Optimistisch bis aufgeladen: Stimmung bei Kronenbrot

Von: Beatrix Oprée
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Täglich frisch: Ein Lieferwagen fährt durch die Waschanlage hindurch auf Firmengelände. Foto: Beatrix Oprée

Würselen. „Jetzt werden wir auch schon fotografiert“, ruft der Mann mit der schwarzen Umhängetasche breit grinsend, der an der Fronhofstraße gerade durch die Pforte dem Feierabend entgegen läuft. „Klar“, bekommt er genauso lachend zur Antwort. „Sie wollten doch immer schon mal in die Zeitung!“ Nein, aufs Foto will und soll niemand, Namen nennen auch nicht, völlig verständlich.

Die Stimmung in der Belegschaft ist offensichtlich differenziert, reicht von optimistisch entspannt bis spannungsreich aufgeladen. „Wir regeln das unter uns!“, blockt ein Mann um die 40 sofort ab. „Wir sagen deswegen auch nichts!“, schiebt er nach, schwingt sich schließlich aufs Rad und rollt von dannen.

Andere haben durchaus Gesprächsbedarf. „Mal sehen, was wird“, stellt ein Mann in roter Jacke, Anfang 50, schulterzuckend fest. „Stand ja schon alles in der Zeitung“, ergänzt er. „Und das haben sie uns heute dann noch mal ganz offiziell erzählt.“ Bei der Mitarbeiterversammlung, die um 14 Uhr anberaumt war. Groß sei die Beteiligung gewesen. Vor allem seien die neuen Manager vorgestellt worden. „Mehr eigentlich noch nicht“, sagt der Mann und quert die Straße auf dem Weg zum Parkplatz.

„Wer hätte gedacht, dass es hier einmal so weit kommt“, ruft sein Kollege herüber. In weißem T-Shirt und weißer Hose klettert er in seinen schmucken Kleinwagen. „Kommen Sie“, sagt er. „Hier drin quatscht es sich gemütlicher!“ Wie lang er dabei ist? Vier Finger hält er hoch. „Jahrzehnte“, erläutert er. Ja, „ausgezeichnet“ sei sein Betrieb tatsächlich, bestätigt er.

Und das gelte bei weitem nicht nur für die Backwaren. „Die sind hier sehr sozial eingestellt. Das wird hier wirklich gelebt“, rechnet er seinen Arbeitgebern auch hoch an, dass in all den Jahrzehnten der Lohn immer pünktlich gezahlt worden sei. „Das ist bei weitem nicht üblich“, verweist er auf Erfahrungen von Kollegen aus anderen Branchen. „Auch Firmenjubiläen werden immer gefeiert, schon ab dem Zehnjährigen“, beginnt er zu sinnieren, wo denn die Zeit geblieben sei.

Immer war viel zu tun, sogar so viel, dass man in früheren Jahrzehnten so viel arbeiten konnte, wie man wollte. „230 Stunden im Monat waren keine Seltenheit. Gutes Geld haben wir da verdient.“ Die Gewerkschaften hätten das schließlich eingeschränkt, aus Arbeitsschutzgründen und um Arbeitsplätze zu schaffen. „Schließlich kann man aus vielen Überstunden ja auch einen neuen Job für andere machen“, sieht das der Kronenbrot-Jubilar, selbst NGG-Mitglied, durchaus ein. „Nur bei der Rente, da merkt man das später dann schon ...“

„Nein“, so erläutert er dann: Mit einem etwaigen Mangel an Aufträgen habe die momentane Schieflage des größten Backwaren-Herstellers im ganzen Land nichts zu tun. Die Öfen müssten vielmehr rund um die Uhr brennen, nur samstags würden sie heruntergefahren. Für den rund 50-köpfigen Reinigungstrupp, der – über die täglichen Reinigungsarbeiten hinaus – alles besonders gründlich saubermacht. Abends werde dann schon wieder eingeheizt, „dann sind die Öfen aber noch lange nicht kalt geworden“.

So sei die Produktion auch während der gestrigen Mitarbeiterversammlung keineswegs unterbrochen worden, wovon übrigens auch ein verführerischer süßlicher Duft zeugte, der sich über der Neusener Straße ausbreitete: „Alle Schichtleiter und wer eben schon vorab informiert worden war, ist abgestellt worden, um weiter zu backen.“ Daran sehe man doch, so sagt der erfahrene Angestellte, dass die Auftragsbücher immer noch randvoll seien. Vielmehr der Preisdruck durch Discounter und der Preiskampf unter den Supermärkten generell sei es, der zu den Schwierigkeiten geführt habe, ist er überzeugt. Gekoppelt an die „explodierenden Mehlpreise und Rohstoffkosten“.

Alles in allem sei er „schon hoffnungsfroh“, sagt er. Und das gelte wohl auch für das Gros der Kollegen. Ziemlich schnell sei die Versammlung über die Bühne gegangen.

Fragen aus der Belegschaft seien dabei wohl nicht vorgesehen gewesen. „Da wurde einfach nicht drauf eingegangen und stattdessen auf den Betriebsrat verwiesen und die Hotline, die der einrichten möchte. Klar, auch über Geld sei geredet worden. Drei Monate lang springe nun eben die Arbeitsagentur bei den Löhnen und Gehältern ein. Ob und wie viel Urlaubsgeld es gebe, stehe offenbar noch nicht fest, von drei Zwölfteln sei die Rede gewesen. Immerhin ...

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