Präventivkonzept zeigt deutliche Wirkung

Von: Beatrix Oprée
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16. Juni 2010: Eine 55-jährige Autofahrerin stirbt am frühen Morgen am Kaninsberg in Würselen. Sie war aus ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Rettungskräfte mussten ihren Leichnam aus dem Wrack befreien. Foto: dmp

Nordkreis. Die deutlichsten Rückgänge haben die Verkehrsstatistiker in Baesweiler zu verzeichnen: Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist im vergangenen Jahr von 78 auf 49 zurückgegangen, das sind -37,2 Prozent, „ein Spitzenwert”, wie Ralf Mallmann, Leiter der Direktion Verkehr im Aachener Polizeipräsidium, erläutert.

Dass die Zahl der Verunglückten von 96 auf 58 sank (-39,6Prozent), ist für ihn ebenfalls „sehr erfreulich”. Trotz dieser optimistischen Entwicklung gab es einen Toten zu beklagen: Ein 45-jähriger Kradfahrer hatte auf der Landstraße 240 mit hoher Geschwindigkeit versucht, mehrere Fahrzeuge zu überholen, als ein Lkw ausscherte.

Er prallte mit dem Kradfahrer seitlich zusammen, der 45-Jährige erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen. Die Konsequenz: Auf der L240 wurde an besagter Stelle ein langes Überholverbot eingerichtet. Mallmann lobt in diesem Zusammenhang ebenso wie die Vertreterin des Polizeipräsidenten, die Leitende Regierungsdirektorin Bärbel Feldmann-Beuß, die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Sehr zufrieden ist die Polizei auch mit der Tatsache, dass 2010 in Baesweiler kein Kind auf dem Schulweg verunglückte. Insgesamt kamen drei Kinder im Straßenverkehr zu Schaden, was den Zahlen von 2008 entspricht. 2009 hingegen hatte es 16 Unfälle mit Kindern gegeben. Mallmann: „Solche kurzfristigen Spitzen nach oben oder unten lassen sich nicht mit logischen Erklärungen begründen.”

Ab 65 Jahren fallen Verkehrsteilnehmer bei der Polizei in eine eigene Kategorie, für die es aber ebenfalls eine zufriedenstellende Entwicklung gibt: In 2010 wurde nur ein Senior bei einem Verkehrsunfall verletzt, im Vorjahr waren es noch 11 gewesen.

Erheblich reduziert hat sich in Baesweiler die Zahl der verletzten Radfahrer: von 20 auf 8, das sind -60Prozent.

Auch in Alsdorf verunglückten 2010 deutlich weniger Radfahrer als im Jahr zuvor: Die Zahl sank von 28 auf 19. Der einzige Verkehrstote im Stadtgebiet allerdings war mit dem Rad unterwegs, der ehemalige ehrenamtliche Bürgermeister Helmut Janus (75), der am Morgen des 1. April die Kreuzung Luisenstraße/Kurt-Koblitz-Ring queren wollte und von einem rechtsabbiegenden 74-jährigen Pkw-Fahrer erfasst wurde. Hier ergeht der eindringliche Appell von Polizeioberrat Ralf Mallmann, auf dem Rad nie ohne Schutz zu fahren: „Der Helm für den Radfahrer ist wie der Gurt im Auto - er kann wesentlich dazu beitragen, dass Unfälle nicht mit tödlichen Verletzungen enden.”

Bei den Schulwegunfällen verzeichnet die Polizei einen Anstieg von 2 auf 7. Die eigens veranlasste Auswertung, so erläutert Mallmann, habe aber weder örtliche Brennpunkte noch vergleichbare Unfallursachen ergeben. Standardmäßig reagiert die Polizei bei Schulwegunfällen durch die Aufarbeitung des Geschehenen mit den Schülern in der Klasse, einfühlsam „und ohne das betroffene Kind an den Pranger zu stellen”.

Wie wirkungsvoll Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen sein kann, belegt die Polizei mit Zahlen aus Herzogenrath: Denn die Zahl der Unfälle in der Kategorie der 18- bis 24-Jährigen ist 2010 um 15 auf 19 zurückgegangen. „Wir führen dies auf Programme zurück, die wir in diesem Bereich schon gefahren haben”, sagt Mallmann. So genannte „Schockvideos”, aufgeführt etwa im Berufskolleg, sollen Jugendlichen deutlich vor Augen führen, wohin „die drei Killer” - Raserei, Alkohol/Drogen und Fahren ohne Gurt - führen können.

Natürlich nicht ohne professionelle Betreuung und Nachbereitung. Die Leitende Regierungsdirektorin Feldmann-Beuß hatte einen generellen Anstieg der Unfälle von Jugendlichen unter Alkoholeinfluss um 14 Prozent für die Statistik herausgestellt. Das auf besten Erfahrungen basierende neue Landesprojekt „Crash Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart” soll in 2011 auch im Bereich des Polizeipräsidiums Aachen an den Start gehen.

Weniger Schwerverletzte

Sehr erfreulich war in Roda zudem der Rückgang der Zahl der Schwerverletzten von 23 auf 12 und die der Leichtverletzten von 151 auf 118. Unfalltote gab es keine, 2009 waren es zwei gewesen.

In Würselen hingegen starb im Juni eine Frau bei einem Alleinunfall nahe dem Kaninsberg. Mit einem Anstieg von immerhin 65 sticht Würselen bei der Zahl der Unfälle insgesamt hervor. Hierbei - und das belegt unter anderem die gesunkene Anzahl der Unglücke mit Personenschaden (von 164 auf 139) - habe es sich in der Hauptsache um Bagatellschäden gehandelt, erläutert Ralf Mallmann, und zwar jahreszeitlich bedingt: Während des frühen Wintereinbruchs im Dezember sowie der langen Schnee- und Frostphasen im Januar und Februar 2010 gab es zahlreiche Blechschäden.

Auch in Würselen kann die Polizei auf ihr Präventivkonzept setzen: Nach auffällig hohen Unglückszahlen waren hier in 2009 Jugendliche von 15 bis 17 Jahren, dem Alter der „ersten motorisierten Verkehrsteilnahme”, als Problemgruppe identifiziert worden. Ralf Mallmann: „Wir haben daraufhin entsprechende Programme aufgelegt, und die waren offensichtlich erfolgreich.”
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