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Projekt „pillars of freedom“: Redefreiheit, in Stein gemeißelt

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Die Arbeit ist so hart, wie der Stein, der geformt werden soll: Der Alsdorfer Bildhauer Alfred Mevissen gestaltet diese Statue zum Thema Redefreiheit, die von einem Narren dargestellt wird. Foto: Karl Stüber
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Die Kehrseite der Statue: Links außen ist ein an den Stein geschlagener Mensch erkennbar. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Kleine Steinsplitter fliegen. Unter dem Schleppdach auf dem Gelände der Initiative „Go better“, einem Träger der freien Jugendhilfe an der Marienstraße in Alsdorf, hallen laut die Schläge. Hammer und Meißel finden ihr Ziel. Der steinerne Narr, der von dem Metall am Hals getroffen wird, scheint vor Schmerz den Kopf abzuwenden.

Oder hält er gerne seinen Kopf hin, um genauer Form anzunehmen? Alfred Mevissen gibt seinem neuesten Werk, einer rund drei Meter hohen Skulptur aus schwedischem Granit, den letzten Schliff. Der Alsdorfer Bildhauer hat sich ein Sabbatjahr gegönnt. In seinem anderen Leben ist er als Manager in der pharmazeutischen Industrie tätig. Jetzt konzentriert er sich auf das Vorhaben „pillars of freedom“, Säulen der Freiheit.

Mitstreiter aus zwölf Ländern

„Säulen der Freiheit ist ein internationales Kunstprojekt mit dem Ziel, an die Bedeutung des aktiven Engagements für die Freiheit zu erinnern“, sagt Mevissen. Mittlerweile machen Künstler aus zwölf Ländern bei dem Projekt mit, sind 36 Statuen in Arbeit, manche davon schon fertig. Das Projekt möchte die Gesellschaft für die Werte und Verhaltensweisen, die in den letzten 70 Jahren ein freies und friedliches Leben in Europa ermöglicht haben, sensibilisieren.

Die teilnehmenden Künstler gestalten je eine Skulptur von mindestens zwei Metern Höhe, die eine Säule der Freiheit verkörpert. Der Kreis der Akteure wächst ständig und beschränkt sich nicht auf Europa. So sind auch die USA vertreten. Am 9. November werden alle Skulpturen virtuell zu einem Gesamtkunstwerk zusammengeschlossen. Damit soll ein bedeutendes Zeichen für das aktive Engagement für die Freiheit gesetzt werden. Der Fortgang des Projekts wird im Internet unter www.pillars-of-freedom.de dokumentiert. Dort sind auch weitere Details zu finden.

Die „Säule der Freiheit“, an der Mevissen aktuell arbeitet, ist etwa 3,50 Meter hoch und solle nach Ende des Projekts in dem Bereich zwischen Stadthalle und Senioreneinrichtung in Alsdorf-Mitte aufgestellt werden, wie Mevissen mit Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) geklärt hat. Der Narr verkörpert das Thema Redefreiheit – eine Form von Freiheit, die Mevissen angesichts negativer Entwicklungen weltweit immer mehr eingeschränkt sieht. Der Bildhauer sorgt dafür, dass sich verschiedene Aspekte des Narrentums in der Skulptur wiederfinden.

Die Narrenkappe ist zweigeteilt. Sie besteht aus der klassischen karnevalistischen Kopfbedeckung, und zur anderen Hälfte hat sie Zöpfe, die an Spaßmacher an Fürstenhöfen, im Theater (besonders bei der Commedia dell‘Arte)] erinnern, die ihrem Herrn bzw. dem Publikum teils schonungslos den Spiegel vorhielten. Der Mund des Steinkopfes ist natürlich offen, der Narr führt das offene Wort.

In der rechten Hand werde er sein Narrenzepter mit Weltkugel und in der linken Hand eine gefaltete Zeitung halten, wie Mevissen sagt. „Die Pressefreiheit ist ebenso eine Form der Freiheit, die aktuell verstärkt angegriffen wird“, sagt der Bildhauer. Wer sich dem Kunstwerk von der Rückseite nähert, der erkennt – je nach Blickwinkel – noch mehr: zum Beispiel einen an den Stein geschlagenen Menschen, der seinen Kopf empor reckt und zu rufen, wenn nicht gar zu schreien scheint.

Rund 1,7 Tonnen wiegt das Kunstwerk und wird schon durch sein Gewicht für genügend Stabilität am späteren Standort sorgen, wobei zusätzlich für eine feste Verbindung mit dem noch anzulegenden Sockel gesorgt wird. Bei einem Symposium vom 27. März bis 7. April – ebenfalls auf dem Gelände von „Go better“ – sollen weitere Skulpturen entstehen, die im Süd-, Burg-, Anna-, Josef-Thelen-Park und in Ofden aufgestellt werden sollen.

Zudem werden die teilnehmenden Künstler im Schaffrathhaus in Ofden je drei ihrer Werke ausstellen, sagt Mevissen. Bereits zugesagt hätten Beate Bündgen, Dieter Eichelmann, Willi Arlt und Gabi Schmertz. Da muss noch viel vorbereitet werden. Es wäre gut, wenn sich Unterstützer melden würden, sagt Mevissen und verweist zur Kontaktnahme auf den Internetauftritt. Und schon fliegen wieder Steinsplitter. Der Narr ist bald fertig und die Redefreiheit in Stein gemeißelt.

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