Plötzlich fallen Schüsse an der Grenze

Von: Beatrix Oprée
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Ansprechpartner für die Bürger Eurodes: Hauptkommissar Hans-Joachim Blenz (l.) und Brigadier Jac De Bruijn im binationalen Polizeibüro im EBC. Sprechstunden sind montags, 11 bis 13 Uhr, und mittwochs, 16 bis 18 Uhr; Telefon 02406/9577-12792. Foto: Beatrix Oprée
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Kaffee gehört dazu: Die Süd-Limburger Polizisten haben sogar persönliche Becher mit Namen.

Herzogenrath/Kerkrade. Zwei Amtshilfeersuchen des Aachener Straßenverkehrsamts stehen auf der Agenda für die binationale Polizeistreife an diesem Donnerstag. Eigentlich. Doch bevor diese komplett abgearbeitet werden können, tönt aus dem Funkgerät die knappe Meldung über einen „Schusswaffengebrauch an der Grenze“.

Und im Zuge der wenig später ausgelösten Fahndung nach drei männlichen Flüchtenden, einer mit dunkler Jacke und Pelzkragen, ändert sich kurzfristig der Einsatzplan. „Dann wollen wir mal sehen, ob hier jemand rumläuft, auf den diese Beschreibung passt“, sagt Hauptkommissar Hans-Joachim Blenz, der mit seinem niederländischen Kollegen, Brigadier Jac De Bruijn, gerade in eine Kerkrader Wohnstraße abgebogen ist, um nach einem grauen Zafira zu suchen.

Denn dessen Halterin ist in die Herzogenrather Schwesterstadt umgezogen, der Wagen wurde auch in Aachen abgemeldet, aber über eine Neuregistrierung gibt es keine Informationen. Wohl aber über die neue Wohnadresse: „Womöglich fährt die Frau mit ihrem Auto schon einige Zeit ohne Versicherungsschutz herum“, hatte Blenz im Vorfeld erklärt. „Das wäre dann eine Straftat.“

Doch im Wohnumfeld ist kein passendes Fahrzeug zu sehen. Also steuert Blenz zunächst wie angekündigt wieder zurück in Richtung Grenze, richten die beiden Beamten ihr ganzes Augenmerk auf Seitenstraßen, Hofeinfahrten, Hauseingänge. Über allem kreist der deutsche Polizeihubschrauber, der, auch das wird per Funk durchgegeben, die Überflugrechte über niederländisches Hoheitsgebiet bekommen hat. Ebenso teilt die Funkstimme aus dem Off mit, dass deutsche Fahnder zwecks „Nacheile“ über die Grenze fahren.

Letzteres ist für Blenz und De Bruijn schon lange nichts Neues mehr. Seit zehn Jahren gehen sie gemeinsam auf Streife. Abwechselnd mit einem deutschen oder einem niederländischen Streifenwagen fahren sie dann zwischen Herzogenrath und Kerkrade hin und her, als sei die Staatsgrenze gar nicht mehr existent.

Allmählich wird es dunkel und die „Hummel“ am Himmel muss ihren Einsatz abbrechen. Auch andere Einheiten von Polizei und Zoll ziehen ab. Zwischenzeitlich ist klar geworden, dass der „Schusswaffengebrauch“ im Zuge eines Drogeneinsatzes im Verlauf der Landesstraße 232 erfolgt war und ein mutmaßlicher Täter festgenommen wurde. „Hauptsache, man hat einen erwischt“, sagt Blenz. „Daraus ergeben sich dann ja weitere Ermittlungsansätze.“

Also geht die Fahrt nochmals zurück über die Grenze in besagtes Wohngebiet: Vielleicht ist die Besitzerin des Zafira ja inzwischen nach Hause gekommen. Doch wieder bleibt das Fahrzeug unauffindbar.

Gibt es eigentlich keine irritierten Blicke, wenn ein deutscher Streifenwagen in den Niederlanden auftaucht und Kontrollen vornimmt? „Schon lange nicht mehr“, sagt Jac De Bruijn und lacht: „Es ist sogar vorgekommen, dass wir beide eine Viertelstunde lang mit Bürgern geredet haben, denen dann erst auffiel, dass wir verschiedene Uniformen tragen!“

„Grenzenloses Vertrauen“ lautet der Slogan, unter dem der deutsch-niederländische Service-Punkt der beiden Polizeien mitten auf der Staatsgrenze im Eurode Business Center firmiert. Montags und mittwochs stehen im Wechsel insgesamt sechs Beamte in dem kleinen Büro im Erdgeschoss in offenen Sprechstunden für Bürgerbelange zur Verfügung.

Teure Knöllchen oft Thema

Die teuren Knöllchen, die man in den Niederlanden bekommt, sind da oft Thema. Aber auch mit Fragen in Sachen Fahrverbot, das wegen Tempoverstößen im jeweils anderen Land erteilt wurde, oder mit rechtlichen Details bei Unfällen werden die Beamten häufig befasst. Denn die gesetzlichen Unterschiede zwischen den Ländern sind oft beträchtlich.

In der binationalen Wache des EBC landen zudem nach einem Diebstahl weggeworfene Brief- oder Handtaschen. „Taschendiebe nehmen sich raus, was sie brauchen können“, erklärt Blenz. Der Rest landet in der Rabatte. Und wird dort von Passanten oder städtischen Mitarbeitern gefunden.

Ähnlich wie der bei Heerlen entdeckte Unfallwagen, der in Deutschland gestohlen wurde und der für das zweite Amtshilfeersuchen bedeutsam sein könnte. Beim Aachener Straßenverkehrsamt sind nämlich gestohlene Kennzeichen gemeldet worden. Vielleicht hängen die ja noch an dem gestohlenen Wagen? Auch dies ist eine typische Ermittlungsaufgabe für die polizeilichen Grenzgänger.

Und was waren die Highlights in den vielen gemeinsamen Jahren? „Der Besuch der Königin“, sagen Blenz und De Bruijn fast unisono. Königin Beatrix, Sohn Willem-Alexander und dessen Gattin Maxima waren anlässlich ihres Staatsbesuchs im April 2011 auch im EBC auf Stippvisite. „Vor der Sachkenntnis der Königin ziehe ich heute noch den Hut“, sagt Blenz, woraufhin De Bruijn zufrieden lächelt.

Natürlich haben die beiden auch Fahndungserfolge zu verzeichnen, etwa nach einem versuchten Wohnungseinbruch in Herzogenrath. Zur Täterbeschreibung gehörte ein Gipsfuß. „An der Edith-Stein-Straße haben wir den Tatverdächtigen dann entdeckt“, erinnert sich De Bruijn. Dem Einbrecher konnten denn auch gleich mehrere Delikte zur Last gelegt werden, „er sitzt wohl heute noch ein“.

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