„Politiker-Speed-Dating“ am Alsdorfer Gymnasium

Von: Stefan Schaum
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Die Uhr tickt: Pro Runde blieben jedem Bundestagskandidaten exakt sieben Minuten Zeit, Schülerfragen zu beantworten. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Spontane Sympathie oder fehlender Funke? So flott wie Singles einander bei einem „Speed Dating“ abklopfen, lief es auch bei dem Treffen von Bundestags-Direktkandidaten im Nordkreis und der Oberstufenschüler des Alsdorfer Gymnasiums ab. Allerdings war das Werben hier ziemlich einseitig.

Die Schülergruppen zogen von Politiker zu Politiker und gaben jedem von ihnen exakt sieben Zeit, ihre Fragen zu beantworten. Und die waren nicht immer bequem. Der Syrien-Konflikt oder der NSA-Abhörskandal? Spielten so gut wie keine Rolle in den Kurzgesprächen! Das Tempolimit auf den Autobahnen hingegen schon. Auch die Legalisierung von Cannabis. Oder das Gestatten von Pyrotechnik in den Fußballstadien. Es gab einige Themen, mit denen Politiker auf dem Podium nur selten konfrontiert werden. Doch im direkten Gespräch mussten sie auch dazu möglichst knackige Antworten parat haben.

Initiiert hatte das „Politiker-Speed-Dating“ die Aachener Kreisjugendgruppe des Deutschen Beamtenbundes (DBB). Die ist seit längerem Kooperationspartner des Gymnasiums und hat bereits viele Besuche internationaler Gruppen organisiert, die das in Ofden praktizierte „Dalton“-Selbstlernkonzept kennenlernen wollten. Das „Speed Dating“ war hingegen für alle Beteiligten Neuland. „Wer Jugendliche für Politik begeistern will, muss auch mal neue Wege gehen“, sagte Kreisgruppen-Referentin Tanja Walter. Ein guter Weg schien dieses Date zu sein. In kleinen Gruppen zogen die Schüler einmal entlang aller sechs Kandidaten-Stehtische, die kreisförmig in der Schulaula aufgestellt waren. Nach sieben Minuten machte Lehrerin Daniela Streich per Schlag auf die Klingel klar: weiter geht‘s.

Fleißig nachhaken

Die Lust am Dialog wuchs bei den Schülern von Runde zu Runde. Hielten sich die Jugendlichen anfangs noch an die im Unterricht vorbereiteten Fragen auf ihren Zetteln, wurde spätestens ab der dritten Runde improvisiert und nachgehakt. Hier und da fielen die Jugendlichen den Politikern auch ins Wort, wenn die zu sehr ins Schwadronieren gerieten. An Selbstbewusstsein mangelte es den Jungwählern dabei eindeutig nicht.

Ob die Kandidaten auch Spaß an der Sache hatten? Sie betonten es am Ende jedenfalls. „Das sollten wir öfters machen“, sagte Helmut Brandt (CDU). „Macht mehr Spaß als auf dem Podium“, befand Linus Stieldorf (FDP). „Eine gute Möglichkeit zum Kontakt“, wertete Detlef Loosz (SPD). „Das, was wir ohnehin wollen: Die Meinung der Menschen hören“, bilanzierte Kai Baumann (Piraten). „Ich kann nur ermutigen, weitere solcher Formen des Gesprächs zu entwickeln“, sagte Bettina Herlitzius (Grüne). „Stellt immer eure Fragen, auch in Ausschüssen“, ermuntere Marika Jungblut (Die Linken).

Was draus wird? Das bleibt abzuwarten. So ist das halt bei einem Speed-Dating: Nicht immer ist es der Beginn einer langen Beziehung. Aber die Lust an der Sache ist auch schon was. Und für die Schüler war es in jedem Fall eine wertvolle Lektion: Auch bei der Politik immer schön prüfen, wer am besten zu einem passt!

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