Projekt „Bildungsshop“: Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf

Von: Katrin Fuhrmann
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Mit viel Herz bei der Sache: Sozialarbeiterin Sonja Hönnekes (22) möchte Jugendlichen mit einem Patenprojekt helfen. Foto: Katrin Fuhrmann

Alsdorf. Kai ist in der achten Klasse. Er hat Probleme in Mathematik und Deutsch. Seine Versetzung ist gefährdet. Lust zu lernen, hat er kaum. Schule ist nicht so sein Ding, sagt er. Seine Eltern, die beide Arbeitslosengeld beziehen, können Kai beim Lernen nicht helfen. Und so muss er sich irgendwie alleine durchschlagen.

Aber das funktioniert nicht. Er braucht Unterstützung. Kai gibt es so nicht. Sozialarbeiterin Sonja Hönnekes (22) vom Caritasverband für die Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land hat den Jungen als Beispiel konstruiert, um zu verdeutlichen, wen sie mit ihrem wieder zum Leben erweckten Projekt „Bildungsshop“ in Alsdorf ansprechen möchte.

„Ich möchte Jugendliche erreichen, die von zu Hause nicht so viel Unterstützung bekommen und orientierungslos sind, was ihre Zukunft betrifft“, sagt Hönnekes. Für jeden Schüler, der am Projekt teilnimmt, organisiere sie einen ehrenamtlichen Paten, der zum Beispiel dabei helfen kann, einen guten Schulabschluss zu erlangen oder einen Ausbildungsplatz zu finden.

Hönnekes ist sich sicher, dass der Übergang von der Schule in den Beruf für Jugendliche nicht immer zielgerichtet verläuft. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Aber häufig sei das soziale Umfeld und die Strukturen innerhalb der Familie dafür verantwortlich.

Das Projekt gibt es eigentlich schon seit fünf Jahren. Zusammen mit dem Verein Abbba ist es damals gestartet – dann aber irgendwann eingeschlafen und nicht weitergeführt worden. Dabei ist der Bedarf gerade in Alsdorf, wo es viele sozialschwache Familien gibt, sehr groß, weiß Hönnekes.

Gleiche Interessen

Sie hat alle Alsdorfer Schulen, mit Ausnahme des Gymnasiums, angeschrieben. Der Kontakt zu Schülern soll nämlich über die Schulen hergestellt werden. Im zweiten Schritt sind die Schüler selbst gefragt. Sie müssen sich bei Interesse bei Hönnekes melden, ein Formular mit ihren Stärken, Schwächen, Motivation am Projekt teilzunehmen und Hobbys ausfüllen.

Die Ehrenamtler füllen ein ähnliches Formular aus. „Wir suchen für jeden Schüler den richtigen Partner“, sagt Hönnekes. Sie ergänzt: „Wenn der Jugendliche zum Beispiel Hilfe in Mathe braucht und wir zufällig einen ehrenamtlichen Mathelehrer zur Hand haben, wären die beiden sicher ein gutes Team“.

Gleichzeitige schaue sie aber auch nach gleichen Interessen. Wenn sich Pate und Jugendlicher zum Beispiel für den gleichen Fußballverein interessierten, könnten die beiden sicher eher eine persönliche Beziehung zueinander aufbauen, als wenn beide andere Interessen hätten.

Voraussetzung für die Arbeit als Pate ist, dass man eine Präventionsschulung besucht hat. „Zum Eigenschutz und um Gewalt zu erkennen“, sagt Hönnekes. In dem Kurs wird den Ehrenamtlern nämlich vermittelt, wie sie zum Beispiel erkennen, dass Jugendliche zu Hause geschlagen werden. Gleichzeitig sollen die Ehrenamtler lernen, wie sie sich schützen können, um nicht selbst zum Beispiel wegen Missbrauch beschuldigt werden. Daher fänden die Treffen auch in der Regel an neutralen Orten, wie beispielsweise in der Schule, statt.

Angedacht ist, dass sich die Paten wöchentlich von der achten Klasse bis zum Abschluss der Probezeit im Beruf treffen. Danach könne der Kontakt natürlich weiterhin bestehen. „Unsere Arbeit ist dann aber erst einmal beendet“, sagt Hönnekes.

Wichtig ist Hönnekes vor allem, dass beide Seiten freiwillig an dem Projekt teilnehme, zuverlässig sind und verbindliche Absprachen treffen. „Schließlich geht es um die Zukunft der Jugendlichen“, sagt Hönnekes. Sie betont: „Die Paten können ein Vorbild sein. Sie sollen den Jugendlichen ihre Stärke bewusst machen und bei Konflikten zur Seite stehen. Gleichzeitig sollen die Paten aber nicht Eltern und andere Bezugspersonen ersetzen wollen, den Weg bestimmen oder einen Ausbildungsplatz versprechen.“ Es gehe um Unterstützung und Begleitung. Nicht um Bestimmung.

Hönnekes will auch Strukturen aufbrechen. Sie glaubt, dass Jugendliche, deren Eltern keine Arbeit haben, häufig das gleiche Schema aufweisen. Das müsse aber nicht sein. „Wir müssen den Jugendlichen zeigen, dass arbeiten Spaß macht und man sich dann auch mehr leisten kann, als beispielsweise mit dem Bezug des Arbeitslosengeldes“, sagt sie.

Jugendliche, wie Kai, könnten mit Hilfe des Projekts nach der Schule so schneller im Berufsleben Fuß fassen. Das zumindest will Hönnekes erreichen. Weitere Informationen gibt es bei Sonja Hönnekes per E-Mail an s.hoennekes@caritas-verband.de oder unter Telefon 02404/5995914.

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