Würselen - Personalkarussell in der Würselener Verwaltung nimmt Fahrt auf

Personalkarussell in der Würselener Verwaltung nimmt Fahrt auf

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Das Personalkarussell dreht sich – und die Stadtverwaltung Würselen (im Hintergrund) „bittet zum Tanz“ um Stellen.

Würselen. In der Stadtverwaltung Würselen wird das Personalkarussell gedreht – und in Zukunft werden vermehrt Sitzgelegenheiten aus dem Spiel genommen. Dies wird und soll zu weiterem Stellenabbau und Einsparungen führen. Für Verwaltungsspitze, Personalrat und natürlich die Beschäftigten wird das kein leichter Tanz.

Die vom Stadtrat der Verwaltung vorgegebene Formel lautet, dass von den auf Grund normaler Fluktuation (in der Regel Ruhestand) frei werdenden Stellen bis auf weiteres jede zweite nicht neu besetzt wird, wie Bürgermeister Arno Nelles (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung in Erinnerung rief. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Diese muss „legitimiert“ sein, wobei jeder Fall genau unter die Lupe genommen wird, wie Nelles betonte. Zugleich muss natürlich auch jeweils die Frage beantwortet werden, ob ein bis dahin gewohnter Standard bzw. eine Leistung beibehalten oder gesenkt werden soll. Letztlich eine Frage des Ermessens, der Entscheidungskompetenz des Bürgermeisters als Verwaltungschef – aber auch eine politische Sichtweise.

Aufstockung ist die Ausnahme

Möglich sein müssen jedoch auch Aufstockungen bzw. Neueinstellungen bei wichtigen Aufgabenfeldern. So wurden bei der hauptamtlichen Feuerwehr zwei Stellen neu ausgeschrieben – und für das nächste Jahr weitere Posten für Brandmeisteranwärter, also Feuerwehrleute, die ihre Ausbildung bei der Stadt Würselen ergänzen.

Auf den ersten Blick fällt dabei der nun im Stadtrat Würselen vorgelegte Entwurf des Stellenplans 2016 angesichts der Sparvorgaben aus dem Rahmen. Die Zahl der Beamtenstellen steigt gegenüber diesem Jahr von 74,4 auf 77,5, die bei der Verwaltung Beschäftigten von 198,3 auf 274, so dass im nächsten Jahr etwa 351,5 Stellen im Haushalt stehen.

Dies ist jedoch auf die zum Jahreswechsel erfolgende Wiedereingliederung des Eigenbetriebs Kommunale Dienstleistungsbetriebe Würselen (KDW) und seiner Beschäftigten in die städtische Verwaltung zurückzuführen. Die Rückführung der KDW wird vollzogen, um verwaltungstechnische Kosten zu reduzieren, aber auch, um die über Jahre aus dem Ruder gelaufene Buchführung (fehlende Jahresabschlüsse seit 2007 und unzureichende Vermögensübersicht) in den Griff zu bekommen.

Nach Beratungen in Fachausschüssen soll der Stadtrat in seiner Sitzung am 8. Dezember über den Stellenplan entscheiden. Stellungnahmen des Personalrats und der Gleichstellungsbeauftragten werden laut Verwaltung bis dahin noch nachgereicht.

Die ebenfalls nun auf dem Tisch liegende Neuorganisation der Verwaltung zum 1. Januar 2016 findet im Stellenplan noch keine Berücksichtigung, weil da noch nicht alle Vorbereitungen und Beteiligungsverfahren abgeschlossen sind. Bürgermeister Nelles sagte gegenüber unserer Zeitung, ein externer Gutachter habe Überlegungen angestellt, wie die Verwaltung effizienter aufgestellt werden kann. Auch hier wurden die Mitbestimmungsorgane des Hauses frühzeitig einbezogen. „Die Verwaltungsabläufe wurden auf Redundanz (Überflüssiges, mehrfach Besetztes, d. Red.) überprüft und Prozesse optimiert“, sagte Nelles. „Sinnvolle Budgetierung und möglichst wenig übergreifende Arbeite sind Aspekte bei der Neuorganisation, damit die Leute sich nicht aufreiben“, sagte der Verwaltungschef (siehe Info).

Klar ist aber auch, dass die nun vorliegende Neuorganisation die Basis für weitere Personalreduzierung sein soll. Nelles legt dabei großen Wert auf das Prinzip des „betreuenden Vorstands“. Gemeint ist damit, dass der Verwaltungsvorstand, also auch der Erste Beigeordnete Werner Birmanns und der Technische Beigeordnete Till von Hoegen in ihren Bereichen den Hut aufhaben – und die Verantwortung für die Umsetzung und den Erfolg der Neuorganisation tragen. Denn nun beginnt erst die eigentliche Kärrnerarbeit. Der Karren will gezogen sein, um im Detail die Aufgaben der einzelnen Bereiche, ja Mitarbeiter weiter zu analysieren.

„Das haben wir eigentlich schon vor einiger Zeit begonnen, das ist aber noch nicht abgeschlossen“, sagte der Bürgermeister. Grund für die Verzögerung waren andere vorrangige Arbeiten, wie das Erstellen der Jahresabschlüsse als Grundlage für weitere genehmigungsfähige Haushalte der Kommune, sagte er. „Rückschläge“ bei der Bewältigung der Aufgaben gab es auch durch die vorzeitige Rente mit 63. Einige erfahrene Kollegen sind bereits weg, andere werden folgen, bedauert Nelles.

Mit Blick auf die Altersstruktur der Verwaltung werden noch mehr Kollegen gehen. Zahlenmäßig wird im Jahre 2019 der Höhepunkt erreicht. Deshalb wird versucht, das wertvolle Wissen älterer Verwaltungsmitarbeiter vor deren Ausscheiden aus dem Dienst zu dokumentieren und nachrückenden Kollegen zur Verfügung zu stellen, sagte Nelles. Im Rahmen des Projekts „Wissensmanagement“ in Kooperation mit Prof. Dr. Ulrich Deller von der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen, wird entsprechendes Know-how dokumentiert.

Problem dabei ist, dass dies zumeist nur „sehr zurückhaltend“ praktiziert wird, wie aus Reihen der Verwaltung zu erfahren war. Und: Die Praxis, eine frei werdende Stelle erst einmal ein Jahr unbesetzt zu lassen, erschwere logischer Weise das Einarbeiten eines Nachfolgers ...

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