Pläne zur Anpassung des Kinderbildungsgesetzes begrüßt

Von: Stefan Schaum und Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
kitablumenbu
Kreatives Lernen: Auch in der Kindertagesstätte Blumenrath möchten sich die Erzieherinnen noch mehr den Kinder widmen können. Foto: Schaum

Nordkreis. Die Pläne der Landesregierung zur Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) treffen Herzogenrath nicht ganz unvorbereitet. Zumindest, was Teile des am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Fünf-Punkte-Plans angeht.

Denn Rodas SPD hatte schon im Februar 2008 die Einführung eines beitragsfreien Kindergartenjahrs ab 2009/2010 beantragt. Die damalige schwarz-grüne Mehrheit votierte zusammen mit der FDP gegen diesen Vorstoß und folgte statt dessen dem Vorschlag der Verwaltung, die untere Einkommensgrenze für die Beitragsfreiheit von 16.000 auf 25.000 Euro anzuheben - „um noch mehr Kindern aus finanzschwachen Familien eine Förderung und Betreuung in einer Kindertageseinrichtung zu ermöglichen”, wie es seinerzeit in der Vorlage hieß. Auf die Einnahmen durch Kinder aus reichen Familien wollte man nicht verzichten.

400.000 Euro Mindereinnahmen

Der beantragten einjährigen Befreiung wurden vor rund zwei Jahren Mindereinnahmen von rund 400.000 Euro jährlich gegenübergestellt. „An dieser Zahl hat sich bis heute nicht viel geändert”, hat der Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Detlef Zähringer die möglichen finanziellen Auswirkungen der neuen Landespläne schon überschlagen. Für 2011 stehen 1,3 Millionen Euro an Einnahmen durch Elternbeiträge im Etatentwurf. Die erstmaligen Mindereinnahmen wären ab August 2011 anteilig zu berechnen.

„Geschwisterkinder sind bei uns ohnehin schon beitragsfrei”, legt die zuständige Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann dar, „dass die inhaltliche Komponente der Landespläne bei uns nicht drängend ist: Wir erreichen schon jetzt so gut wie jedes Kind.”

Eine Unbekannte ist allerdings noch die finanzielle Auswirkung durch die vom Land gewünschte Aufstockung sowohl des festen Personals als auch der Berufspraktikanten. Zähringer: „Hier müssen wir erst den Bedarf prüfen.” Birgit Froese-Kindermann kann jedoch auch hier relativieren: „Der Personaldeckungsgrad ist bei uns schon recht gut.” Ein Problem sei allerdings die Nachwuchssuche generell, „zwischendurch waren wir richtig in die Bredouille geraten”. Durch den Ausbau der U-3-Betreuung und die Tatsache, dass viele Erzieherinnen ins Rentenalter kommen. „Wenn wir auf eine frei werdende Stelle drei bis vier Bewerbungen bekommen, ist das schon viel”, sagt Bernd Krott, Leiter Bereich Jugend im Rathaus.

Das kann Marina Schmaldienst, Leiterin des städtischen Familienzentrums in Alsdorf-Blumerath, gut nachvollziehen. „Selbst wenn wir sie einstellen könnten: Fachkräfte sind rar geworden. Viele Jugendliche haben sich angesichts knapper werdender Arbeitsplätze eine andere Ausbildung gesucht, manche arbeitslos gewordene Erzieherin hat eine Umschulung gemacht.” Dabei würden sie heute in der Betreuung dringender denn je gebraucht, Stichwort U3-Plätze. „Alleine das Wickeln von Kleinkindern braucht viel Zeit, denn wir wollen das ja auch nicht einfach so zwischendurch im Eiltempo machen.” So hofft sie sehr darauf, dass das Land seine Absichtserklärung mit Leben füllt.

Mitarbeiter werden übrigens nicht nur in Kita-Gruppen gebraucht. „Ganz wichtig sind auch zusätzliche Kräfte für die Hauswirtschaft und die Essensausgabe”, sagt Manfred Schmidt, stellvertretender Jugendamtsleiter in Alsdorf. Hier packen derzeit meist die Erzieherinnen selbst an, weil Küchenmitarbeiter im Kibiz-Personalschlüssel nicht auftauchen. Wie auch immer die Umsetzung aussieht: „Es ist ein wichtiger Schritt, dass auf Landesebene die defizitären Zustände durch Kibiz zumindest erkannt worden sind!”

Dass zunächst das letzte Kindergartenjahr vor der Grundschulzeit beitragsfrei werden soll, begrüßt Schmidt zwar, hätte sich aber gewünscht,Ê„dass es das erste geworden wäre”. Gerechnet ab dem derzeitigen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab drei Jahren. „Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Kinder, die erst einmal eine Einrichtung besuchen, auch dort bleiben.” Insofern wäre eine Beitragsfreiheit beim Start ein geeigneteres „Lockmittel” für den frühen Besuch einer Kita gewesen.

„Das ist sicher eine sinnvolle Sache”, begrüßt in Baesweiler der Beigeordnete Frank Brunner den Fünf-Punkte-Plan. Solange dadurch keine Finanzlawine auf die Kommunen zu rollt. „Ich hoffe sehr, dass der Landesgesetzgeber im Sinne der Konnexität handelt und den Kommunen nicht die Mehrausgaben aufbürdet.”

„Auch die Beiträge fürs Mittagessen streichen”

Die angestrebte Beitragsfreiheit ist für Hans Brings im Würselener Jugendamt nur die halbe Miete: „Es wäre ein logischer Schritt, auch die Beiträge fürs Mittagessen zu streichen.” Das aber sieht der Reformvorschlag nicht vor.

Aus seiner Sicht nicht der einzige Mangel: „Selbst wenn es mehr Personal gibt, müsste anders abgerechnet werden.” Derzeit wird jährlich aufwändig aufs Neue mit dem „Kibiz-Rechner” geprüft, wie viele Stunden und Minuten pro Kind und Gruppe aufgewendet werden müssen und dürfen. Die Folge: „Ich kann fast nur noch befristete Verträge anbieten, das ist total frustrierend für die Mitarbeiter.” Deshalb müsste im Zuge einer Aufstockung auch für Planungssicherheit gesorgt werden. Im übrigen sei er zuversichtlich, dass es mehr Personal für die Kitas gibt: „Es geht nämlich gar nicht mehr anders!”

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert