Projektarbeit: Was hat sanitäre Versorgung mit Flucht zu tun?

Von: Johannes Schaffeldt
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Wie sauber wird das denn? Unter der Anleitung von Sebastian Seitz von „Ingenieure ohne Grenzen“ testen die Schüler ihre selbstgebauten Wasserfilter aus. Foto: Johannes Schaffeldt

Herzogenrath. Die Zahlen schockieren: Über 663 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu adäquaten Trinkwasserquellen, über 2,5 Milliarden Menschen keine angemessene Sanitärversorgung.

Was es bedeutet, wenn ein Mensch jährlich mehr als zwei Badewannenfüllungen Urin ausscheidet und keinen vernünftigen Ort hat, wo dieser und andere Exkremente landen können, haben Schüler aus den siebten und achten Klassen der Gesamtschule Kohlscheid in Projekttagen erarbeitet – eingebettet in die Europawoche des Landes NRW.

Die Gesamtschüler hatten sich entschieden, sich von den Kriegen in Syrien und den Problemen im Nahen und Mittleren Osten zu lösen. Denn: „Wir verkennen oft, dass es auch andere Fluchtbewegungen gibt und geben wird, die ganz andere Gründe haben“, erklärte Lehrerin Gabriella Zurborg. Wer nichts zu trinken und zu essen hat oder davon krank wird, hat oft nur die Chance, seine Heimat zu verlassen. Wie diese Fluchtgründe vor Ort behoben werden könnten, wurde durch die Schüler praxisnah mit drei Studenten der RWTH erarbeitet. Linda Brodnicke, Mark Zander und Sebastian Seitz gehören zur hiesigen Regionalgruppe der Hilfsorganisation „Ingenieure ohne Grenzen“, die sich in verschiedenen Entwicklungsregionen mit eigenen Projekten engagiert, aber auch in der Region Bildungsarbeit anbietet.

Die Projektarbeit fand in drei Workshop-Gruppen statt. Die Schüler konnten eine Trockentrenntoilette entwickeln, eine Waschstation aufbauen oder Lösungen der Wasserfiltration ausprobieren.

Bei der Toilette war die Zielsetzung, möglichst Urin und Fäkalien zu trennen, damit durch die Flüssigkeit aus den Feststoffen keine Krankheitserreger gelöst werden und durch Versickerung ins Grundwasser gelangen.

Die Waschstation hatte eine Doppelfunktion: zum einen die Hygiene zu verbessern, zum anderen nicht zu viel kostbares Wasser zu verschwenden. Die Schüler erfuhren, dass vor allem über die Hände Erreger verbreitet werden. Die von den Schülern gebaute Waschstation löste beide Probleme, indem die Hände nicht mit dem Wasserbehälter in Berührung kamen und der Wasserbehälter durch eine kleine Öffnung nur eine begrenzte Menge Wasser zur Verfügung stellte.

In der dritten Station lautete die Aufgabe, mit Kieseln, Sand, Aktivkohle und Watte eine Wasserfilteranlage herzustellen. Die Kleingruppen hatten allerdings, wie in der Realität auch, sehr unterschiedliche finanzielle Ausstattungen dafür zur Verfügung. So konnte die Kleingruppe „Deutschland“ die teure Aktivkohle im Versuchsaufbau verwenden, während die Kleingruppe „Kamerun“ ihr gesamtes Budget aufwendete und dafür nur Sand und Kiesel bekam. Die Ergebnisse der Filtration waren entsprechend unterschiedlich.

Nach der Kleingruppenarbeit bestand für die Schüler noch die Möglichkeit, Forderungen, aber auch Fragen an eine Politikerin loszuwerden. Die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) stand Rede und Antwort.

Schulleiterin Barbara Onkels sieht in Projekttagen wie diesem eine hervorragende Möglichkeit anderen Lernens. „Durch die eigene Projektarbeit bleiben den Schülern die Inhalte besonders lange im Gedächtnis.“

Und Lehrerin Gabriella Zurborg freut sich, wenn sie nach einem solchen Projekt „Multiplikatoren auf den Weg bringen kann“, die über Flucht und Migration Bescheid wissen und dieses wichtige Wissen in die Gesellschaft hereintragen.

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