Alsdorf - Photovoltaik: Kein Luxus für Superreiche

Photovoltaik: Kein Luxus für Superreiche

Von: Yannick Longerich
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Alsdorf. Unter dem Leitsatz „Global denken, lokal handeln“ wollten die Alsdorfer Grünen jetzt die hartnäckigsten Mythen rund um das Thema Solarenergie ausgeräumt. Photovoltaik-Anlagen seien kein Luxus für Superreiche, sondern ein attraktives Konzept für jeden, der die Zukunft im Blick hat, so die Grundaussage.

Zwischen Energeticon und KuBiZ-Neubau gelegen, bot das Euregio-Solarzentrum sowohl im wortwörtlichen, als auch im übertragenen Sinne eine perfekte Bühne für einen aufschlussreichen Vortrag. Eine Überleitung von der Historie in die Moderne – was auf das raffinierte Energeticon und das neue Bildungszentrum gleichermaßen zutrifft, war auch für den Themenabend die passende Bezeichnung.

Eingeladen war der langjährige energiepolitische Sprecher und Ex-Vorsitzende der Grünen-NRW-Landtagsfraktion sowie aktuelles Mitglied des Landtags, Reiner Priggen aus Aachen, um über die Bedeutung der Nutzung von Sonnenkraft zu informieren.

Multimedial unterstützt zeigte Priggen mit vielschichtigem Bildmaterial sowie aufschlussreichen Diagrammen den verheerenden Fortschritt des Klimawandels auf. Bewusst befeuerte der Aachener Diplomingenieur keine politisch-ideologische Diskussion, sondern legte seinen Fokus auf die nüchternen Fakten.

Höchst erfreut zeigte er sich über die Ergebnisse des Pariser Klimagipfels: Dass schnell gehandelt werden müsse, um eine Klimakatastrophe zu verhindern, sei nun endlich auch den Zweiflern in den Reihen der Vereinten Nationen bewusst geworden. Fernab ideologischer Debatten habe die Politik mehr denn je die Verantwortung, den zügigen Umstieg von fossile auf regenerative Energie zu forcieren. Photovoltaik überzeuge gerade in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Der Gastgeber und Alsdorfer „Sonnenenergie-Urgestein“ Hans-Willi Grümmer pflichtete dem Gast aus Düsseldorf bei. Er berichtete von seinen anfangs belächelten Pilotprojekten der Photovoltaik vor rund 30 Jahren, die weit entfernt von einer Kostendeckung waren. Die Produktion von Sonnenstrom war damals erheblich teurer als die zu erwartende Einspeisevergütung.

Wirkungsgrad gesteigert

Grümmer betont, dass sich der Wirkungsgrad der aktuellen Generation von Photovoltaikanlagen im Vergleich auf 18 bis 19 Prozent gesteigert habe – eine beachtliche Steigerung um 20 Prozent mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre.

Höchst interessant für den Verbraucher würde es laut Grümmer beim Blick auf die Kosten-Nutzen-Bilanz: War es bis vor einigen Jahren üblich, dass der eigenproduzierte Strom komplett an den jeweiligen Energieversorger verkauft wurde, so werden mittlerweile lediglich die Überschüsse an die Netzbetreiber abgegeben. Die Unabhängigkeit vom Stromkonzern durch Eigennutzung steht an erster Stelle.

Der finanzielle Aufwand zur Beschaffung schrecke viele Interessierte zunächst ab, meint Grümmer. Allerdings sei auch hier ein Blick auf die Entwicklung seit 1990 aufschlussreich: „Bis zur Jahrtausendwende ist der Kostenaufwand für eine Photovoltaik-Installation um ungefähr die Hälfte geschrumpft. Heutzutage ist sogar nur noch ein Achtel übrig geblieben“, erläutert er. „Außerdem können wir auf eine ausgereifte und wartungsarme Technik zurückgreifen, was etwaige Instandhaltungskosten kalkulierbar macht. Im Gegenzug erhält jede Immobilie eine beachtliche Attraktivitätssteigerung.“

Grümmer rechnet vor, dass bei einer zu bestückenden Dachfläche von beispielsweise 25 Quadratmetern Material- und Montagekosten von 7000 Euro brutto anstünden. Im Gegenzug erstatte das Finanzamt die Umsatzsteuer (19 Prozent, 1100 Euro). Als Betriebskosten und Reparaturrücklage schlägt Grümmer 800 Euro an, was einer Gesamtinvestition von 6700 Euro entspräche.

Während der Strom vom Netzbetreiber in Grümmers Rechnung durchschnittlich auf 27 Cent pro Kilowattstunde taxiert wird, bringt der Verkauf immerhin rund 12 Cent pro Einheit. Unter dem Strich bliebe also eine Ersparnis von ca. 15 Cent pro eigengenutzter Kilowattstunde und ferner der Erlös aus dem Überschuss. Grümmer errechnet bei einer Eigennutzung von 33 Prozent und der durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für 20 Jahre garantierten Vergütung des Überschussstroms einen jährlichen Nutzen von durchschnittlich 700 Euro für dieses Modellbeispiel. Keine kurzfristigen Renditen, dafür Nachhaltigkeit, Planungssicherheit und langfristige Kostensenkung.

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