Personalnot: Berufsfeuerwehr steht auf dem Schlauch

Von: Karl Stüber
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Feuerwehrleute riskieren für uns ihr Leben und leisten dabei zig Überstunden: Nun ist im Falle der Stadt Würselen offensichtlich geworden, dass ein paar Stellen mehr nicht reichen, um den Personalbedarf zu decken. Foto: stock&people

Würselen. Der hauptamtlichen Feuerwehr in Würselen brennt es auf den Nägeln – und auch dem Dienstherrn, der Stadt Würselen, müsste es unangenehm heiß unter der Sitzfläche werden. Es geht um die Gewährleistung des Schutzes und der Hilfe für die Bevölkerung.

Es sind Tausende Überstunden bei den hauptamtlichen Kräften angefallen – und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Stadtrat hat zwar angesichts der angespannten Personalsituation bei der Berufsfeuerwehr beschlossen, zwei weitere Feuerwehrleute einzustellen. Damit würde die Zahl der fest angestellten Feuerbekämpfer und Retter von 33 auf 35 steigen. Als Begründung heißt es seitens der Stadt Würselen: „Die Ausweitung dient der ausreichenden Besetzung der Funktionsstellen sowie zur Vermeidung von weiteren Überstunden.“ Aber angesichts der angefallenen Überstunden wird schnell klar, dass dies nicht ausreicht.

Allein im Jahre 2014 wurden im Bereich der Berufsfeuerwehr 11.176 Überstunden geleistet. In diesem Jahr kamen von Januar bis Juli weitere 4008 Stunden hinzu. Da spielte der Personalrat nicht mehr mit, wie Erster Beigeordneter Werner Birmanns auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. Weitere Überstunden durften nicht mehr vom Dienstherrn Stadt Würselen angeordnet werden. Ansonsten hätte es juristische Konsequenzen gegeben.

Um aus dieser aktuellen Notlage möglichst schnell herauszukommen, wurden besagte zwei Stellen ausgeschrieben. Aber mit diesen zwei neuen Leuten kann die Wehr die pro Jahr anfallende Mehrarbeit lediglich um etwa 3876 Stunden reduzieren, hat die Verwaltung selbst ausgerechnet. Mit Blick auf die schon im Jahre 2014 angefallenen Überstunden müsste die Stadt rein rechnerisch vier weitere Feuerwehrleute einstellen, um Ausgleich zu schaffen.

Birmanns räumt auf Nachfrage ein, dass diese zwei neuen Stellen vorrangig dazu dienen, die nach europäischem Recht vorgegebene Dienstzeitregelung (48 Stunden pro Woche) einzuhalten – und bei Bedarf wieder neue Überstunden überhaupt anordnen zu dürfen. Der Erste Beigeordnete verweist auf die Gefahr, dass die Hauptwache ansonsten auf Dauer chronisch unterbesetzt sei.

Ob die beiden neuen Stellen überhaupt adäquat besetzt werden können, ist noch offen. Die Besoldung nach A 7 gilt als wenig attraktiv. Weitere Perspektiven, also Aufstiegschancen stehen angesichts der klammen Stadt Würselen in den Sternen. Vorbehaltlich der noch ausstehenden Bewerbungsgespräche und der genaueren Prüfung der Qualifikation ist dagegen Stadtsprecher Bernd Schaffrath, der in der Verwaltung auch für das Personalwesen zuständig ist, durchaus optimistisch, zwei geeignete Kandidaten herausfiltern zu können. Nach erfolgter Ausschreibung seien bereits einige Bewerbungen eingegangen.

Außerdem wurde die Zahl der Auszubildenden bei der Berufsfeuerwehr trotz des Status einer Ausgleichsstockkommune und der entsprechenden angespannten Finanzlage Anfang des Jahres von einem auf drei angehoben, wie Schaffrath sagt.

Generell werde es für den Bereich der freiwilligen Feuerwehr immer schwieriger, genügend Ehrenamtler zu finden. Dies ist wohl auf Dauer nur aufzufangen, wenn die Zahl der Hauptamtlichen aufgestockt werden würde – wenn da nicht das Problem Finanzen wäre, so Schaffrath. Da aber die Suche nach qualifiziertem Feuerwehrpersonal kein Würselener Problem ist, zeigt sich der Personalchef zuversichtlich, dass die Auszubildenden anderweitig unterkommen würden, sollte die Stadt Würselen sie später nicht anstellen können.

Die Stadt Würselen sollte die jungen Nachwuchskräfte nach erfolgreicher Ausbildung aber besser nicht ziehen lassen. Denn die Gründe für die hohe Zahl der angefallenen Überstunden sind laut Stadt Würselen in Krankheitsausfällen, befristeten Zurruhesetzungen und Änderung der gesetzlich vorgeschriebenen Dienstzeitenregelung zu sehen.

Mittlerweile ist der Kreisbrandmeister wegen eines „Brandbriefes“ der Würselener Berufsfeuerwehr auf die Lage aufmerksam geworden und hat die Kommune zu einer Stellungnahme aufgefordert – die Frist ist am 21. September verstrichen, wie zu hören war. Eine Antwort soll die Stadt nun verspätet gegeben haben.

Zwar verfügt die Stadt Würselen noch über einen gültigen Brandschutzbedarfsplan, der muss aber in nächster Zeit fortgeschrieben, also aktualisiert werden. Allein schon, um den Nachweis zu liefern, dass gesetzlich vorgegebene Aufgaben und vorgegebene Alarmierungszeiten und Personalstärken eingehalten werden. Da müsste klar werden, wie es um die Sicherheit der Bevölkerung tatsächlich bestellt ist und wo nachgebessert werden muss.

Auch die Einsatzfahrzeuge sind in die Jahre gekommen. Zwei müssen in nächster Zeit ersetzt werden. Ein Engpass scheint zumindest nun beseitigt. Laut Erstem Beigeordneten Birmanns wird ein Kommandowagen angeschafft – ein gebrauchter der Berufsfeuerwehr Aachen für 2500 Euro.

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