Pfarrer ist Mittler zwischen Patienten und Hospital

Von: Karl Stüber
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Geht Beschwerden von Patienten auf den Grund: Pfarrer Gottfried Kader ist am Standort Bardenberg des Medizinischen Zentrums Würselen im Einsatz. Foto: Karl Stüber

Würselen. Pfarrer Gottfried Kader ist Krankenhausseelsorger für beide Betriebsteile des Medizinischen Zentrums (MZ) Würselen. Das Bistum hat ihn damit beauftragt. „Bruder im Amt“ ist ihm im Auftrag der Evangelischen Landeskirche Pfarrer Thomas Maas. Aber die beiden sind noch mehr.

Sie sind Patientenfürsprecher – Kader für den MZ-Standort Bardenberg, Maas für Marienhöhe. Bleiben wir beim Beispiel Kader. Gern erzählt er in einem Nebenraum der Kapelle im traditionsreichen „Knappschaftskrankenhaus“ Bardenberg über diese wichtige Arbeit, ohne ins Detail zu gehen und Namen zu nennen. Denn ein wesentliches Merkmal der Tätigkeit eines Patientenfürsprechers ist Verschwiegenheit gegenüber Dritten und Unabhängigkeit, also in diesem Falle gegenüber dem Medizinischen Zentrum Würselen.

Vertrauenswürdig und verschwiegen muss auch ein Pfarrer sein können. Insofern passen beide Funktionen gut zusammen. Aber: Jede andere geeignete Person kann diese Funktion ausüben, es muss keineswegs ein Geistlicher sein. Allerdings bietet sich diese „Personalunion“ durchaus an, hat Pfarrer Kader in seiner Kerntätigkeit viel Kontakt mit Menschen, die ins Krankenhaus kommen. Großen Wert legt Kader auf die Feststellung, dass Krankenhausseelsorge und auch die Arbeit eines Patientenfürsprechers keinesfalls an eine bestimmte Religion gebunden ist. Der Mensch steht jeweils im Mittelpunkt. „Nach Konfessionen – Gott bewahre – wird nicht gefragt.“

„Wenn etwas nach Meinung des Patienten schief läuft, werde ich tätig“, beschreibt Kader den jeweiligen Stein des Anstoßes. Dabei über nimmt er die Funktion des Sprechers des Patienten gegenüber Krankenhausverwaltung, Ärzteschaft und Pflegepersonals. Hauptthemenfelder sind dabei Zimmerqualität, sanitäre Einrichtungen, Essen und „Freundlichkeit“ des Personals, wobei es auch die Ärzte bezüglich Kritik nicht ausgenommen werden..

„Im Prinzip geht es um die Befindlichkeit des Menschen.“ Dabei kann sich Kader durchaus in die Lage eines Patienten hineindenken. Dieser gerät mit seiner Krankheit, mit seinem Handicap in eine ihm in der Regel neue Umgebung und muss sich im Zuge der Diagnose und Behandlung weitgehend fremd bestimmen lassen. Die bange Frage, was mit einem ist und was aus einem werden soll, wirkt befremdlich, macht ängstlich oder etwa argwöhnisch, zumindest dünnhäutig, kann er nachfühlen. Forderungen und Erwartungen werden dabei in einem durchorganisierten Krankenhausbetrieb an den Patienten zielgerichtet herangetragen. Da lösen zum Beispiel allein schon forsche Formulierungen wie „Machen Sie sich mal frei!“ oder „Nun kommen Sie mal!“ nicht nur das Befolgen der Anordnung, sondern auch bisweilen mehr beim Adressaten aus, womit sich dann später der Patientenfürsprecher vermittelnd zu befassen hat. „Die Patienten sind in ihrer Lage besonders empfindsam“, weiß Kader, dass das Personal trotz Stress auch den Sinn für ihre Klientel nicht vergessen darf.

Auf verschiedenen Wegen erreichen die Beschwerden den Patientenfürsprecher, wie der Pfarrer erläutert. Da gibt es die klassischen Patientenfragebögen, auf denen nicht nur Kritik, sondern auch Lob und Anerkennung für das Krankenhaus und die dort Angestellten dokumentiert werden. Die sind zwar grundsätzlich anonym. Manche aber setzen gezielt ihren Namen darunter, um damit Nachfragen und einen Klärungsprozess auszulösen. Nach Umzug verschiedener Kliniken zum Standort Marienhöhe und der damit geringeren Nutzung des Standorts Bardenberg seien die Beschwerden bezüglich der Zimmerqualität deutlich zurückgegangen. Das sei auch am Standort Marienhöhe so, da hier das MZ stark investiert hat. Ein neuer Fragebogen ist in Bearbeitung, berichtet der Patientenfürsprecher.

Manche Beschwerden werden direkt an Kader herangetragen. Die Patienten werden in der Regel bei ihrer Aufnahme über die Einrichtung eines Patientenbeauftragten informiert. Andere Fälle resultieren aus Briefen an das Krankenhaus. Hier wird Kader von der Verwaltung eingeschaltet. Auch aus Reihen der noch im Krankenhaus befindlichen Patienten wird Kritik formuliert, die via jeweiliger Station und Verwaltung bei dem katholischen Pfarrer landen.

Auch Chefarzt „einbestellt“

Und wie reagiert Kader darauf? Mit Kontaktnahme, Rücksprache und Recherche. In persönlichen Gesprächen geht er der jeweiligen Sache auf den Grund. Da laufen Patienten teilweise wie ein Uhrwerk ab und machen ihrem Ärger Luft. Allein das schon tut ihnen gut, stellt der Patientenfürsprecher immer wieder fest. Endlich ist da mal jemand, der sich Zeit nimmt, ihnen auch mal zuzuhören. Nicht selten reicht dies schon zur Klärung aus. Aber bei Bedarf geht es natürlich weiter. Da wird schon mal das Ziel der Kritik zum Gespräch „einbestellt“ – bis hin zum Chefarzt, betont Kader. „Meine Aufgabe ist die Mediation. Dabei gibt es ganz wenige Fälle, die nicht zur Einigung führen“, lautet die Erfahrung des viel geübten Patientenfürsprechers.

Aber nicht immer wird die direkte Aussprache von Angesicht zu Angesicht angenommen. „Manche scheuen die direkte Auseinandersetzung“, berichtet er. Nur in ganz wenigen Fällen, so Kader, gibt es in der Phase der Vermittlung keine Einigung oder befriedigende Lösung. Da bleiben schon mal unterschiedliche Darstellungen und Meinungen im Raum stehen. Aber auch der Rechtsweg, die Klage, ist möglich. Kader nennt ein Beispiel. Da sei die Auseinandersetzung über ein halbes Jahr geführt worden. Ein 14-seitiges Gutachten war dann letztlich Grundlage der Entscheidung, die zu vollsten Entlastung des Krankenhauses gefällt wurde Zurückzuführen war dies auf die lückenlose Dokumentation der Vorgänge während des Aufenthalts des Patienten.

Dem Nachhalten der Vorgänge kommt laut Kader im Fall des Falles eine besondere Bedeutung. „Da ist der Verantwortliche immer mit einem Bein im Gefängnis.“

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