfallstatistik der Polizei, die für das vergangene Jahr 477 Unfälle mit Radfahrern in der Städteregion aufweist: „Viele fühlen sich unsicher.“ Mit dem Radschnellweg sollen besonders diejenigen angesprochen werden, die heute noch ihr Fahrrad in der Garage lassen. Weiterhin reichen bei höheren Radfahrerzahlen die bestehenden Radwege in ihrer Breite nicht mehr aus. Dies zeigen, so Oswald, etwa auch die Erfahrungen mit Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern auf der zu bestimmten Zeiten sehr rege genutzten Vennbahntrasse.

Wie viele Radfahrer gibt es überhaupt in Herzogenrath und lässt sich ihr Anteil noch steigern?

Der Radverkehrsanteil lag gemäß einer Mobilitätserhebung in 2011 bei 14 Prozent aller Wege. „In Deutschland und im Ausland aber gibt es zahlreiche Beispiele von Kommunen, in denen wesentlich höhere Radverkehrsanteile erreicht werden“, sagt Ralf Oswald. So liege er in Münster bei über 35 Prozent, in Freiburg und Erlangen bei 27 Prozent. Wesentlicher Anteil dieses Erfolges sei ein gute und sichere Infrastruktur für den Radverkehr. „Der Radschnellweg würde eine wesentliche Verbesserung bedeuten, so dass von einer deutlichen Zunahme des Radverkehrs auszugehen ist“, ist Oswald überzeugt. „Die Städteregion und die Stadt Aachen haben diesbezüglich bereits gute Erfahrungen mit dem Radweg auf der Vennbahn und dem Radweg Aachen-Jülich gemacht.“

Wie soll der Naturschutz gewährleistet werden?

Begleitend zur Machbarkeitsstudie wird eine Umweltverträglichkeitsstudie vorgenommen, die ökologische Risiken ermitteln und Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe aufzeigen soll. In der ersten Stufe der Bürgerbeteiligung sind bereits alle Varianten der Linienführung entfallen, die durch die FFH- oder Naturschutzgebiete des Wurmtals verlaufen. Ralf Oswald: „Die Auswirkungen auf die Natur werden natürlich auch im Rahmen der 2. Stufe der Bürgerbeteiligung betrachtet.“

Und was ist, wenn die Aachener eine ganz andere Route bevorzugen als die Herzogenrather?

Die Projektpartner Städteregion, Stadt Aachen und Stadt Herzogenrath begleiten die Machbarkeitsstudie mit einer Lenkungsgruppe. Diese, so Oswald, achte unter anderem darauf, dass von den Gutachtern eine in sich schlüssige Linienführung für die Gesamtstrecke erarbeitet wird. Aber: „Da die Linienführung von vielen Rahmenbedingungen abhängig sein wird, sind von den Beteiligten Kompromisse erforderlich, um eine optimale Streckenführung zu erarbeiten.“

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