„Premiumradweg“ wird heftig kritisiert

Von: fs
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Naturschutz wird „gepflegt“: Der Vorstand mit Günter Kalinka und Dr. Jürgen Weyer (v.r.) zeigte den Gästen die Spuren, die ein Biber im Wurmtal hinterlassen hat. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath/Würselen. Die Arbeitsgemeinschaft Wurmtal hat ihre Hauptversammlung dazu genutzt, sich als lokale Naturschutzgruppe zu präsentieren und die eigene Arbeit sowie die Entwicklung und Probleme des Naturschutzgebietes (NSG) Wurmtal ins Bewusstsein zu rufen. Zu der Veranstaltung begrüßte der stellvertretende Vorsitzende Dr. Hans-Jürgen Weyer mehrere Dutzend Interessenten im Pfarrsaal St. Josef in Herzogenrath-Straß.

Leider musste der geplante Eingangsvortrag von Katja Rüth wegen Erkrankung ausfallen. Dennoch wurde es ein spannender und interessanter Abend, der viele neue Informationen brachte und zur Diskussion anregte. Der Vorsitzende der AG Wurmtal, Günter Kalinka (Herzogenrath) berichtete über die Arbeit der Naturschutzgruppe und die Entwicklung im NSG.

Illegale Baumaßnahmen

Der Erwerb mehrerer Grundstücke durch die AG Wurmtal hat sich demnach trotz der vielen Arbeit und mancher Probleme sehr gelohnt. So wurde beispielsweise eine neue Streuobstwiese direkt an der Wurm in der Nähe zur Alten Mühle angelegt. Dank geht an Josef Engelen aus Herzogenrath, ohne dessen Hilfe sich das Ausheben von Pflanzgruben sehr viel schwieriger gestaltet hätte.

Dauerproblem im Wurmtal sind illegale Baumaßnahmen. Hier beklagt die Naturschutzgruppe, dass sich Kommunen und Behörden wegducken würden, nicht einschritten oder einfach nachträgliche Genehmigungen aussprechen würden. Auf diese Weise würden Gesetzesübertretungen nicht verhindert, sondern sanktioniert, war zu hören. Vom Schutz des Wurmtals könne in solchen Fällen keine Rede sein. Hier werden die Kommunen und die zuständigen Behörden aufgefordert, den Naturschutz und nicht die illegalen Aktivitäten zu unterstützen.

Bei der Schilderung der vielen Probleme und insgesamt negativen Entwicklung im NSG Wurmtal gelang es Günter Kalinka dennoch eindrucksvoll, auch die Schönheit des Wurmtals zu zeigen, die zu erhalten alle aufgerufen sind. Ein Punkt in seiner Präsentation waren die Planungen zur Anlage eines „Premiumradweges“, der von Aachen durch Herzogenrath nach Heerlen führen soll.

Diese Planungen werden von der AG Wurmtal vehement abgelehnt. Hier werde mit unglaublichem Geldaufwand unter Pseudobeteiligung der Bevölkerung eine Baumaßnahme durchgedrückt, die an den Bau einer Autobahn erinnere.

Die Natur werde zerstört, der Erfolg werde herbeigeredet und die aktuellen und die Folgekosten seien unüberschaubar. Das Thema „Radautobahn“ griffen auch Marika Jungblut und Bruno Barth (beide Naturfreunde Merkstein) auf, die diese äußerst Vorgehensweise in einem Sketch humorvoll ad absurdum führten.

In einem Frage- und Antwortspiel prangerten sie aus ihrer Sicht die Geldverschwendung (allein die bisherigen Planungskosten haben schon über 300.000 Euro verschlungen), die Naturzerstörung und den äußerst zweifelhaften Nutzen an.

Unterhaltsamer Sketch

Dass über 12.000 Autofahrer vom Auto auf das Fahrrad umsteigen werden, sei eine eher lächerliche Behauptung. Der Sketch von „Lieschen Müller“ und „Uwe Schlau“ fand viel Beifall. Trotz des humorvollen Auftrittes zeigten sich Teilnehmer entsetzt über die Planungswut der Behörden und des „Schönredens“ einer Umweltkatastrophe.

Hauptvortrag des Abends war ein Beitrag von Daniel Lück über den Bestand des Steinkauzes in der Region. Daniel Lück arbeitet als Diplom-Biologe in der Biologischen Station in Stolberg und dort hauptsächlich zum Vogelbestand. Der mit vielen Bildern unterlegte Vortrag zeigte die Lebensweise des Steinkauzes, seine Bedürfnisse und insbesondere die Ansprüche an den Lebensraum.

Nordrhein-Westfalen birgt mit rund 5500 Brutpaaren etwa 70 Prozent des deutschen Bestandes dieses kleinen Greifvogels. Die Bestände gehen insbesondere durch Verlust des Lebensraumes stark zurück, hieß es. Daran beteiligt sind Baumaßnahmen genauso wie die Landwirtschaft. Daher ist die Pflege der vorhandenen Bestände besonders wichtig. Hierüber wurde wie über die anderen angesprochenen Punkte bei einem Imbiss, zu dem die AG Wurmtal eingeladen hatte, noch lange diskutiert und sich ausgetauscht.

Die AG Wurmtal lädt alle Interessenten ein, sich an der Naturschutzarbeit zu beteiligen. Jeden ersten Montag im Monat trifft man sich im Pfarrheim St. Josef in Herzogenrath-Straß ab 19:30 Uhr.

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