Würselen/Alsdorf - Pöbeleien begleiten einen Schiri auf Schritt und Tritt

Pöbeleien begleiten einen Schiri auf Schritt und Tritt

Von: Niklas Delens
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Pöbeleien gehören zum Hobby: Seit drei Jahren ist Stefan Glasmacher aus Alsdorf als Schiri-Assistent in der 2. Liga aktiv. Foto: Holger Bubel

Würselen/Alsdorf. Drohungen gibt es viele. „Schiri, wir wissen wo dein Auto steht“ ist wohl die bekannteste. Yannick Longerich hat auf dem Platz schon etliche Beleidigungen gehört: „Du bist doch die letzte Flasche!“, „Das war gar nix, du blöder Hund!“ Die steckt er weg. Muss er ja.

Der 20-jährige Student aus Broichweiden ist seit drei Jahren Jugend- und Seniorenschiedsrichter für die DJK Armada Euchen-Würselen im Kreis Aachen und pfeift seit August des vergangenen Jahres in der Kreisliga B.

Er braucht keine Schreckensmeldungen wie die vom Schiedsrichterassistenten, der in den Niederlanden nach einem Spiel von Jugendlichen totgetreten wurde, um zu wissen: „Der Job des Schiedsrichters ist definitiv einer der schwierigsten in der Fußballbranche.“ Und das gilt längst nicht nur in der Bundesliga. Auch in den Unterklassen des örtlichen Fußballs herrscht ein rauer Ton. Vor allem in den Kreisligen D und C gehe es meist „ohne Rücksicht auf Verluste zu“.

Der Broichweidener spielt immer noch selbst Fußball, kennt also beide Seiten. „Man ist als Spieler schnell genervt von Schiri-Entscheidungen, die man nicht nachvollziehen kann“, sagt Longerich. „Dann fallen auch schon mal Worte, die nicht in die Situation hinein gehören. Aber als Schiedsrichter sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.“ Der Job sei halt schwierig.

Dabei seien es gerade im Jugendfußball weniger die Spieler, die für Aufsehen sorgen, sondern deren Eltern. „Die wissen alles besser und brüllen das auch raus.“ Beleidigungen und Pöbeleien sind bei jedem Spiel an der Tagesordnung. Also lautet seine Devise: „Da rein, da raus.“ Zu Herzen nimmt er sich nichts, was er da hört. „Ich hatte bislang erfreulicherweise noch nicht den Fall, dass ich ein Spiel abbrechen musste.“ Es gibt ja sogar gute Tage. „Wenn die Zuschauer gut drauf sind und die Leistung gestimmt hat, können Publikum, Trainer und Spieler gemeinsam mit dem Schiedsrichter auch als Mensch viel lachen.“

Für ihn ist es wichtig, sicher und souverän aufzutreten. Der erste Eindruck zählt. Dazu gehört es auch, mindestens 45 Minuten vor dem Anpfiff da zu sein. „Das ist wichtig, um sich eine Übersicht von dem Platz, den Kabinen und anderen Dingen wie Spielerpässen zu verschaffen.“ Danach wird der Platz begutachtet. So können frühzeitig Mängel festgestellt und behoben werden.

„Die Passkontrolle ist sehr wichtig. Meist haben die Spieler veraltete Passbilder, so dass es für Schiedsrichter schwer ist, den Spieler zu identifizieren.“ Nach dem Spiel ist mit der Arbeit nicht Schluss. Dann müssen Tore, Auswechslungen, Karten und besondere Vorkommnisse in den Spielbericht eingetragen werden. „Viel Arbeit“, sagt Yannick Longerich, „aber es macht auch Spaß“.

Das gilt auch für Stefan Glasmacher aus Alsdorf. Seit drei Jahren pfeift er in der dritten Liga und als Schiri-Assistent ist er auch in der zweiten aktiv. Ob er dort angepöbelt wird? Klar, und nicht zu knapp. Doch eins hat er längst gelernt: „Ohne dickes Fell geht es nicht.“ Das hat er. Und im Zweifel gilt: Sie müssen dich nicht mögen. Aber sie müssen dich respektieren.

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