Pommernstraße: Eklat im Stadtentwicklungsausschuss

Von: Verena Müller
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Der aktuelle Entwurf für das Baugebiet Pommernstraße: Die Anwohner will die Stadt Alsdorf erneut ins Boot holen. Grafik: GWG

Alsdorf. Ihren ganzen Mut hatten Anwohner der Siedlung Ost zusammengenommen, hatten alle Unterlagen für den Bebauungsplan Pommernstraße, ihre schriftlichen Einwände an Stadt und Politik, ihre Unterschriftenliste mit 108 Unterzeichnern eingepackt und zu Hause Sätze vorformuliert, um diese vor dem Stadtentwicklungsausschuss vorzutragen.

Zum Teil mit zittriger Stimme traten sie ans Mikro des Sitzungssaals, nervöse Hände umklammerten zusammengerollte Mappen. Sie fühlten sich nicht ernst genommen, witterten ein abgekartetes Spiel zwischen Verwaltung und Investor und verließen am Ende mit einem Gefühl der Ohnmacht und Enttäuschung den Saal – zum Teil mit sehr deutlichen Worten.

Was war passiert? Bereits bei der Bürgerinformationsveranstaltung am 30. September hatten die Bürger ihren Unmut darüber kundgetan, dass neben der Grundschule – statt wie im ersten Entwurf 18 Einfamilienhäuser mit 36 Wohneinheiten – nun Mehrfamilienhäuser mit 46 Wohneinheiten in höherer Bauweise entstehen sollen. Nicht ins Siedlungsbild passend, höheres Verkehrsaufkommen in einer eh schon zu Stoßzeiten stark frequentierten Ecke mit an- und abfahrendem Schulverkehr, für Familien aufgrund der Wohnungsgröße eher ungeeignet und am Bedarf vorbei – waren Hauptargumente.

Sie reichten ihre Bedenken bei der Verwaltung ein, und die modifizierte den Plan. Allerdings nur in der Ausrichtung der Gebäude, nicht in Bauweise und Größe. „Damit wird das Problem nur verschoben, aber nicht gelöst“, sagte Franz-Josef Schmidt, Anwohner der Liegnitzer Straße. Susanne Lo Cicero-Marenberg sprach dagegen von einer „Optimierung, ohne auf die Mehrfamilienhäuser zu verzichten“ und betonte mehrfach, dass „zusätzliche zehn Wohneinheiten kein Unterschied in Relevanzgröße“ seien.

Mit recht schnellem Redefluss, gespickt mit verwaltungstechnisch korrekten Wendungen kollidierte die Technische Beigeordnete immer wieder mit der Lebenswirklichkeit der Bürger, die davon berichteten, wie sie in dem Viertel aufwuchsen und dass sie sich auch wünschten, in so attraktiven Gegenden wie manche Ausschussmitglieder zu wohnen – was der Planungsentwurf aber konterkariere.

Es schloss sich eine über zweistündige hitzige Debatte an, die sich am Ende im Kreis drehte. Die Wortbeiträge der Bürger waren teilweise emotional und von persönlichen Interessen gefärbt – was wohl in der Natur der Sache liegt, wenn sich gravierende Veränderungen im eigenen Umfeld abzeichnen.

Zusammengefasst stellt sich für die Verwaltung der Sachstand so dar: Aus den Stadtteilkonferenzen habe der Bürgermeister den Wunsch der Bürger nach altersgerechtem Wohnen im eigenen Viertel mitgenommen, so Lo Cicero-Marenberg. Die Erhebungen über die demografische Entwicklung in der Siedlung Ost zeige ebenfalls einen deutlichen Bedarf an barrierefreiem Wohnen mit angegliederter Tagespflege. Überall in Alsdorf werde dieser Trend berücksichtigt. Man sei – entgegen der Empfindung der Bürger – sehr wohl auf deren Einwände eingegangen und habe den Plan angepasst.

Für die Anwohner blieb das Kernproblem aber unangetastet. Kurz bevor die Stimmung vollends zu kippen drohte, fand Hartmut Malecha (Grüne) versöhnliche Worte. Er sprach von einem „Bravourstück der Bürgerbeteiligung“ und schlug vor, noch nicht über den Entwurf abzustimmen, sondern die Bürger bei einem neuen Infoabend mit ins Boot zu holen.

Dem Einwand der Verwaltung, dass man nur mit einem vom Ausschuss abgenickten Bebauungsplanentwurf in eine solche Veranstaltung gehen könne, widersetzten sich die Grünen – offenbar ein Missverständnis, dass nicht die Offenlegung mit Bürgerbeteiligung, sondern nur der Entwurf beschlossen werde. Die Grünen fürchteten ein verfrühtes Festzurren des Projekts – und ernteten von den rund 15 Besuchern Applaus.

Zusätzliches Feuer erhielt die Diskussion, als die Technische Beigeordnete berichtete, dass die Verwaltung aktiv auf den Investor, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft für die Städteregion Aachen GmbH, zugegangen sei. Diese war durch Geschäftsführer Axel Thomas vertreten. Auf die Frage der Politik, welcher zeitliche Rahmen angedacht sei und ob Zeitdruck bestehe, antwortete dieser: „Wir würden es begrüßen, dieses Jahr den Bauantrag stellen und Mitte 2016 beginnen zu können.“ Damit schien für die Bürger klar: Ihre Beteiligung ist eine Farce. Dagegen verwehrte sich die Verwaltung, erntete aber mit ihren Argumenten wenig Einsicht.

Am Ende stimmte der Ausschuss gegen die Grünen für den überarbeiteten Entwurf zum Bebauungsplan und lässt einen neuen Termin für eine Bürgerinformationsveranstaltung anberaumen.

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