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Opfer des Nazi-Regimes Name und Ehre wiedergeben

Von: jope
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Alsdorf. Die Veranstaltungen rund um die Reichspogromnacht haben gezeigt: Nicht alle Deutschen waren Helden.

Und umgekehrt: Nicht alle Deutschen waren Nazis. So lebte im Alsdorfer Stadtteil Schaufenberg ein Mann, den nur wenige kannten, der aber sein Leben als Widerstandskämpfer lassen musste: Johann Hubert Klinkenberg (1894-1942).

Pfarrer Christian Kittel setzt sich mit einigen Mitstreitern dafür ein, dass dem im Lager Flossenbürg Gestorbenen ein ehrendes Andenken bewahrt wird. „Ich könnte mir vorstellen, dass an unserem Denkmal für die Opfer der beiden Weltkriege der Name von Klinkenberg eingraviert wird. Etwas Platz dafür wäre dafür vorhanden”, so Kittel.

Der Schaufenberger Schlosser Johann Hubert Klinkenberg arbeitete nach seiner Ausbildung an der staatlichen Maschinenbauschule in Köln in verschiedenen Betrieben, zuletzt in der Hauptverwaltung des EBV in Kohlscheid. Er war zweifacher Familienvater: Sohn Karl-Heinz ist schon 1970 gestorben, die 1929 geborene Tochter Hildegard lebt in Herzogenrath. Am 28. März 1939 wurde Johann Klinkenberg von einem Alsdorfer Gestapo-Beamten abgeführt - er sollte sein Zuhause nicht wiedersehen.

Tochter Hildegard erinnert sich an folgende markante Begebenheiten mit dem Vater. Als eine neue Glocke für die Schaufenberger Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung geliefert wurde, sei diese in eine Hakenkreuzfahne gehüllt gewesen. Ihr Vater und Pfarrer Josef Schmitt hätten dagegen heftig protestiert, dabei seien sie von besagtem Gestapo-Beamten beobachtet worden. In der Reichspogromnacht sei der Vater zunächst nicht zu Hause gewesen, später aber äußerst erregt zurückgekehrt. Der Vater, so Tochter Hildegard, habe Flugblätter gegen die Politik der Nazis verteilt und englische Rundfunksendungen gehört.

Ein Sondergericht für den Bezirk des Oberlandesgerichtes Köln verurteilte Johann Klinkenberg zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren. Dem als streng religiös bekannten Mann wurde zur Last gelegt, in der Öffentlichkeit und an seiner Arbeitsstelle staatsfeindliche und herabwürdigende Äußerungen über den „Führer” und die Nazi-Politik gemacht zu haben.

Die Untersuchungshaft verbrachte Klinkenberg in Aachen. Von dort wurde er nach Köln ins Gefängnis Klingelpütz verlegt, später nach Berlin-Plötzensee. Lange Zeit erhielt die Familie kein Lebenszeichen von Klinkenberg, ehe ein vom 14. Juni 1942 datierter Brief aus dem Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz eintraf. Dort war Johann Klinkenberg an Bronchitis erkrankt und am 24. Juli 1942 gestorben.

Bisher erinnert in seiner Heimat nichts an den Verstorbenen: Er wurde am 25. Juli 1942 im Krematorium Flossenbürg eingeäschert. Mit einer Gedenktafel würden auch diesem Opfer des Nazi-Regimes Name und Ehre wiedergegeben.

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