Radschnellweg Euregio: Jetzt herrscht Vorfreude

Von: Beatrix Oprée
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Radweg
Ungefähr hier würde der Radfahrer auf unserem Foto unter das Gleisbett hindurch geführt werden, um weiter die Eisenbahnstraße entlang in Richtung Herzogenrath fahren zu können. Foto: ZVA

Herzogenrath. Zweimal brandete Applaus auf während der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses: Einmal, als Linke-Fraktionschef Toni Ameis den anderen Fraktionen weissagte, dass sie „in vier Jahren“ womöglich zu spüren bekämen, nicht auf den Bürgerwillen gehört zu haben.

Der Bürgerwille, den er meinte, manifestierte sich in der Sitzung durch eine weitere Liste an Unterschriften (600 an der Zahl), diesmal von Radschnellwegkritikern und übergeben durch Herbert Schmerz an den Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda. „Wir sind nicht gegen den Radschnellweg an sich, sondern nur gegen die Streckenführung am Wurmtal vorbei“, konkretisierte Schmerz im Gespräch mit unserer Zeitung. Weitere 800 Unterschriften in diesem Sinne habe er bereits der Städteregion übergeben.

Kostenerhöhungsantrag

Im Auditorium saßen aber auch Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Radschnellweg“, die den schließlich mit überwältigender Mehrheit gefassten neuen Beschluss zur Prüfung der Radschnellwegtrasse zwischen Kohlscheid und Herzogenrath an der Bahnlinie entlang ihrerseits mit Beifall quittierten: In der erweiterten Machbarkeitsstudie soll die Ergänzung des Radschnellwegs in Richtung Merkstein sowie die sichere Verknüpfung aller drei weiterführenden Schulen in der Rodastadt untersucht werden.

Alternativ zur ursprünglich vorgesehenen Strecke über die Vegla-Halde (nahe Auf der Heggen) und um den Feldabschnitt nahe Postropsweg herum soll eine Linienführung mittels Aufständerungen unmittelbar an der Bahn entlang geprüft werden. „Eine Radwegführung direkt entlang des Gleiskörpers sollte hierbei Priorität haben“, heißt es in dem Beschluss. Noch in diesem Monat möge die Städteregion zudem einen Kostenerhöhungsantrag für die beabsichtigten Erweiterungen der Machbarkeitsstudie ans Ministerium stellen. In Rodas Haushalt 2017 ist ein Eigenfinanzierungsanteil von 5000 Euro zu berücksichtigen.

Seinerzeit nicht gewusst zu haben, welche Konsequenzen die im Juni mehrheitlich beschlossene Streckenführung entlang der Neustraße haben könnte (unter anderem den Verlust der Förderfähigkeit beim Überfahren niederländischen Gebiets), bekundeten Reimund Billmann (CDU) und Josef Dautzenberg (SPD). Jetzt ist man froh über den gemeinsamen neuen Vorschlag, im Sinne einer erwünschten Entlastung der Roermonder Straße durch Umsteiger aufs Fahrrad sowie sicherer Schulwege zu allen drei weiterführenden Schulen.

Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel garnierte dies noch mit wie er sagte „untypischen“ Dankadressen: zum einen an Bürgermeister Christoph von den Driesch, der zu dem im Endeffekt erfolgreichen interfraktionellen Gespräch geladen und Peter London, den zuständigen Referenten vom nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium dazugeholt hatte – der letztlich für Aufklärung des komplexen Sachverhalts sorgte. Zum anderen dankte Fasel den beiden großen Koalitionären: für deren Mut, ihren Neustraßen-Beschluss vom Juni zu „aktualisieren“.

CDU-Fraktionschef Dieter Gronowski attestierte indes Radschnellweg-Kontrahent Toni Ameis, die finanziellen Auswirkungen des Ganzen nicht verstanden zu haben. Ameis hatte erneut gefordert, doch tunlichst zunächst die vorhandenen Radwege in der Region zu sanieren: „Hier werden 18 Millionen Euro auf den Tisch gelegt, und für die vorhandenen Wege soll kein Geld da sein?“, war seine aufmüpfige Frage.

Gronowski stellte nochmals klar: „Wenn wir den Zuschlag für den Radschnellweg nicht bekommen hätten, hätte ihn jemand anders bekommen, und die Millionen würden in eine andere Region fließen!“ Und: „Es wäre fatal, wenn wir diese einmalige Chance nicht nutzen würden!“ Womit er vor allem auch goutierte, dass die Stadt Herzogenrath bei der Finanzierung des Projekts „komplett außen vor“ sei, da die Kosten vom Land getragen werden.

Thomas Kosel (Piraten) rückte noch mal ins Licht, dass man keinesfalls davon reden könne, die Bürgerproteste außer Acht gelassen zu haben. Denn diesen sei mit dem vorherigen Beschluss für eine Trassenführung an der Neustraße doch Rechnung getragen worden. Die Kritiker seien ja nicht gegen den Radschnellweg, sondern für den Naturschutz: „Dafür sind wir auch“, appellierte er, nun nicht weiter zu streiten, sondern gemeinschaftlich zu schauen, wie der Naturschutz bewerkstelligt werden könne.

Kein Meter im Naturschutzgebiet

Was den Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda zur Klarstellung veranlasste, dass es sich bei den in Rede stehenden Flächen nicht um Naturschutz, sondern nur um Landschaftsschutz handele. SPD-Fraktionschef Gerhard Neitzke konstatierte ergänzend, dass „kein Meter“ durch Naturschutzgebiet führen werde. Und mit den vom Referenten des Ministeriums aufgezeigten entsprechenden technischen Möglichkeiten (Aufständerungen an Dammlagen, innovative Beleuchtungskonzepte zum Schutz der Tierwelt), so Josef Dautzenberg, könne man versuchen, so nah wie möglich an der Bahntrasse und so weit wie möglich aus dem Landschaftsschutz heraus zu bleiben.

Norbert Voss (FDP) stellte abschließend noch heraus, dass im Zuge des Projektes nun durchaus auch vorhandene Radwege ertüchtigt würden. Ihm als Radfahrer würde die beschlossene Radschnellweg-Achse die Möglichkeit geben, „ebenerdig zu fahren“ – in absehbarer Zeit ...

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