Prozess um Messerattacke in Würselen fortgesetzt: „Wie in Trance“

Von: wos
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Aachen/Würselen. Aus Aleppo hatte es Rafed A. (37) über die Balkanroute bis nach Köln und schließlich in das zugewiesene Flüchtlingsheim im Helleter Feldchen, Würselen, geschafft.

Da hätte er endlich Ruhe finden sollen, ließ sich der wegen versuchten Mordes an einem Zimmergenossen angeklagte Mann am Donnerstag vor der Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts ein. Ja, er habe zugestochen, übersetzte der Dolmetscher, aber der in sich gekehrte Angeklagte machte klar: „Ich wollte nicht zum Messer greifen, ich war wie in Trance“.

Der Fall vor dem Vorsitzenden Richter Markus Vogt ist ein Flüchtlingsdrama. Denn der 37-Jährige hatte die Wochen dauernde Flucht überlebt, wollte nun hier schnellstens Deutsch lernen und einen Job bekommen, weil der gelernte Lackierer seine hochschwangere Frau in die Fremde nachholen wollte, erklärte er dem Gericht. Er habe bereits den Deutschkurs begonnen.

Doch zum Lernen brauche man Konzentration, und die habe ein Mitbewohner in dem Acht-Mann-Zimmer mutwillig zerstört, begann der Angeklagte, sein blutiges Handeln zu erklären. In dieser Nacht hatte Rafed A. auf einen Mitbewohner eingestochen, mehrfach, wollte dies auch wirklich mehrfach tun, wie ein Sicherheitsbeauftragter am Donnerstag der Kammer berichtete.

Der Zeuge bestätigte jedoch gleichermaßen die Einlassung des Angeklagten, der gesagt hatte, dass seine Bitte, die überlaute Musik doch nachts nach ein Uhr auszuschalten, von seinem Kontrahenten mit Lachen und Häme quittiert wurde.

Da holte er einen der beiden Wachmänner, die Dienst in dieser Nacht hatten. Der Wachmann, so berichtete dieser, kam mit und fand tatsächlich ein lautes und lärmiges Zimmer vor. Er sei in den Raum getreten, hinter ihm der Angeklagte. Als er bat, die Musik leiser zu drehen, wurden sie beschimpft, der Mann am Recorder habe dann plötzlich dem hinter ihm stehenden Angeklagten mit der Faust ins Gesicht geschlagen und üble Beschimpfungen ausgestoßen.

Der Sicherheitsmann berichtete, wie er den hinter ihm stehenden Angeklagten zunächst von Faustschlägen gegen seinen Angreifer zurückhielt. Doch dann, er wisse auch nicht wie, habe dieser urplötzlich ein Messer in der Hand gehalten und habe begonnen, auf den Kontrahenten einzustechen. Der wurde verletzt, überlebt die die nächtliche Attacke aber letztlich. Der Prozess wird am 23. September fortgesetzt.

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