Herzogenrath - Pfarrer Dr. Guido Rodheudt stellt sich kritischen Fragen

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt stellt sich kritischen Fragen

Von: Nina Krüsmann
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Pfarrer Dr. Guido Rodheudt beim Montagsgespräch. Foto: Krüsmann

Herzogenrath. Anders als sonst bot das Montagsgespräch in der Pfarrgemeinde St. Gertrud diesmal eine Gelegenheit, über den katholischen Glauben nachzudenken und sich intensiver mit ihm auseinanderzusetzen. Pfarrer Dr. Guido Rodheudt hatte zum offenen Austausch eingeladen und ausdrücklich darum gebeten, zum Jahr des Glaubens Fragen zu stellen.

Herzlich willkommen waren laut Rodheudt ausdrücklich auch jene, die auf der Suche nach Gott sind und auch jene, die in Distanz zum Glauben der Kirche stehen. „Das internationale Jahr des Glaubens gibt eine Steilvorlage, sich den Fragen des Glaubens zu stellen, die die Menschen bewegen“, betonte Rodheudt. Fragen nach dem Frauenpriestertum, Missbrauchsfällen in der Kirche oder der aktuellen Diskussion um die Pille danach bewegen auch die Gemeindemitglieder in Herzogenrath.

Eingangs kreiste das Gespräch inklusive Zwischenfragen aus dem Publikum lange um die Frage nach dem Sakrament der Ehe: Rodheudt erklärte, dass eine Ehe nur dann gültig ist, wenn sie aus Liebe zueinander freiwillig geschlossen wird und das Eheband von Partnerschaft sowie der Absicht, als Eltern an der Schöpfung Gottes mitzuwirken und einander treu zu sein, geprägt ist. Fünf Ehen hat Rodheudt in den vergangenen fünf Jahren für ungültig erklären müssen, weil sie unter falschen Voraussetzungen geschlossen wurden. „Das Sakrament der Ehe war in diesen Fällen nicht erfüllt“, bedauert Rodheudt, der 24 Jahre Erfahrung als Priester hat.

Aber auch lokale Kirchenpolitik rund um die Fusion steht auf dem Fragezettel. Eine Frau etwa wollte wissen, warum die Pfarre St. Josef in Herzogenrath immer noch eigenständig ist, im Gegensatz zu den anderen fusionierten Gemeinden. Darauf wusste auch Rodheudt keine richtige Antwort.

Beichte als „Tankstelle“

Zum Thema Beichte betonte Rodheudt, dass diese als Reinigungsprozess, persönliches individuelles Gericht im Zwiegespräch mit dem Pfarrer eine „Tankstelle“ sein könnte. „Dieses Seelsorgeinstrument in Anspruch zu nehmen, kann niemandem schaden. Dabei kann man regelmäßig etwaige schlechte Angewohnheiten reflektieren. Eine Bußandacht ersetzt nicht die persönliche Führung des Gegenübers.“ Auch die Frage nach der Kommunionsbank griff Rodheudt gerne auf: Auf einer solchen Bank knien die Gläubigen beim Empfang der Kommunion. In unserer Region sind sie nicht mehr weit verbreitet, doch in Herzogenrath ließ Rodheudt eigens eine errichten. Dadurch haben die Gläubige hier vier Möglichkeiten der wertschätzenden Empfangs der Eucharistie: Kniend mit der Hand beziehungsweise mit dem Mund oder stehend mit der Hand beziehungsweise mit dem Mund.

Kritisch äußerte sich der Pfarrer, der kürzlich noch in Rom weilte, gegenüber den Medien. Im vergangenen Jahr war er durch das Interview von David Berger, Theologe und Koordinator von „Stoppt kreuz.net“, ins Kreuzfeier geraten. Inzwischen hat er Berger wegen Verleumdung angezeigt. „Vieles wird medial hochgekocht und zum Politikum gemacht, wie etwa die Sache mit der Pille danach. Aber keiner fragt zum Beispiel, warum die Kirchen nicht mehr voll werden.“

Am Ende war klar: Rodheudts „Heimspiel“ war ein voller Erfolg und sollte in regelmäßigen Abständen als offene Fragestunde gerne wiederholt werden.

Das wegen Krankheit ausgefallene Montagsgespräch mit der Schriftstellerin und Journalistin Barbara Wenz aus dem italienischen Loreto über Hildegard von Bingen wird im nächsten Jahr nachgeholt.

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