Nordkreis - Per Druck auf roten Knopf Hilfe holen: Selbstständigkeit bewahren

Per Druck auf roten Knopf Hilfe holen: Selbstständigkeit bewahren

Von: Sabine Juchem
Letzte Aktualisierung:
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Dank Hausnotruf-Armband mit rotem Druckknopf können Kinder beruhigt in die Obhut der Großeltern gegeben werden: Angehörige wissen, dass im Notfall schnell medizinische Hilfe da ist. Fotos: www.initiative-hausnotruf.de, stock/chromorange, stock/Rudel, Johanniter-Unfall-Hilfe/dpa/tmn
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97 Prozent der Hausärzte in Deutschland sind überzeugt, dass der Hausnotruf ein sinnvolles Hilfsmittel ist, besonders für ältere Menschen. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der Johanniter-Unfall-Hilfe ergeben.
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Die Verbraucherzentrale rät, bei einem Hausnotrufvertrag die Kündigungsklauseln genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Experten raten zu einem Vertrag ohne Mindestlaufzeit. Kündigen können sollte man mit einer Frist von zwei Wochen zum Monatsende.
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Ein Hausnotrufsystem ist ein anerkanntes Pflegehilfsmittel, deshalb besteht die Möglichkeit einer Kostenbeteiligung durch die Pflegekasse. Voraussetzung ist die Einstufung in eine der gesetzlichen Pflegestufen. Der Zuschuss der Kasse beträgt in der Regel 18,36 Euro.

Nordkreis. Immer mehr Menschen leben allein. Vor allem im Alter kann dies zum Problem werden, wenn sich Einschränkungen einstellen, das Gleichgewichtssystem nicht mehr mitspielt, Krankheit oder Behinderung dazu kommen. Dann kann ein einfacher Sturz lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Hier setzt das Hausnotruf-System an.

„Das Sicherheitsgefühl ist wichtig, sich nicht ständig Gedanken machen zu müssen, was passiert, wenn ich hinfalle“, sagt Dirk Winkelmann, vom DRK-Kreisverband Aachen. „Auf der Straße wird man gesehen, wenn man hinfällt, und es kann sofort geholfen werden. In der eigenen Wohnung ist das nicht immer so, wenn zum Beispiel keine Verwandten in der Nähe wohnen.“

Häufig werde der Hausnotruf bei häuslichen Unfällen in Anspruch genommen, dem Sturz über eine Teppichfalte oder wenn jemand in der Badewanne sitzt und aus eigener Kraft nicht herauskomme. Gravierende Notfälle wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall kämen hingegen seltener vor.

Das Hausnotrufsystem besteht im Wesentlichen aus zwei Geräten: Die Basisstation wird an die Telefonbuchse angeschlossen, und der Teilnehmer erhält einen robusten, wasserdichten Funksender, auch Funkfinger oder Handsender genannt, der als Armband oder Kette getragen werden kann.

Rund um die Uhr

Gerät der Nutzer in eine Situation, in der er sich nicht mehr helfen kann, bedarf es nur eines Drucks auf den roten Knopf und eine Verbindung zur Hausnotrufzentrale des Anbieters wird hergestellt. Die Zentralen sind an 365 Tagen rund um die Uhr besetzt.

Geht ein Notruf ein, werden den Zentralisten sofort alle hinterlegten Daten des Teilnehmers angezeigt. Das sind nicht nur Name und Adresse, sondern auch Krankheiten und die Bezugspersonen, die informiert werden sollen, um zu helfen. Sofort nimmt der Mitarbeiter über die Funk-Sprech-Verbindung Kontakt mit dem Kunden auf, um zu klären, was los ist. Schätzt er die Lage so ein, dass sofortige medizinische Hilfe nötig ist, wird der Rettungsdienst angefordert.

Ansonsten greift der Alarmierungsplan, je nachdem welche Optionen gebucht wurden. So ist es möglich sich ausschließlich über Vertrauenspersonen abzusichern, wie Familie und Freunde, bei denen ein Wohnungsschlüssel hinterlegt ist und die von der Notrufzentrale benachrichtigt werden. Sind diese Bezugspersonen nicht zu erreichen, dringende Hilfe aber nötig, wird die Feuerwehr gerufen.

„Die bricht dann auch die Tür auf, wenn es sein muss“, versichert Dieter Scheins, Ansprechpartner für den Hausnotruf beim Caritasverband Aachen. „Natürlich kommt auch oft vor, dass der Notruf versehentlich oder unbemerkt ausgelöst wird und die Kunden nicht mitbekommen, dass die Zentrale versucht, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Die Situation muss stets gut eingeschätzt werden.“

Scheins empfiehlt daher eine Kombination aus der Benachrichtigung von Vertrauenspersonen und der Schlüsselhinterlegung beim Hausnotrufanbieter. Dabei wird immer zuerst versucht die angegebenen Personen zu erreichen. Ist das nicht möglich, fährt der Bereitschaftsdienst raus.

Auf jeden Fall sollte man die Angebote der verschiedenen Dienste vergleichen und sich beraten lassen, um das passende „Paket“ für sich zu finden. Neben dem Hausnotruf werden Geräte wie Falldetektoren, Bewegungsmelder und Rauchmelder angeboten oder die Funktion einer Tagestaste, die einmal am Tag bedient wird, um zu sagen „Mir geht es gut“. Wird diese nicht gedrückt, versucht die Zentrale, Kontakt aufzunehmen und die Situation zu klären.

Der DRK-Kreisverband Aachen gibt an, alleine in der Städteregion Aachen rund 1200 Hausnotrufsysteme zu betreuen. Vor allem ältere Menschen seien oft skeptisch, sagt Dirk Winkelmann. „Viele stellen sich einen riesigen Aufwand vor, dass zum Beispiel große Löcher in die Wand gebohrt werden müssten. Bei einem Beratungsgespräch aber können meist alle Hemmnisse aus dem Weg geräumt werden, wenn ein Mitarbeiter das Gerät erklärt und vorführt.“

„Jetzt muss etwas passieren“

Aber dennoch fällt die Entscheidung für solche Hilfsmittel nicht immer leicht. Viele stellen sich die Frage: „Ist es schon so schlimm, dass ich das jetzt benötige?“ Wer sich stets selbst helfen konnte, hat es mitunter schwer, sich die Notwendigkeit einzugestehen.

Das kann man aber auch ganz anders sehen, wie Dirk Winkelmann weiß: „Es gibt auch das Gegenteil, dass jemand klar angibt: ‚So, ich bin jetzt 75, jetzt ist es Zeit für einen Hausnotruf‘.“ Denn dieser garantiert weiterhin weitestgehende Selbstständigkeit. Oft seien es jedoch Verwandte, die die Initiative ergreifen. Begründungen wie „Meine Mutter ist dreimal hingefallen, jetzt muss was passieren“, seien typisch.

Natürlich ist der Hausnotruf nicht ausschließlich für Senioren gedacht, sondern auch für behinderte und kranke Menschen, etwa Parkinson-Patienten, bei denen die Fallneigung hoch ist. „Eben für alle, denen plötzlich etwas passieren kann“, fasst Dieter Scheins zusammen.

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