Premium-Radweg geplant: Und wer denkt an die Pferde?

Von: dag
Letzte Aktualisierung:
7493036.jpg
Hier wird es schwierig: Beim Queren größerer Straßen – wie hier der Ofdener Dorfstraße – haben Reiter oft ein mulmiges Gefühl. Foto: Meyer

Alsdorf. Dass auf der ehemaligen Bahntrasse von Aachen nach Jülich ein Premium-Radweg entstehen soll, stößt nicht bloß bei begeisterten Radlern auf Interesse. Auch Reiter verfolgen die Planung aufmerksam.

„Vor rund 15 Jahren war dort noch ein Reitweg“, erinnert sich Helmut Kleebach, Vorsitzender der Vereinigung der Freizeitreiter Aachen. „Dieser Reitweg verlief hinter der geplanten neuen Brücke an der Landesstraße 164 parallel zum Überschwemmungsgebiet, führte über das Viadukt und war eher ein schmaler Pfad.“

Mit dem Gedanken, die Natur schützen zu wollen, sei dieser Weg seinerzeit gesperrt worden. Und jetzt? „Jetzt wird da eine richtige breite Schneise geschlagen und versiegelt“, wundert Kleebach sich. „Das schadet der Natur anscheinend wenig!“

Damit Radfahrer und Fußgänger stark befahrene Straßen gefahrlos queren können, soll für den zukünftigen Radweg im Alsdorfer Raum neben der Brücke eine Unterführung hergerichtet werden. Doch auch Pferd und Reiter müssen solche Straßen queren.

Deshalb würde sich die Vereinigung der Freizeitreiter gerne dem Bau beziehungsweise der Herrichtung von Querungshilfen anschließen. „Reitwegeabgaben werden von allen Reitern im Gelände erhoben, so dass Geld für solche Maßnahmen vorhanden ist“, sagt die Reitwegebeauftragte Vanessa Tegt-meyer.

Kopf und Kragen riskieren

„Anscheinend möchte die Städteregion nichts daran ändern, dass die Reiter jedes mal Kopf und Kragen riskieren, wenn sie stark frequentierte Straßen mit ihren Pferden überqueren müssen, um die von Verkehrsadern zerschnittenen Landschaften erwandern zu können. Und das, obwohl es bald Alternativen geben könnte.“

Doch die geplante Brücke soll wohl nicht für die Pferde sein. „Um Konflikte zu vermeiden, sollen Reiter dort nicht gemeinsam mit den Radfahrern und Fußgängern geführt werden“, zitiert Helmut Kleebach aus einem Schreiben von Städteregionsrat Helmut Etschenberg.

„Auf zukünftigen Wegstrecken wünschen sich die Zuständigen der Städteregion anscheinend keine Berührungspunkte zwischen Radfahrern und Pferden. Auf bestehenden Wegen ist das gemeinsame Führen von Reitern, Radfahrern und Fußgängern seit vielen Jahren aber durchaus Alltag und ohne größere Konflikte möglich.“

Die Vereinigung der Freizeitreiter bemüht sich seit 2010 um eine Einbindung in die Planung. In zahlreichen Ortsterminen, Telefonaten und Schreiben mit dem städteregionalen Radwegebeauftragten Ralf Oswald wurde versichert, die Belange „nach Möglichkeit“ zu berücksichtigen.

„Die Reiter hätten sich gerne auch finanziell über einen rechtzeitigen Antrag der Reitwegeabgabe an der Umsetzung der Maßnahme beteiligt und damit ebenfalls eine sichere Straßenüberquerung erhalten“, sagt Helmut Kleebach, „aber hier steht für die Städteregion vorsorgliche Konfliktvermeidung offenbar über der Sicherheit im Straßenverkehr für Kraftfahrer, Pferd und Reiter.“

Die Planung des nächsten Streckenabschnitts dürfte ebenfalls durch diese Prioritätenliste der Städteregion beeinflusst werden, erwartet der Vorsitzende der Vereinigung der Freizeitreiter. In diesem Streckenabschnitt ist die Nutzung der ehemaligen Gleisunterführung an Maria Grube für die Radtrasse geplant.

Eine Art von Toleranz

Auch für die Reiter wäre die Nutzung von hohem Interesse, da die derzeitige Alternative wieder mit der Überquerung einer Hauptverkehrsader, also einem hohen Risiko im Straßenverkehr einhergeht. „Eine gemeinsame Nutzung könnte auf die wenigen Meter der Unterführung begrenzt werden, aber auch das möchte die Städteregion nicht“, sagt Helmut Kleebach.

„Zu eng soll der Weg sein.“ Kleebach ärgert das: „Eine Nutzung der Wege durch beide Freizeitgruppen funktioniert auf weiten Strecken der Städteregion seit Jahrzehnten ohne größere Schwierigkeiten. An diesen Strecken soll sich auch nichts ändern. Nur für die Wege die in Zukunft gebaut werden, soll diese Art von Toleranz nicht mehr stattfinden.“ Er versteht es nicht. Warum dieser Sinneswandel ausgerechnet in der Reiterstadt Aachen aufkommt, ist den Reitern ein Rätsel.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert