Herzogenrath - Pastoralreferent Mijo „Winnetou“ Repar wird Ehrenamtler

Pastoralreferent Mijo „Winnetou“ Repar wird Ehrenamtler

Von: Bernd Schaffrath
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Mijo Repar geht in Rente - als Ehrenamtler wird er Kohlscheid aber erhalten bleiben.

Herzogenrath. Kinder nannten ihn oft „die Liebe Gottes“, „der Mann von der Kirche“ oder auch „Gott auf dem Fahrrad“. Die Pfarrjugendlichen tauften ihn vor 35 Jahren einfach nur „Winnetou“. Aber bekannt in der gesamten katholischen Kirchengemeinde Christus unser Friede und weit darüber hinaus ist er als Mijo Repar.

Nach 35 Dienstjahren hat der beliebte Pastoralreferent am 31. Juni seinen letzten Diensttag – als „Hauptamtler“, wie er bekundet, da er ins Ehrenamt wechselt. Dass Mijo Repar 1980 „Winnetou“ wurde, lag an seinen langen Haaren, seiner Ähnlichkeit mit Pierre Brice und seiner kroatischen Heimat, in der die Winnetou-Filme gedreht wurden.

Als er kam, wurde er gefragt, wie lange er denn bleiben wolle. Er hatte vor, lange zu bleiben. Gelungen ist es ihm. Zwischenzeitlich ist Kohlscheid längst seine Heimat geworden. Er baute ein Haus für sich und seine Familie, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und ist längst „angekommen“, obwohl er auch immer wieder gerne in seine kroatische Heimat fährt.

Doch bevor er in Kohlscheid ankam, war es ein langer Weg für Mijo Repar. Am 26. Februar 1950 wurde er im früheren Jugoslawien geboren, wuchs in dem Ort Sveta Jana, auf Deutsch „Heilige Anna“, nahe Zagreb auf. Er wuchs mit einem fünf Jahre jüngeren Bruder im Elternhaus auf. Sein Vater, Landwirt und Müller, und seine Mutter, die sich um Haushalt, Mühle „und alles andere“ kümmerte, hatten ein offenes Haus.

Darauf begründet liegt wohl das Interesse von Mijo Repar an den Menschen. Er bekam viele Gespräche, Kontakte mit. Nach der achtjährigen Grund- und Schulzeit wechselte er auf ein kirchliches Gymnasium. Sein Wunsch, Priester zu werden war früh gewachsen. Die Gegend, der Erzbischof von Zagreb, das Elternhaus und das Staatssystem, dem er sich nicht beugen wollte, prägten ihn.

Nach dem Abitur musste er einen 17-monatigen Pflichtwehrdienst ableisten. Auch dort vertrat er immer seinen Standpunkt. Seine guten Sprachkenntnisse, er beherrscht neben seiner Muttersprache auch Griechisch, Französisch, Deutsch und Latein, wollte man beim Militär ausnutzen. Doch Mijo Repar blieb dem Wunsch, Priester zu werden, treu. So begann er, in Zagreb Theologie zu studieren. In den Semesterferien arbeitete er als studentischer Praktikant in Gelsenkirchen und setzte 1974 sein Studium auf privater Basis in Bochum fort, wo er 1975 seine Frau Rosa kennenlernte.

Auch sie stammt aus Kroatien, 200 Kilometer von Repars Heimat entfernt. Doch das Schicksal sollte sie erst in Deutschland zusammenbringen. Rosa Repar, ebenfalls eng mit der Kirche verwachsen, sie war Novizin und wollte einmal Nonne werden, lernte in Essen Krankenpflege. 1975 heirateten die beiden. Das war das „Aus“ für Mijo als Priester. Gemeinsam haben sie zwei Kinder; 1976 wurde Sohn Robert und 1981 Tochter Annette geboren. Er beendete 1976 sein Theologiestudium mit Diplom, lernte bereits 1974 das neu geschaffene Berufsbild des Pastoralreferenten kennen und knüpfte Kontakte ins Aachener Bistum.

Als Diplom-Theologe wurde er am 1. September 1977 zum Pastoralassistenten berufen und wirkte drei Jahre praxisbezogen in der Aachener Pfarre St. Josef. 1980 wurde er von Bischof Klaus Hemmerle zum ersten Pastoralreferenten der Kohlscheider Pfarre St. Katharina bestellt. Mit 50 Prozent seines Aufgabenumfanges wurde er in den Dienst der Jugendarbeit der Pfarre und weiteren 50 Prozent des damaligen Dekanats gestellt.

Längst sind seine Aufgaben umfangreicher: Von der Taufe bis zur Beerdigung im theologischen Sinne und als „Mann für alle Fälle“ ist Mijo Repar „Allrounder“ in der Gemeinde.

Seit diesen 35 Jahren hat sich viel verändert in der Gemeinde, in der Kirche, der Mijo stets mehr als treu geblieben ist. Er arbeitete mit Pfarrer Josef Unterberger und vielen wechselnden Kaplänen zusammen, bis zu dem Zeitpunkt, als Unterberger schwer krank wurde und kein weiterer „Hauptamtler“ mehr in Kohlscheid war. Fünf Jahre musste Mijo Repar durchhalten, bevor das Bistum Aachen neue Geistliche bestellte. In dieser Zeit arbeitete er oft Tag und Nacht. Die Zeit hat Spuren, Narben hinterlassen.

Verantwortung übernehmen

Im Juni-Pfarrbrief verabschiedet sich Mijo Repar als Hauptamtler von der Gemeinde. Und kündigt an: „Ich arbeite überall dort mit, wo man mich haben möchte“, will sich der 65-Jährige weiterhin in seiner Gemeinde, seiner Heimat engagieren. Denn dies ist auch sein Wunsch für die Pfarre: „Verantwortung dort zu übernehmen, wo man ist; sich engagieren und mitmachen“, nur so könne Kirche lebendig bleiben. Im Pfarrbrief grüßt er nicht nur mit „Schalom“, „Auf Wiedersehen“ und „Dovidjenja“, sondern auch „Howgh – Winnetou hat gesprochen“.

Die Gemeinde verabschiedet sich von Mijo Repar am Samstag, 20. Juni, 17 Uhr, mit einer Wortgottesfeier und anschließendem Fest auf dem Kindergartengelände hinter der Pfarrkirche St. Katharina, Markt, zu dem jeder eingeladen ist.

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