Pflegeleichte Bestattungsformen im Trend

Von: Beatrix Oprée
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Herzogenrath. „Wollen sich die städtischen Friedhöfe als Teil des ,Bestattungsmarktes‘ behaupten, so ist die Verwaltung gezwungen, Grabarten anzubieten und vorzuhalten, die den differenzierten Bedürfnissen, das heißt Wünschen der Menschen, gerecht werden“: Im Zuge der Prüfaufträge zur Haushaltskonsolidierung hat sich Herzogenraths Verwaltung auch mit der Bestattungssituation auseinandergesetzt und ein Konzept für die insgesamt elf Friedhöfe der Stadt vorgelegt.

 Dreh- und Angelpunkt sind eindeutige Trends, die sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert haben und auf die sich die Kommunen einstellen müssen. Über die Hälfte aller Verstorbenen in Herzogenrath wird mittlerweile eingeäschert, pflegeleichte Gedenkstätten stehen hoch im Kurs. An Bedeutung gewinnt auch die anonyme Bestattung.

Die Gründe für das gewandelte Verhalten sind meist eine berufsbedingte geografische Trennung der Generationen, dazu der Wunsch, Angehörige nicht mit Grabpflege zu belasten, „oder es sind keine Verwandten mehr da“, wie die Verwaltung darlegt.

Auch der Wegfall des Sterbegelds aus der Krankenversicherung im Jahr 2004 habe Auswirkungen auf die Auswahl der Grabstätte respektive Beisetzungsform gehabt, so die Verwaltung, „da sich viele Angehörige zusätzliche Angebote, über das zwingend erforderliche Maß hinaus, nicht mehr leisten können oder wollen“.

Indes: Wissenschaftlich gesicherte Aussagen über die Ursachen des Wandels auf den Friedhöfen gebe es nicht, allenfalls: „Einiges deutet darauf hin, dass das Kostenargument ebenso eine Rolle spielt wie der Bedeutungsverlust innerfamiliärer Beziehungen und die wachsende gesellschaftliche Mobilität.“

Auch Trauerfeiern finden immer häufiger nur noch im kleinen Kreis statt oder sind gänzlich unerwünscht. Was zu dem Dilemma führt, dass Trauerhallen zwar auf jedem Friedhof erwünscht sind, aber eine Auslastung aufgrund ihrer Größe (meist um die Jahrhundertwende gebaut) nicht mehr gegeben ist. Rodas Verwaltung stellt fest: „Ein wirklich kostendeckender Betrieb der Trauerhallen wird nur in den seltensten Fällen erreicht.“

Das gewandelte Verhalten Hinterbliebener müssen Kommunen bei ihrer Friedhofskonzeption in Einklang bringen mit den zu erwartenden Sterbezahlen. Der derzeitige leichte Rückgang der Sterbefälle dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis zum Jahr 2050 mit einer deutlichen Zunahme gerechnet werden müsse. Grund sind die geburtenstarken Jahrgänge, die „Babyboomer“, die ins hohe Alter hineinwachsen, gibt die Verwaltung zu bedenken.

„2006 sind bundesweit 818.000 Menschen gestorben, für das Jahr 2050 werden 1.081.000 Sterbefälle, also eine Zunahme von circa 24 Prozent prognostiziert.“ Während es im Jahr 2014 acht Geburten auf 1000 Einwohner gegeben habe, werden es in 2030 voraussichtlich nur noch 7,4 sein. Dem stehen laut der Verwaltung 11,2 (2014) respektive 12,9 (2030) Sterbefälle gegenüber.

Zusammenfassend bedeutet dies: Obwohl in absehbarer Zeit mehr gestorben wird, sinkt aufgrund des Trends zum pflegeleichten Grabmal der Flächenbedarf auf den Friedhöfen und die Auslastung der Trauerhallen beziehungsweise Leichenkammern. Mit Blick auf Sparpotenziale durch Friedhofs(teil-)schließungen respektive „wirtschaftlicher Verwertung“ durch Verpachtung/Verkauf derzeit nicht genutzter Flächen zeigt die Verwaltung sich dennoch verhalten. Denn die Praxis zeige, dass gerade Letzteres nur „in seltensten Fällen möglich ist“. Zudem bewirkten die Bindungs- und Ruhefristen einen „sehr langwierigen Prozess der Anpassung des Friedhofsbestandes an den Bedarf, ohne dass sich die wirtschaftlichen Probleme der Friedhöfe grundlegend ändern werden“. Kurzfristig gebe es also auch hier keine Einsparmöglichkeit, auch mit Blick auf die zu erwartenden ansteigenden Sterbezahlen.

Wobei überdies zu beachten sei, dass Friedhöfe nicht nur Orte der Trauer seien, sondern auch eine soziale, eine kulturell-historische und eine denkmalschützende Funktion habe. Darüber hinaus sei die wirtschaftliche Bedeutung nicht zu vernachlässigen – für ortsansässige Betriebe wie Bestattungsunternehmen, Steinmetze und Gärtnereien.

So richtet die Verwaltung in Sachen Konsolidierungspotenzial das Augenmerk vor allem auf die Trauerhallen. Geprüft werden soll die teilweise Nutzung jeweils einer Halle pro Stadtteil als „Urnenhalle“ – angedacht sind der Waldfriedhof in Mitte sowie die Friedhöfe Lange Hecke in Merkstein und – primär – an der Oststraße in Kohlscheid.

Von der Politik einstimmig goutiert wurde auch die Erweiterung des bestehenden Bestattungsangebotes durch zwei „pragmatische und pflegefreie Grabarten“, nämlich die „Reihengrabstätte auf Rasenflächen mit Grabstele ohne Bepflanzung nach besonderen Gestaltungsvorschriften“ und die „Erdgrabstätte mit der Möglichkeit der Nutzungsrechtsverlängerung auf Rasenflächen ohne Bepflanzung nach besonderen Gestaltungsvorschriften“. Infobox

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