Pfarrjugend stellt kritische Fragen zu Rechtsradikalismus

Von: lo
Letzte Aktualisierung:
her_rechtstheater_bu
Doch nicht meine Tochter: Als der Staatsschutz auf Lisa aufmerksam wird, kann ihre Mutter dies kaum fassen. Foto: Lars Odenkirchen

Herzogenrath. Freunde finden, das fällt Lisa nicht leicht. Erst vor ein paar Wochen ist die Teenagerin von Rostock aus nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Doch in der Schule steht sie oft alleine da.

Die Cliquen in ihrer Stufe haben sich längst gefunden, und bei den stets modisch gestylten Damen aus ihrer Klasse kommt Lisa ohnehin nicht gut an. Wenn wundert es da, dass Lisa schnell empfänglich ist, als ein Junge sie anspricht und sie für seinen Freundeskreis gewinnen will.

Dass Lisa aus Rostock kommt, gefällt ihm sehr gut, denn die „Kameraden” dort unternehmen ja ohnehin viel mehr „Aktionen” gegen Ausländer - und ehe sie sich versieht, ist Lisa mitten drin in der rechtsradikalen Szene.

Zum Glück ist Lisa nur eine fiktive Figur, doch die Geschichte, die eine Gruppe von Jugendlichen aus der Pfarre St. Josef gemeinsam erdacht und als Theaterstück umgesetzt hat, ist in vielen Punkten erschreckend realistisch.

In einer etwa halbstündigen Collage mit dem Titel „Nicht mit den Wölfen heulen” stellen die Jugendlichen Lisas Wandel dar und beleuchten die Aktionen der Rechtsradikalen, die im Verbrennen einer türkischen Fahne gipfelt, aus allen Perspektiven. Das Stück stellt dabei viele Fragen: Sind es nur dumme Streiche oder schon die Anfänge, derer man sich erwehren muss? Wer ist bei rechten Straftaten gefragt, die Polizei, die Politik oder jemand ganz anders? Und was kann jeder einzelne dagegen tun?

Direkte Antworten darauf geben die Jugendlichen nicht, viel mehr regt das Stück zum Nachdenken an und ruft jeden zu etwas mehr Wachsamkeit auf. Unterstützt wird dies noch vom Rahmenprogramm, in das das Stück eingebettet wurde.

Mit einer Lesung von Auszügen aus dem Tagebuch der Anne Frank wird darin erinnert, wohin rechtsradikale Umtriebe in der Vergangenheit schon einmal geführt haben, Helmut Bardischewski sorgt zudem mit Protest- und Widerstandsliedern für einen gelungenen musikalischen Rahmen.

Belohnt werden die 14- bis 16-Jährigen, die das Stück gemeinsam mit Theaterpädagogin und Regisseurin Katrin Bremer auf die Beine gestellt haben, mit langem Applaus. Verdient haben sie den gleich doppelt: Nicht nur für ihre kreative Leistung, sondern vor allem für ihr soziales Engagement.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert