Per Mausklick zum Arzt des Vertrauens

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Bildnummer: 56705452 Datum: 01.01.2011 Copyright: imago/INSADCO Ein Stethoskop und eine Tastatur eines Computers kbdig 2011 quer Arzt Arztpraxis Arzttermin Computer Computerindustrie Daten Datenverarbeitung Doktor EDV Elektronik Elektronische Datenverarbeitung Gesundheit Gesundheitswesen Internet Kommunikation Krankenkasse Medizin Mediziner Medizinische Versorgung Ordination PC PCs Patientendaten Rechner Stethoskop Untersuchung WWW Wellness Wirtschaft Wohlbefinden World Wide Web elektronisch gesund Ärztin 56705452 Date 01 01 2011 Copyright Imago INSADCO a Stethoscope and a Keyboard a Computers Kbdig 2011 horizontal Doctor Medical practice Doctor appointment Computer Computer industry Data Data processing Doctor EDP Electronics electronic Data processing Health Health care Internet Communication Health insurance Medicine Physician medical Supply Ordination PC PCs Patient data Calculator Stethoscope Investigation www Wellness Economy Welfare World Wide Web electronically healthy Doctor

Nordkreis. Der Sinn von Bewertungsportalen erschließt sich leicht. Nutzer einer Dienstleistung oder Käufer eines Produktes können auf speziell dafür geschaffenen Seiten im Internet Dinge bewerten. Interessenten sollen sich durch diese privaten Tests und Eindrücke schnell und ohne verklärte Werbebotschaften eines Verkäufers informieren können.

Was, oder besser gesagt wer, hinter den Bewertungen steckt, das bleibt dem Leser allerdings oft verborgen. Dass sich Anbieter anonym selbst über den Klee loben oder einem Konkurrenten totales Versagen attestieren, ist demnach möglich.

Während es bei einer Kaffeemaschine höchstens ärgerlich wegen der fehlinvestierten Euros ist, wenn diese sich nach dem Kauf nun doch als schlechter herausstellt als von den Erfahrungen anderer Besitzer beschrieben, so können die Konsequenzen deutlich unangenehmer sein, wenn es um den Arzt des Vertrauens geht. Bewertungsportale für Mediziner aller Fachrichtungen gibt es viele im Netz – nach einer Schätzung von Dr. Heiko Schmitz, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, derzeit rund 20. Es lassen sich auch etliche Bewertungen zu Ärzten aus dem Nordkreis darin finden. Die meisten von ihnen werden von den Patienten empfohlen. Ärzte mit schlechten Bewertungen finden sich jedoch ebenso.

Positiv in der Grundstimmung steht den Bewertungsportalen Dr. Leonard Hansen, praktischer Arzt aus Alsdorf, gegenüber. „Es kommt häufiger vor, dass mir Patienten unverblümt sagen: ‚Ich hab im Internet geschaut und Sie scheinen kompetent zu sein‘.“ Dementsprechend: „Inzwischen sehe ich für Mediziner in Bewertungsportalen eine Chance, Patienten zu gewinnen. Voraussetzung ist aber eine ausreichende Anzahl an Bewertungen.“

Und die, sagt Hansen, gebe es seiner Erfahrung nach bislang kaum. Lediglich bei den Portalen der großen Krankenkassen sieht er diese Bedingung erfüllt. Kritisch blickt der Allgemeinmediziner auf die Bewertungsmodalitäten einiger Seiten: „Die Portale, auf denen nicht mindestens zehn Bewertungen pro Arzt systematisch und strukturiert erfasst werden, sind im Regelfall wenig aussagekräftig. Eine einzelne Bewertung hilft dem Patienten auf Arztsuche nicht weiter.“ Dennoch hätten sich die anfänglichen Befürchtungen der Kollegen, nur „Nörgler und Querulanten“ kämen auf die Seiten, um ihrem Unmut über schlechte Behandlungsergebnisse Luft zu machen, nicht bestätigt.

Ein Horn, in das auch Dr. Schmitz stößt: „Die Bewertungen sind mit Vorsicht zu genießen, können aber Anhaltspunkt zur Atmosphäre in einer Praxis sein, oder dafür, wie viel Zeit der Arzt sich für Patienten nimmt.“ Mit Blick auf die Mediziner selbst meint er: „Ärzte müssen vor diesen Portalen keine Angst haben, sollten sie nicht verteufeln, sondern sie als Chance begreifen. Zumindest aber sollten sie verfolgen, was online über sie verbreitet wird.“ Dass Beurteilungen erst veröffentlicht werden, wenn eine Mindestanzahl realer Bewertungen vorliegt, hält er für ein eindeutiges Qualitätsmerkmal.

