Pfarrer Dreeßen versteht Kritik der Landalemannen nicht

Von: Verena Müller
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Zentrales Element der katholischen Gemeinde: die Eucharistiefeier. Die Diskussion um den ökumenischen Gottesdienst, auf den die Landalemannen im Rahmen ihrer 100-Jahr-Feier verzichten mussten, geht weiter. Foto: Imago/Leemage (1), Verena Müller (2)
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Fand den Zugzwang durch die fertigen Plakate ein Unding: Pastoralreferentin Bärbel Schumacher.
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Hält die Kritik der Landalemannen für unangemessen: Pfarrer Konrad Dreeßen.

Alsdorf. Pfarrer Konrad Dreeßen ist verärgert. Das sieht man nicht nur an der senkrechten Stirnfalte, das hört man auch an der Lautstärke, in der er seinen Standpunkt vorbringt. Er wolle einiges klarstellen, hatte er vor dem Gespräch angekündigt. Mit der Berichterstattung über den von den Landalemannen beklagten ökumenischen Gottesdienst im Rahmen derer 100-Jahr-Feier sei er nicht einverstanden.

Neben ihm, im Pfarrhaus von St. Josef, sitzt nun Pastoralreferentin Bärbel Schumacher, die ihm beipflichtet: Alemannia Mariadorf habe die Plakate, die einen gemeinsamen Gottesdienst von katholischer und evangelischer Kirche ankündigten, gedruckt, bevor überhaupt mit den Geistlichen Kontakt aufgenommen und die Umsetzbarkeit besprochen worden war.

„Da war das auf einmal ein heißes Thema“, sagt Dreeßen, weil die Kirchen plötzlich unter Zugzwang gestanden hätten. Die fehlende Einbindung der (geplanten) Akteure sei aber nicht das einzige Problem gewesen.

„Garantiert immer“

An die „Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz bezüglich ökumenischer Gottesdienste“, wie die Vorgabe heißt, habe er sich gehalten: In der Großpfarre gebe es für die Gemeindemitglieder sonntagvormittags „garantiert immer“ eine Messe in St. Castor und eine in Mariadorf. „Über einen Antrag, der Ausnahmen ermöglicht, habe ich nicht Bescheid gewusst“, sagt Dreeßen.

Die Bischofskonferenz hatte 1994 formuliert: „Da die sonntägliche Eucharistiefeier für das christliche Leben und den Aufbau der christlichen Gemeinde einen unverzichtbaren Wert hat, können ökumenische Gottesdienste sie nicht ersetzen. (...) Ökumenische Gottesdienste dürfen nicht dahin führen, dass in einer Gemeinde an einem Sonntag keine heilige Messe gefeiert werden kann.“

In Anbetracht der knappen Personalsituation ist es damit faktisch nahezu ausgeschlossen, dass an einem Sonntag sowohl eine normale Messe als auch ein ökumenischer Gottesdienst innerhalb einer Gemeinde stattfinden.

Hintergrund dieser Erklärung ist, dass ökumenische Gottesdienste immer nur Wortgottesdienste sind. Sprich: Ein Abendmahl (Eucharistiefeier) findet nicht statt. Rein von der Liturgie her können gemeinsame Gottesdienste also keine katholische Messe ersetzen.

Ausnahmen werden nur auf Antrag des Pfarrers durch das Bistum erteilt, etwa bei „überörtlichen Großveranstaltungen von besonderem Rang“, wie im Falle des CHIO geschehen. „Das hat mich immer schon geärgert, dass beim Reitturnier anders verfahren wird“, sagt Dreeßen. Ob das 100-jährige Bestehen der Landalemannen aus Sicht des Bistums dem CHIO ebenbürtig gewesen wäre, sei dahingestellt.

Dreeßen nimmt außerdem an einem weiteren Aspekt Anstoß: „Es kommt jetzt so rüber, als hätte es bei der Feier gar nichts gegeben. Es gab aber einen katholischen Gottesdienst im Zelt, von Pater Siegers.“ Dafür habe er persönlich nach Rücksprache mit dem Pastoralteam gesorgt.

„Wir haben einen großen Aufwand betrieben, um den Alemannen entgegenzukommen, deshalb verstehe ich es nicht, dass der Verein sich jetzt derart in der Öffentlichkeit äußert“, sagt Dreeßen, der zum Zeitpunkt des Publikwerdens im Urlaub und nicht zu erreichen war. Mit mehr Zeit hätte er sich darum bemüht, den Termin auf den Samstag vorzuverlegen. „Da wäre die Kuh vom Eis gewesen“, sagt er.

Und: Seine Kollegin Petra Hartmann hätte am Sonntag eh keine Zeit gehabt. Das bestätigt die Pfarrerin am Telefon: „Ich wusste zwar schon lange im Voraus von dem Fest, aber der Verein hat mich nicht angesprochen.“ Nachdem sie von den Gottesdienstplänen über Dreeßen Kenntnis erlangt habe, habe sie selbst zum Hörer gegriffen. Der Verein habe daraufhin gesagt, er habe es bislang versäumt, nachzufragen. Ein Monat Vorlauf müsse aber doch reichen.

Aber der reichte nicht. „Wir konnten den Gottesdienstplan nicht mehr verändern“, sagt Hartmann. Der sei schon veröffentlicht gewesen. Ein halbes Jahr Vorlauf benötigten sie und das Presbyterium, um auf solche Wünsche einzugehen. Und so waren für den besagten Sonntagmorgen bereits zwei Gottesdienste inklusive Taufen anberaumt. Das sei aber nicht als prinzipielle Ablehnung eines Sonntagtermins zu verstehen. Eine Regelung, vergleichbar mit der der Bischofskonferenz, gebe es nicht.

Das bestätigte die Evangelische Kirche im Rheinland auf Nachfrage: „Konkrete Vorgaben für die Durchführung von ökumenischen Gottesdiensten gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht. Ob ein Sonntagsgottesdienst gemeinsam mit einer anderen christlichen Kirche gefeiert wird, liegt in der Verantwortung des Presbyteriums als Leitungsgremium der Kirchengemeinde.“

Und was sagt die Bischofskonferenz aktuell zu dem Thema? Offiziell nichts. Ein Leser, der der Redaktion bekannt ist, hatte sich aber an das Gremium gewandt und berichtet, er habe folgende Auskunft erhalten: Die Bischofskonferenz habe bei einer ihrer jüngsten Sitzungen über diese Erklärung beraten.

Sie werde das Thema weiter verfolgen – den unterschiedlichen pastoralen Bedingungen in einzelnen Bistümern, dem Stellenwert der sonntäglichen Eucharistiefeier und der Bedeutung der ökumenischen Gottesdienste Rechnung tragend. Es sei sehr zu begrüßen, wenn diese Form der geistlichen Gemeinschaft, für die es auch außerhalb des Sonntags vielfältige Möglichkeiten und Anlässe gebe, weiter intensiviert werde.

Sowohl Dreeßen als auch Hartmann betonen gleichermaßen, dass die Ökumene in Alsdorf keinesfalls brachliege. Das Gegenteil sei der Fall: „Das läuft sehr gut“, bilanziert Petra Hartmann. Man treffe sich regelmäßig zu ökumenischen Dienstbesprechungen, gestalte gemeinsam Schulgottesdienste und habe darüber hinaus viele weitere Termine im Jahr, an denen man gemeinsam auftrete.

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