Präventionstheater „Zartbitter“: „Ganz schön blöd“ kommt ganz gut an

Von: ehg
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Machen Front gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen: Imke Schreiber und Carsten Keller vom Präventionstheater „Zartbitter“. Foto: Wolfgang Sevench

Würselen. Was ist doch ein Umzug ganz schön aufregend! Inmitten von Kartons und allerlei Krempel richtet Tine ihr neues Zimmer ein. Ihre Eltern wühlen sich durch die Kisten in den anderen Räumen. Und dann erscheint auch noch Teugel auf der Bildfläche. Carsten Keller (Teugel) und Imke Schreiber (Tine) vom Präventionstheater „Zartbitter“ in Köln bringen das Stück „Ganz schön blöd“, das Front gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen im Grundschulalter macht, schwungvoll kindgerecht auf die Bühne.

Zu Gast sind bei ihm im Alten Rathaus rund 100 Schülerinnen und Schüler der Katholischen Grundschule Schulstraße mit ihren Lehrern, bei denen an diesem Morgen ein Theaterbesuch auf dem Stundenplan steht. Neben ihnen heißt das Mitglied des Vorstands des Ortsverbands Alsdorf, Herzogenrath, Würselen des Deutschen Kinderschutzbundes, Dr. Anton Gülpen, vor allem die beiden Schauspieler herzlich willkommen. Es handelte sich um eine Veranstaltung im Rahmen des 35-jährigen Bestehens des Ortsverbandes.

Teugel ist halb Teufel und halb Engel. Möchte aber Schutzengel werden. Leider hat er schon 17 Prüfungen vermasselt. Seine letzte Chance: Er soll Tine rund um die Uhr beschützen. In dieser Zeit darf dem Mädchen nichts, aber auch gar nichts passieren. Wie soll er aber Tine beschützen, wo er doch von den wirklichen Gefahren für Kinder keine Ahnung hat.

Er kennt beispielsweise keine üble Anmache durch Erwachsene und Jugendliche per Handy, Spielkonsole oder Internet. Als Teugel schon nicht mehr daran glaubt, dass er die Prüfung zum Schutzengel bestehen könne, entwickelt sich zwischen Tine und ihm eine Freundschaft, die beiden weiterhilft. Das Mädchen lernt von Teugel, in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und sich Hilfe zu holen.

Der Junge entwickelt im Kontakt mit Tine ein Gespür für die Sorgen und Nöte von Mädchen und Jungen. Und gerade das braucht ein richtiger Schutzengel, was die hin- und hergerissenen jungen Theaterbesucher von ihnen lernen durften. Mit viel Lebensfreude und mitreißender Musik stärkt „Ganz schön blöd“ an diesem Morgen das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, unterscheidet zwischen schönen und blöden Gefühlen, fördert ein gesundes Misstrauen gegenüber Grenzverletzungen und somit das Vertrauen in sich selbst.

Das Stück vermittelt Mädchen und Jungen, dass es mutig ist, zu den eigenen Ängsten zu stehen und sich „in komischen und belastenden Situationen“ Hilfe zu holen. Denn: „Hilfe holen ist kein Petzen und kein Verrat!“ Es unterbreitet Handlungskompetenzen gegen sexuellen Missbrauch durch Erwachsene. Und stärkt Mädchen und Jungen gegen Angstmache und sexuelle Übergriffe durch Jugendliche und Gleichaltrige, setzt aber auch in einer altersgerechten Art und Weise einen deutlichen Schwerpunkt in der Vorbeugung von Gewalt im Internet, per Handy und Spielkonsole.

Ohne Zeigefingerpädagogik und pädagogisch sinnlose Verbote setzen Theaterstück und Begleitheft, das allen Kindern am Ende der Aufführung von „Ganz schön blöd“ ausgehändigt wurde, auf eine lebensnahe Aufklärung. Sie vermitteln beispielhaft, wie man mit Mädchen und Jungen über die Problematik sexueller Ausbeutung in den sogenannten neuen Medien ohne Panikmache sprechen kann. Angst lähmt und schwächt die Widerstandskraft von Kindern. „Ganz schön blöd“ stärkt dementsprechend nicht nur Mädchen und Jungen, sondern auch Mütter und Väter, Pädagoginnen und Pädagogen.

Am Ende der Aufführung stand ein Gespräch mit den fachlich qualifizierten Schauspielern Carsten Keller und Imke Schreiber. Alle Schüler erhielten neben dem Begleitheft auch noch einen Ausweis mit einer „Nummer gegen Kummer“, einer Telefon-Hotline.

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