Projekt „Staatsanwalt für einen Ort” zeigt Wirkung bei Jugendkriminellen

Von: Holger Bubel
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Auf einem guten Weg: StaatsanwaltJoachim Bolder (l.) und Andre Pabich (r.) von der Jugendgerichtshilfe arbeiten im Team bei der Ahndung der Jugendkriminalität in Alsdorf. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Mit dem Fahrrad, in Begleitung von Jugendamtsleiter Herbert Heinrichs und Jugendgerichtshelfer Andre Pabich, hat Staatsanwalt Joachim Bolder im Sommer sein „Revier” erkundet. „Man muss doch wissen, wo sich vermeintliche Übeltäter herumtreiben”, meint der Jurist. Und auf dem Fahrrad kann man sich ein Bild „auf Augenhöhe machen”.

Seit Beginn dieses Jahres läuft das Projekt „Staatsanwalt für einen Ort” in Alsdorf. Dabei ist ein Staatsanwalt für eine Kommune zuständig und nicht, wie größtenteils noch üblich, nach alphabetischer Reihenfolge bis zu 20 Juristen.

Jetzt berichtete der für Alsdorf zuständige Staatsanwalt Joachim Bolder vor dem Jugendhilfeausschuss über die ersten Erkenntnisse aus dieser neuen Vorgehensweise der juristischen Ahndung kleiner und großer Delikte. „Es ist spürbar ruhiger geworden”, zieht Bolder ein vorläufiges Fazit seiner Arbeit.

Jugendgerichtshelfer Pabich bestätigt: „Unsere alten Kunden sind deutlich zurückhaltender geworden.” Er fügt mit aller Deutlichkeit gleich vorweg hinzu: „Die Kriminalitätsstatistik für Alsdorf weist nicht aus, dass Straftaten und Delikte in der Mehrzahl von ausländischen Jugendlichen oder solchen mit Migrationshintergrund ausgeführt werden.”

Die Zahlen, die er dem Jugendhilfeausschuss dann aus dem Jahr 2009 präsentierte, stimmten dennoch alles andere als fröhlich. 396 Jugendliche (Alter von 14 bis 18) und Heranwachsende (18 bis 21), darunter 60 weibliche, wurden 2009 wegen verschiedener Delikte angeklagt, darunter 81 Eigentums-, 58 Verkehrs- sowie 116 Gewaltdelikte, 37 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und 100 Fälle weiterer Art.

50 Jugendstrafverfahren wurden eingeleitet. „Der Strafenkatalog, den ich zur Verfügung habe, ist ausreichend. Am gefürchtetsten ist der Kurzarrest bis zu vier Wochen”, sagt Staatsanwalt Bolder. Ein solcher wurde 2009 gleich 26 Mal verhängt. Weitere Maßnahmen zur Ahndung von minder schweren Delikten seien Arbeitsauflagen (175 Mal), Geldbußen (33) sowie Seminare, etwa zur Verkehrserziehung (80), und mehr.

Für 2010 hat Bolder natürlich noch keine Statistik, kann jedoch (noch) konstatieren: „In Alsdorf gibt es keine ganz schweren Fälle, auch wenn es den einen oder anderen Intensivtäter gibt.”

Einen Schwerpunkt in seiner Arbeit bildet das sogenannte Diversionsverfahren, bei dem eine Gerichtsverhandlung umgangen werden kann. Dabei ermittelt die Polizei die Hintergründe einer Straftat, der Staatsanwalt entscheidet dann, ob es zur Anklage vor Gericht kommt, oder das Verfahren angewendet wird, bei dem die Strafen vergleichsweise „gnädig” ausfallen.

„Das hat sich bewährt”, berichtet Bolder, „wichtig ist, dass ein solches Verfahren schnell über die Bühne geht, damit ein zeitlicher Bezug zum Delikt besteht und die Einsicht noch geweckt werden kann. Die Strafe folgt sozusagen auf den Fuß.”

Überhaupt habe sich der Zeitraum zwischen Überführung einer Tat bis zur Verhandlung vor Gericht um bis zu 50 Prozent reduziert. Bolder führt weitere Vorteile des neuen Staatsanwaltsmodells an: feste Ansprechpartner mit den Bezirkspolizisten, die man ansonsten nur selten kennenlernt, man kennt aber auch Mehrfachbeschuldigte, die einem „keine Geschichten mehr auftischen” können.

Das Projekt, so ließ Bolder durchblicken, solle fortgeführt und sein Aufgabenbereich erweitert werden. „Es ist angedacht, dass ich Würselen noch dazunehme.”
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