Pointen-Feuerwerk in der Alten Scheune

Von: Yannick Longerich
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Famoser Start in die „Kultur-nach-8-Saison“: Andreas Hirschmann am Piano begleitete gewohnt lässig Stammgast Frank Küster. Foto: Yannick Longerich.

Baesweiler. Nichts ist beruhigender, als der Wahnsinn in der Welt – also kosten wir jeden Moment vollends aus! Mit diesem ersten von zahllosen „guten Vorsätzen“ für das neue Jahr begann Frank Küster, gern gesehener Stammgast auf der Baesweiler Burg, die erste Ausgabe der Kultur-nach-8-Reihe 2017.

„Ich schreibe ein einzelnes Programm eigentlich nie zu Ende, bin immer auf dem aktuellen Stand und versuche, das aktuelle Geschehen so schnell wie möglich humoristisch einzuarbeiten.“ Heraus kommt dabei ein Pointen-Feuerwerk im Stile einer satirischen Kurznachrichtensendung. Ob ein neu eröffneter McDonald‘s in der Vatikanstadt, die Vollverschleierung als Möglichkeit der individuellen Selbstdarstellung oder die neuesten wissenschaftlichen Innovationen aus Fernost – Küster bringt alles zusammen und skizziert den Irrsinn, den wir Normalität schimpfen.

Einmal pro Halbjahr ist er fest eingeplant. Zeit genug also, mit Geschick und musikalischem Können die Nachrichtenlage immer aufs Neue in den Griff zu bekommen. Auch dieses Mal stand ihm das „Baesweiler Burgorchester“, bestehend aus Andreas Hirschmann und Marcel Mader, treu zur Seite. Zu dritt wurde im Geiste der Band „Trio“ die neue, inoffizielle Hymne für den künftigen US-Präsidenten eingespielt - „Bla, bla, bla, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht!“

Als Gaststars hatte Küster Kai Spitze und Kabarett-Legende Heiner Kämmer mitgebracht. Während Letzterer eine Gag-Salve über die Namensgebung für Neugeborene abgab – der Trend geht hier dazu, die Kinder nach dem Zeugungsort zu benennen – und eindringlich festhielt, dass „Dixi-Klo“ kein standesgemäßer Vorname wäre, gab sich Kai Spitze seiner geheimen Leidenschaft hin: Streckenmanipulationen beim Großstadtmarathon.

Der Rheinländer Küster gehört mittlerweile zum „Inventar“ der Kulturreihe wie das Taufbecken zum Gotteshaus, und doch ist das aufgeregte Kribbeln vor jedem einzelnen Auftritt von Mal zu Mal immer noch stärker geworden: „Baesweiler muss man als Künstler erlebt haben. Der Weg vom Rücken der Alten Scheune bis zur Bühne sind zwar gefühlte 600 Meter, aber die Atmosphäre während des Einlaufens ist nur schwer zu toppen.“

Unabhängig vom begeisterten Baesweiler Publikum sehen Küster und seine Gäste das musikalische Kabarett kombiniert mit forscher Satire und humoristischer, aber ernst gemeinter Gesellschaftskritik nach wie vor als wichtiges Ventil an, um die Wirren des Alltags zu verarbeiten. Leider hätten die Entwicklungen in der Social-Media-Welt dazu geführt, dass auch dieser Zweig der Unterhaltung mehr und mehr unter Beschuss gerät.

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