Würselen - Poker um das Singergelände geht weiter

Poker um das Singergelände geht weiter

Von: Karl Stüber
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Überraschung: Ein neuer Investor will angeblich für das Singerglände mehr zahlen als die Stadt Würselen. Derweil arbeitet sich der Abrissbagger kontinuierlich auf dem Areal vor. Foto: Karl Stüber
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Auch erhaltungswürdige Backsteingebäude sind wieder in Gefahr. Foto: Karl Stüber

Würselen. Der Kauf des Singergeländes durch die Stadt Würselen, genauer, die Stadtentwicklung Würselen Verwaltungs-GmbH (SEW), droht zu scheitern. Die Unterhändler des derzeitigen Eigners, der Firma Groz-Beckert in Albstadt, meldeten sich unverhofft am Montag bei SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen. Es gebe eine neue Entwicklung, hieß es in einer Telefonkonferenz plötzlich.

Es gebe da einen „Privaten“, der Interesse gezeigt habe und einen deutlich höheren Kaufpreis bieten wolle. Das Angebot wolle man seitens der Geschäftsführung von Groz-Beckert nun erst einmal intensiv prüfen. Die Rede war von vier bis sechs Wochen, wie Zitzen gegenüber unserer Zeitung erläuterte.

Dagegen vermochte die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Groz-Beckert auf Nachfrage keine weiteren Ausführungen zu machen und wollte schon gar nicht den Vorgang bestätigen. Das Singergelände in Würselen gehöre nun mal nicht zum „daily business“ (Alltagsgeschäft), hieß es. Da müsse man sich innerhalb des Hauses erst einmal sachkundig machen.

Was für den Anbieter von industriellen Maschinennadeln, Präzisionsteilen, Feinwerkzeugen und anderen Spezialprodukten nur nebenbei interessant erscheint, ist aber für die Stadt Würselen von zentraler Bedeutung – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das seit Jahren nicht mehr genutzte Singergelände – einst Fabrikationsstätte für Zigarren, dann für Nadeln – sollte aufgrund seiner zentralen Lage an Bahnhof- und Kaiserstraße schon lange für die weitere Stadtentwicklung genutzt werden.

Zuletzt habe der niederländische Projektentwickler Albert C. Blok mit Partnern vergeblich versucht, den Durchbruch zu erzielen. Die vertragliche Bindung zwischen Blok und Groz-Beckert ist erst vor kurzem, genau am 31. März, ausgelaufen. Darauf hatte sich die Stadt Würselen vorbereitet und in Gesprächen mit dem Eigner den Ankauf des Geländes für einen Betrag unter drei Millionen Euro vorbereitet. Dabei war eigentlich alles schön nach Plan gelaufen.

SEW-Geschäftsführer Zitzen hatte – einem entsprechenden Aufsichtsratsbeschluss folgend – praktisch schon fast alle Papiere beisammen und wollte nun einen Notar mit der Ausformulierung der Vereinbarung beauftragen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Auch die Stimmung bei den Gesprächen mit den Unterhändlern von Groz-Beckert war bis dahin wohl recht gut. Die mit den bereits laufenden Abbrucharbeiten der alten, nicht mehr zu nutzenden Gebäude beauftragte Firma ließ sich auf den Wunsch der Kommune ein, die für ein Begegnungs- und Gründerzentrum vorgesehenen Backsteingebäude stehen zu lassen. Die Kulturstiftung Würselen mit ihrem Vorsitzenden Achim Großmann hatte hierfür den Stadtrat von Würselen gewinnen können. Es sollte nach Fördermitteln Ausschau gehalten werden, um das Vorhaben finanzieren zu können.

Kaum war aber nun die Bindungsfrist mit dem bisherigen Projektentwickler ausgelaufen, zog Groß-Beckert einen (noch) großen Unbekannten aus dem Hut. Der will wohl nicht nur deutlich mehr für das Areal zahlen, sondern auch nicht warten, bis die Stadt Würselen Baurecht geschaffen hat.

Gerade der Aspekt Bebauungsplan war bislang das große Faustpfand der Kommune in den Verhandlungen mit Groz-Beckert gewesen. Was nutzt schon ein Gelände, das zwar von alten Gebäuden und Altlasten befreit ist und „besenrein“ den Besitzer wechselt, wenn die Genehmigungsbehörde Stadtverwaltung und der Stadtrat noch baurechtlich den Daumen drauf haben?

Dem derzeitigen Eigner Groz-Beckert dürfte das egal sein. Mit dieser Problematik muss sich der nun ins Feld geführte „Private“ herumschlagen, sollte er letztlich den Zuschlag bekommen.

Unklar ist zurzeit, wie ernst dieses Angebot ist oder der Eigner letztlich nur am Pokertisch den Kaufpreis gegenüber der Stadt Würselen nach oben treiben will.

Die Kommune, die ihre Karten beizeiten aufgedeckt hatte, sieht nun den Spieleinsatz schwinden – und hat noch ein weiteres Problem: Mit Blick auf eine neue Nutzung des Singergeländes, die eigentlich der bisherige Vertragspartner Blok entwickeln wollte, hatte die Stadtentwicklungsgesellschaft drei Häuser an der Kaiserstraße erworben, um das Ganze mit Anbindung an die Innenstadt rund zu machen. Nun muss dieses Paket gegebenenfalls wieder aufgeschnürt werden.

Aber so schnell gibt sich SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen nicht geschlagen. Entschieden ist nichts. „Die Hoffnung geben wir natürlich noch nicht auf.“

Aber die Zeit drängt, um zumindest die beiden alten Backsteingebäude so lange noch vor dem Zugriff des Abbruchbaggers zu bewahren, bis klar ist, wer von Groz-Beckert den Zuschlag für das Gelände bekommt – die Stadt Würselen oder „Mister X“ ...

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