Projekt der Falken: Erfahren, woher wir eigentlich kommen

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
6483616.jpg
Gelebte Geschichte: Hartmut Prast war einer der Zeitzeugen bei der Aktion der Merksteiner Falken, die für ihr Buchprojekt „Woher wir kommen“ noch weitere Interessierte suchen. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Hartmut Prast ist einer von denen, um die es geht. Denn er gehört einer Generation an, die weiß, wie es ist, wenn man irgendwo fremd ist und sich als Entwurzelter ein neues Zuhause erkämpfen muss. Seine Großeltern sind aus einem anderen Teil Deutschlands nach Merkstein gekommen, wo es unter Tage genügend Arbeit gab, um die Familie zu ernähren.

Diese Geschichte erzählte er auch den Kindern, die bei der Aktion „Woher wir kommen“ der Falken in Merkstein eine Woche lang mit Menschen sprachen, die ihr neues Zuhause in Merkstein gefunden haben.

Dazu haben die jungen Menschen unter Leitung von Mariam Norin und Pinar Göktepe nicht nur die Schreibwerkstatt mit der Autorin Christine Bacher Mitte November vorbereitet. Am Anfang standen viel mehr Interviews mit Menschen wie dem Pizzabäcker von nebenan, Bultan Ersay, der erzählte, wie es ihm fern seiner Heimat ergangen ist und wie alle anderen der Befragten auch einen Steckbrief ausfüllte.

Neue Heimat gefunden

„Ich fand vor allem die Geschichte der russischen Gefangenen interessant“, sagt der zehnjährige Tim Hilbig. Denn die Kinder erfuhren auch, wie es zum Beispiel den Kriegsgefangenen aus dem Ostblock während ihrer Zeit als Zwangsarbeiter in der Zeche Adolf erging.

„Dazu haben wir das russische Alphabet gelernt und sind zum Friedhof gegangen, um herauszufinden, wer dort alles gearbeitet hat“, ergänzt Marie Hammerschmidt. Die Zehnjährige und ihr Altersgenosse Marvin Cancar interessierten sich besonders für die kleinen Holzspielzeuge aus der Hand der Russen, die heute noch zum Teil in der Ausstellung des Bergbauvereins Grube Adolf zu sehen sind.

Natürlich wurde ihnen über Erzählungen und das, was Beate Kuhn von den Falken in Merkstein berichtete, deutlich, warum die Männer diese Spielzeuge überhaupt bauten. „Die haben das gemacht, damit sie es gegen Essen eintauschen konnten, denn die Menschen durften denen nichts zu essen geben“, weiß Tim Hilbig nun.

Das eindringliche Schicksal der Menschen, die meist entwurzelt in Merkstein eine neue Heimat gefunden haben, faszinierte die Zehn- bis Dreizehnjährigen durchweg. „Es hat wirklich Spaß gemacht, weil wir hier etwas über andere gehört haben“, schließt auch Franziska Derichs, 12. Für Hartmut Prast war es eine schöne Gelegenheit, nicht nur zu zeigen, wie das war, wenn man in der Grube gearbeitet hat, sondern auch, wie es ist, wenn man irgendwo fremd ist.

„Und es geht auch darum, zu sagen, warum man sich eigentlich sicherer fühlen kann, als man denkt“, schloss Prast mit Blick auf die immerwährende Unsicherheit von Menschen fremder Herkunft, wenn sie in einer neuen Umgebung neue Wurzeln schlagen müssen.

Das Projekt „Woher wir kommen“ ist noch lange nicht abgeschlossen. So werden in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung weitere Zeitzeugen über die lange Zuwanderungsgeschichte in Merkstein gesucht. Dazu gibt es ein offenes Treffen, freitags von 16 bis 18 Uhr, im Falkenraum des Bürgertreffs Merkstein an der Comeniusstraße 7. Am Samstag, 16. November, ergänzt von 10 bis 14 Uhr die Schreibwerkstatt mit der Autorin Christine Bacher an Ort und Stelle das Projekt.

Am Ende soll ein Buch der jungen Falken über die Migrationsgeschichte in Merkstein stehen. Weitere Informationen: Beate Kuhn, Telefon 0177/6498808 oder beate_kuhn@gmx.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert