Baesweiler - Powerfrau wirlbelt nach überwundenen Krebsleiden wieder als Tanzmariechen

Powerfrau wirlbelt nach überwundenen Krebsleiden wieder als Tanzmariechen

Von: mas
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Echtes Energienündel: „Tanzen ist mein Leben, meine Leidenschaft”, sagt Stefanie Dautzenberg.

Baesweiler. So richtig vorstellen mag sich das wohl niemand. Den Besuch beim Arzt, der einem mitteilt: „Sie sind an Krebs erkrankt”. Stefanie Dautzenberg erging es so. An einem schönen Maitag im Jahr 2009. Einer jungen Frau, für die das Leben gerade beginnt, wird die letzte Lebensphase prognostiziert?

„Um mich herum brach eine Welt zusammen, für mich aber wars im ersten Moment eine Erleichterung”, denkt Steffi an Stunden zurück, die keiner freiwillig so erleben möchte.

Zwei Jahre hat die heute 22-jährige unter Rückenschmerzen gelitten. „Was mir da alles erzählt wurde ging von der falschen Matratze bis zur angeknacksten Psyche”.

Sie, die Sportlerin und Tänzerin. Rückenschmerzen? Eine griffige Erklärung hatte zunächst kein Mediziner dafür. Im Aachener Universitätsklinikum fand man die Ursache. Eine brutale, schockierende Diagnose inbegriffen. Die Mediziner versuchten noch, der jungen Frau die Diagnose so human wie möglich beizubringen. Was in der Fachsprache Morbus Hodgkin heißt, breitete sich im Körper von Steffi Dautzenberg als Lymphdrüsenkrebs aus.

Mit Befall des Spinalkanals, der Hals- und Lendenwirbelsäule. „Sie haben sich den schönsten Krebs ausgesucht, den es gibt”, hat man ihr gesagt. Heute lächelt sie sogar bei dem Gedanken. Damals war ihr ganz anders zumute.

Steffi Dautzenberg ist eine außergewöhnliche, eine starke Persönlichkeit. Die im Sternzeichen des Widders geborene Frau nahm von einer Sekunde auf die andere den Kampf an. „Ich wusste, dass ich da wieder herauskomme und habe nie gezweifelt, dass ich es nicht schaffen werde”, sagt sie heute. Nachdem sie als Tanzmariechen der Ehrengarde Baesweiler eine ganze Session abgewirbelt hat.

Aber zurück ins Jahr 2009. Zehn Tage hat man sie - auf Grund einer Sepsis - ins künstliche Koma geschickt, sie hat acht knallharte Einheiten Chemotherapien überstehen müssen und an einem Abend sind ihre Eltern Rolf und Andrea sowie die Geschwister Patrick (26) und Anne-Kathrin (20) sogar darauf vorbereitet worden, „die nächste Nacht überlebt ihre Tochter und Schwester wahrscheinlich nicht mehr”. Was für viele Menschen schon gedanklich der reinste Horror ist, bewertet Steffi Dautzenberg so: „Ich möchte auch diese Zeit meines Lebens nicht missen”. Diese Zeit hat das junge Energiebündel gestärkt und ihm „viel an Lebenserfahrung gebracht”.

Die Krankheit hat ihr auch ihren Traumberuf genommen. Steffi Dautzenberg hatte nur noch wenige Wochen bis zur Abschlussprüfung als Bestattungsfachkraft („ich habe besonders gerne Trauergespräche geführt und mich glücklich dabei gefühlt, wenn ich anderen Menschen Trost spenden durfte”) zu absolvieren, da änderte der Krebs ihr Leben. Die Prüfung hat sie nachgeholt und mit einem „Gut” bestanden. Aber den Beruf darf sie nicht mehr ausüben. „Ich darf nicht mehr schwer heben”, begründet sie und bereitet sich nun auf das Abitur am Euregio-Kolleg in Würselen vor.

Eigentlich haben ihre Ärzte - die Aachener Professoren Tim Brümmendorf und Edgar Jost - ihr vom Tanzen abgeraten. Aber sie kann´s nicht lassen. „Tanzen ist mein Leben, meine Leidenschaft”, muss sie allerdings Spagate und andere akrobatische Einlagen aus ihrem persönlichen Programm streichen.

Über ihren Trainer Elmar Bosold ist sie, die gebürtige Aachenerin, an die Baesweiler Narren „geraten”. Eine Verbindung, die stimmt. 2010, nach der Reha, hat sie sich beim Vorsitzenden Erich Theil, Festkomitee Baesweiler Karneval, gemeldet und offene Türen eingerannt. „Ich bin dort sehr herzlich aufgenommen worden. Das habe ich vorher noch nie so erlebt”, übertünchte sie sogar ihre Selbstzweifel.

„In manchen Momenten habe ich gedacht, es reicht sportlich nicht, zumal die Garde mit Saskia Theil ja auch ein exzellentes Mariechen hat”, erzählt Steffi frank und frei. Aber in Baesweiler hat man ihr eine „Lebensanstellung” gegeben. Nicht aus Mitleid, sondern weil sie es einfach kann. „Mir ist gesagt worden, ich kann so lange bleiben wie ich will”, ist auch die nächste Session mit Steffi schon „unterschrieben”.

Wie sehr sie der Aachener Klinik verbunden ist, zeigt nicht nur das gemalte Glücks-Wölkchen in ihrer kleinen Küche. „Wir wünschen Dir, unserer flotten Biene, einen unvergesslichen Karneval 2011”, hat man der gesundeten Patientin gewidmet. Manchmal geht sie noch dahin. Auch um das Bewusstsein zurückzurufen: „Ich lebe. Stärker denn je”!
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