Private Blicke ins Künstlerleben

Von: Elisa Zander
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Das Skizzenbuch ist immer mit dabei: Ob im Urlaub, im Garten oder manchmal auch beim Einkaufen - Mechthild Niebeling-Mause lässt sich gerne überall inspirieren. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Sterile und eintönige Ausstellungen haben schon viele besucht. Parallel hängende Bilder in gleichen, akkuraten Rahmen bestimmen häufig das Bild. Hin und wieder eine auffallend große Leinwand, vielleicht eine Skulptur.

Es ist Besuchern möglich, die Arbeiten der Künstler kennenzulernen, jedoch nur selten den Erschaffer. Das war nun in Kohlscheid etwas anders: Denn Mechthild Seck und Loni Liebermann hatten zum Tag des offenen Ateliers eingeladen. Es war eine Art Rallye, bei der man einmal quer durch Kohlscheid laufen konnte und Hobby- oder freischaffende Künstler in ihren Ateliers besuchte. Von Eintönigkeit keine Spur.

Gläser und Tuben

So unterschiedlich wie die Menschen sind auch ihre Arbeitsräume. Der eine mag es aufgeräumt, der nächste kann nur im kreativen Chaos arbeiten und andere wiederum hatten ihr Atelier extra aufgeräumt. „Aber nur ein bisschen, damit nicht alles quer herum liegt”, erzählt Mechthild Seck lachend. „Wenn ich jedes Mal nach dem Arbeiten hier aufräumen würde, müsste ich ja beim nächsten Mal alles wieder rauskramen.” Diese Mühe spart sie sich. Nur einige Gläser und Tuben stehen auf ihrem Tisch. „Ich male viel mit Ölfarben - und die mische ich selber an”, erklärt sie. Mit Wachs, Tinkturen und Pulvern entstehen jedes Mal neue Konsistenzen und Farbmischungen.

Als die freischaffende Künstlerin vor einigen Monaten von Aachen nach Kohlscheid zog, musste sie feststellen, dass dort einiges anders ist. „Plötzlich kannte ich niemanden mehr in meiner Umgebung.” Nur einige Nachbarn - vom Sehen her. „Doch Loni Liebermann wohnt quasi nebenan. Von ihr erfuhr ich, dass es hier in Kohlscheid viele Künstler gibt.” Und die waren von der Idee, kleine private Einblicke in das Leben als Künstler zu geben, gleich begeistert.

Sechs weitere Frauen fanden sich schnell. Darunter auch Mechthild Niebeling-Mause, die viele der Damen zumindest vom Namen her kannte, „aber sie nicht zwangsläufig bereits persönlich kennengelernt hatte”. Es ist eine andere Art, die Nachbarschaft kennenzulernen. „Ich habe schon oft überlegt, mal mein Atelier zu öffnen, aber initiiert habe ich es dann doch nicht.”

Der Zulauf ist groß. Im Viertelstunden-Takt klingelt es an der Haustür. Mechthild Niebeling-Mause kommt nicht einmal dazu, ihr Käsebrötchen zu essen. „Aber das ist egal. Ich freue mich über jeden, der heute kommt. Das Brötchen kann warten.”

Leinwände stehen ungerahmt auf dem Boden, andere hängen wiederum an der Wand. In einer kurzen „Verschnaufpause” hat die 58-Jährige kleine Aquarelle für eine Ausstellung in einen hellen Holzrahmen eingefasst. Sie liegen auf der breiten Arbeitsplatte neben Aquarell-Kästen, Pinseln, Tüchern und Skizzenbüchern. Die nimmt Niebeling-Mause stets mit in den Urlaub. Bei einem Trip in die Provence vor einigen Wochen hat sie die Zeit intensiv genutzt und mehr als die Hälfte der Seiten beschriftet, auf ihnen Landschaften und Naturspektakel festgehalten. „Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt. Ob nun im Urlaub oder zu Hause im Garten - die Natur inspiriert mich. Ich bin auf der Suche nach Dingen, die mich ganz realistisch faszinieren, um davon wiederum abstrahieren zu können.”

Die Besucher der Ateliers sind angetan von dieser etwas anderen Kunstroute. „Man hat hier ja auch die Möglichkeit, einmal Bilder zu sehen, die die Künstler sonst nicht mit zu den Ausstellungen bringen würden”, sagt Josef Kinzer. Er hat schon viele Galerien besucht, doch Ateliers bislang nur selten von innen gesehen. „Es gibt ja auch Künstler, die ihre kleine Welt keinem anderen Menschen zeigen wollen. Das ist schade, aber man kann sie ja nicht zwingen.” Es ist eben ein sehr privater Blick in eine sonst verborgene Stätte.

Mechthild Niebeling-Mause und Mechthild Seck sind jedenfalls begeistert von der Aktion, die sie zwar zum ersten Mal, aber ganz sicher nicht zum letzten Mal veranstaltet haben. „Vielleicht machen wir mal zusammen eine Ausstellung”, überlegt Mechthild Seck laut. Man darf gespannt sein, denn eine simple Vernissage dürfte das nicht werden.
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