Herzogenrath - Projekt „Tellerrand“: Hermann Knopik ist „ein wenig bange vor der Zukunft“

Projekt „Tellerrand“: Hermann Knopik ist „ein wenig bange vor der Zukunft“

Von: mabie
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Engagiert auf sozialer Ebene: Hermann Knopik ist seit 13 Jahren Vorsitzender des Projekts „Tellerrand“ im Herzogenrather Stadtteil Straß, das nun seit 15-jähriges Bestehen feiert.

Herzogenrath. Auszeichnungen hat der „Tellerrand“ schon genug bekommen. Der Weg zur Anerkennung des sozialen Projekts der Pfarre St. Josef im Herzogenrather Stadtteil Straß, das an jedem Wochentag für ein warmes Mittagessen in geselliger Runde im Pfarrheim neben der Kirche sorgt, war aber steiniger als zunächst vielleicht gedacht. Unser Mitarbeiter Markus Bienwald blickt zusammen mit dem Vorsitzenden Hermann Knopik auf 15 Jahre „Tellerrand“.

Herr Knopik, was war eigentlich vor dem „Tellerrand“?

Knopik: Es gab nichts Vergleichbares. Die Idee von Wilfried Hammers – zunächst noch unter dem Arbeitstitel „Suppenküche“ und dann ab dem 28. Mai 2001 unter dem endgültigen Namen „Tellerrand“ – sorgte dafür, dass Menschen gemeinsam speisen können.

Das geht natürlich auch im Restaurant oder der heimischen Küche…

Knopik: Im Restaurant geht es nicht zu den so sozialverträglich wie nur irgendwie möglich gestalteten Preisen. Wir nehmen aktuell beim Essen in unserer Einrichtung nur 3,70 Euro pro Mahlzeit, das ist konkurrenzlos günstig. Und daheim sind die Menschen oft alleine, und einsam essen schmeckt nun mal nicht.

Es geht also vor allem um den sozialen Aspekt des Essens?

Knopik: Das ist der Kern der Sache. Wir bieten hier eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen aus allen sozialen Schichten an. Meistens sind es ältere Menschen, die mittags zu uns kommen, um gemeinsam mit anderen zu essen. Und für diejenigen, die für einen Aufpreis von 20 Cent pro Mahlzeit unseren persönlichen Bringservice nutzen, ist es oft das Highlight des Tages, wenn unser Mitarbeiter das Essen bringt.

So bringen Sie Menschen dazu, über den eigenen Tellerrand zu schauen?

Knopik: Das war von Anfang an unser Ziel. Es geht ja noch weiter, denn nicht nur diejenigen, die als Kunden bei uns sind, erleben Gemeinschaft. Wir bieten auch Beschäftigung, denn die Mahlzeiten werden komplett in der eigenen Küche zubereitet. Dafür haben wir verlässliche und gute Mitarbeiter, ohne die wir unser Angebot von montags bis freitags nicht schultern könnten.

Lief denn alles reibungslos?

Knopik: (atmet tief durch) Das kann man nun wirklich nicht behaupten. Zunächst mussten wir die Idee ja in den zuständigen Kirchengremien an den Mann bringen. Und als es dann losging, stellten wir schnell fest, dass die ursprüngliche Idee, mit Ehrenamtlern einen wochentäglichen Mittagstisch anzubieten, nur sehr schwer umsetzbar ist.

Woran scheiterte die Umsetzung dieses Plans?

Knopik: Wir stellten beispielsweise sehr schnell fest, dass die Küche der Pfarre dafür nicht geeignet war. Ohnehin ist die Küche so ein Thema, denn wir sind zum einen auf Geräte angewiesen, die gastronomische Standards haben. Zum anderen müssen wir ja auch Auflagen erfüllen, und das kostet auch Geld.

Die Finanzen sind ein gutes Stichwort. Sind Sie auf Rosen gebettet?

Knopik: Nein, ganz und gar nicht. So sind wir ohne Geld aber mit vielen Ideen gestartet. Die erste Küche haben wir gebraucht gekauft und danach abgestottert. Und auch die strengen gesetzlichen Vorgaben bringen uns immer wieder an den Rand der finanziellen Möglichkeiten.

Wie wirkt sich das aus?

Knopik: Beispielsweise wollten wir ursprünglich gar keine Ein-Euro-Jobber annehmen, weil wir das für ein unmenschliches Beschäftigungsmodell halten. Aber später wurde uns von der Agentur für Arbeit das Ganze beinahe aufgedrängt. Als dort das Geld alle war, zogen sich aber auf einmal alle wieder zurück und wir mussten uns neu aufstellen.

Wie halten Sie den Betrieb denn aufrecht?

Knopik: Es ist immer schwierig gewesen, aber dank des Engagements der Mitarbeiter und unserer knapp 50 Mitglieder und der vielen anderen Unterstützer, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben, konnten wir uns immer über Wasser halten.

Mit welchen Gefühlen denken Sie an die Zukunft des „Tellerrands“?

Knopik: Mir ist ein wenig bange um die Zukunft. Das gilt vor allem für die Arbeit im Vorstand. Ich bin jetzt 66, und seit 13 Jahren Vorsitzender. Mein Stellvertreter ist älter als ich, und Nachwuchs ist bislang nicht in Sicht. Und da wir im Vorstand schon oft in Doppelfunktion bürgerschaftlich engagiert sind, wird es schwierig.

Denken Sie, dass der „Tellerrand“ in Zukunft noch seine Berechtigung haben wird?

Knopik: Daran habe ich absolut keinen Zweifel. So eine Einrichtung wird in Zukunft noch erheblich wichtiger als jetzt schon. Denn vor allen Dingen der soziale Aspekt, eine Anlaufstelle mitten im Quartier zu sein, das wird immer wichtiger.

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