Würselen - Pflegekräfte werden bald händeringend gesucht

Pflegekräfte werden bald händeringend gesucht

Von: Ilona Rütten-Sieben
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Auch dies gehört zum Pflegealltag: Fachkraft Ingeborg Keller hat immer ein offenes Ohr für die Bewohner und Helene Plum (103) nutzt die Zeit gerne für ein Schwätzchen. Foto: Ilona Rütten-Sieben

Würselen. „Die Wirtschaft rechnet zukünftig mit einem Fachkräftemangel - in der Pflege existiert er bereits”, äußerte Bernd Meurer, Präsident des Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Bereits jetzt sei der Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte wie leer gefegt.

30.000 Fachkräfte würden in Deutschland zurzeit fehlen, bis zum Jahr 2020 schätzt der Verband werden es rund 300.000 sein. Diese Entwicklung wird auch in Würselener Senioreneinrichtungen kritisch gesehen, wenngleich von Fachkräftemangel vor Ort noch keine Rede ist.

„Bisher sind wir in der glücklichen Lage, dass wir mehr als 60 Prozent examinierte Kräfte beschäftigen können. Damit liegen wir über den gesetzlichen Vorgaben”, meint Joachim Classen, Leiter des Senioren- und Pflegezentrums St. Antonius in Würselen an der Klosterstraße (137 Plätze).

Zurzeit bildet das Seniorenheim sieben junge Leute aus, rekrutiert somit aus dem eigenen Nachwuchs die Mitarbeiter. Zumindest aktuell kann sich die Einrichtung auch nicht über mangelnde Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz beklagen. Allerdings betont Classen „es zeichnet sich ab, dass wir auf einen Fachkräftemangel hinsteuern”.

Der Personalschlüssel, die von den Spitzenverbänden ausgehandelt werde, bewege sich am unteren Limit. „Wir könnten in allen Bereichen fünf bis zehn Mitarbeiter mehr gebrauchen”, sagt Classen. Auch die Dokumentation der Arbeit nehme einen immer größeren Anteil innerhalb der Pflegetätigkeit ein, moniert der Geschäftsführer.

„Wir stellen seit langem fest, dass die Bewerbungen von Fachkräften rückläufig sind”, sagt Daniel Krückel, Leiter des St. Franziskus Seniorenzentrums und Wohnpark Würselen (83 Plätze). Um dem entgegen zu wirken, hat die Einrichtung am Mauerfeldchen die Ausbildungsstellen für Fachkräfte erhöht.

Ob diese Maßnahme ausreichend ist, um auch langfristig auf qualifiziertes Personal zurückgreifen zu können, kann Krückel noch nicht abschätzen. „Im Moment sind wir gut aufgestellt. Wenn alle Dienstleister im pflegerischen Bereich verstärkt in die Ausbildung investieren, wird das sicherlich auch langfristig einen Fachkräftemangel verhindern”, ist er überzeugt.

Im Moment habe fast jede Institution Probleme, Fachkräfte zu finden, erläutert Johannes Heinrichs, Geschäftsführender Gesellschafter der Heinrichs Unternehmensgruppe. Das Würselener Pro 8 Pflegeheim an der Bardenberger Straße (70 Plätze) ist spezialisiert auf die stationäre Betreuung von Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen.

„Hinzu kommt, dass diejenigen, die in diesem Bereich tätig sind, vielfach überlastet sind”, meint Heinrichs. Hohe Krankenstände wären die Folge. Sein Auftrag an die Politik: Die Zugangsvoraussetzungen für Auszubildende müssten gelockert werden. „Ich sträube mich dagegen, dass Hauptschüler diesen Beruf nicht erlernen können”, weiß Heinrichs, dass neben den fachlichen Kenntnissen und der körperlichen Belastbarkeit vor allem die menschliche Kompetenz eine große Rolle bei der Berufsausübung spielt.

Sein Appell an die Gesellschaft: „Dieser Beruf muss die nötige Anerkennung erhalten, die er verdient hat.”
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