Als immer mehr Bewertungsportale für Mediziner im Netz auftauchten, haben sich Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer gemeinsamen Einrichtung, dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), mit dieser Erscheinung auseinandergesetzt.

Im Jahr 2011/2012 hat das ÄZQ zwölf marktrelevante Bewertungsportale in einem so genannten Clearingverfahren untersucht. Anhand eines mit Experten ausgearbeiteten Anforderungskataloges, in dem in 42 Punkten festgehalten ist, was vertrauenswürdige, seriöse Portale leisten sollen, wurde die Qualität der Portale festgestellt. Die Untersuchungsergebnisse von drei Portalen sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich, weil diese ihr Einverständnis nicht gegeben haben. Auf fünf der neun übrigen Portale können Bewertungen abgegeben werden, ohne sich vorher registrieren zu müssen. Bei acht gibt es keine Mindestbewertungsanzahl, bevor der Arzt eine Note erhält. Sechs Portale gaben an, nicht gegen Missbrauch vorzugehen. Auf fünf Portalen besteht kein Schutz gegen Täuschungsmanöver.

Das Portal jameda.de gehört nicht dazu. Elke Ruppert, Leiterin der Unternehmenskommunikation: „Alle Bewertungen werden vor Veröffentlichung durch einen selbstlernenden und automatisierten Prüfalgorithmus analysiert. Wann immer das System Unregelmäßigkeiten identifiziert, wird die Bewertung durch ein erfahrenes Team nochmals geprüft. Dieses Zusammenspiel aus automatischer Prüfung und menschlicher Kon-trolle ist nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand die wirksamste Methode, um Manipulationen zu unterbinden.“ Im Zweifel, sagt Ruppert, fordere das Unternehmen sogar einen Beleg vom Bewerter, dass er bei dem Arzt in Behandlung war.

Aus der Finanzierung des Service macht das Unternehmen kein Geheimnis. „Ärzte haben auf jameda die Möglichkeit, sich und ihre Praxis mit ausführlichen Texten und Bildern vorzustellen. Dadurch verbessern sie ihre Sichtbarkeit in Google und auf jameda und gewinnen so neue Patienten über das Internet. Über diese kostenpflichtigen Premium-Einträge finanziert sich jameda.“

Portale wachsen weiter

Dr. Hansen aus Alsdorf betrachtet diese Kommerzialisierung des Angebots differenziert. Er selbst würde sich für Geld niemals listen lassen, weiß jedoch, dass der Wettbewerb auf dem Land ein anderer ist, als in der Stadt. Dort könne es sinnvoll sein, durch zusätzliche Maßnahmen auf die eigene Praxis aufmerksam zu machen.

Und die Zukunft der Arztbewertungsportale? Dr. Schmitz sagt, es sei zu erwarten, dass die Bedeutung wachse. Irgendwann werde es zu Ermüdungserscheinungen und schließlich zu einem Bereinigungsprozess kommen, an dessen Ende wenige Portale überleben werden. Zumindest für das Wachstum sprechen die Zahlen. Nach eigenen Angaben konnte jameda im vergangenen Jahr einen Nutzerzuwachs von 58 Prozent verzeichnen. Derzeit suchten nach einer eigens durchgeführten Studie 70 Prozent der Patienten online nach einem Arzt.

<i><b>Was macht ein Bewertungsportal seriös?</b>

Im Anforderungskatalog für das Clearing-Verfahren hat das ÄZQ zusammen mit Experten 42 Kriterien festgelegt, die ein Bewertungsportal erfüllen sollte, um als seriös und vertrauenswürdig zu gelten.

Keines der getesteten Portale erfüllt alle Kriterien. Vier Portale konnten den Anforderungen zu über 80 Prozent und drei zu über 70 genügen. Zwei lagen zwischen 60 und 70 Prozent.

Die Kriterien selbst reichen von Angaben zur Finanzierung der Portale, über die Barrierefreiheit der Internetseite bis hin zur Feststellung, ob Inhalt und Werbung erkennbar getrennt werden.

Als Indizien für die Qualität eines Portals gelten beispielsweise die Pflicht, sich vor der Bewertung registrieren zu müssen, oder, dass Noten erst ab einer Mindestanzahl von Bewertungen veröffentlicht werden.</i>

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