Baesweiler - Oidtweiler Stefan Leupers: Von Flensburg bis Oberstdorf mit dem Rad

Oidtweiler Stefan Leupers: Von Flensburg bis Oberstdorf mit dem Rad

Von: Margret Nußbaum
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Julia (links) und Sophie sind stolz auf ihren Papa. Immer wieder muss er ihnen von seiner tollen Deutschland-Tour erzählen. Foto: Margret Nußbaum
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...endete die Reise von Stefan Leupers schließlich and er österreichischem Grenze. Foto: Stefan Leupers
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Nach dem Start in Dänemark... Foto: Stefan Leupers

Baesweiler. Alles begann mit einem Vorsatz: Stefan Leupers, 43 Jahre, wollte das Wunschwort „ich könnte ja mal...“ ein für allemal aus seinem Vokabular streichen. Sein Traum: Deutschland einmal mit dem Rad von Norden nach Süden durchqueren.

Inspiriert wurde der 43-jährige Diplom-Informatiker und Familienvater vor einigen Jahren beim Poetry Slam. „Julia Engelmann sprach darüber, dass es vieles gibt, was man gern verwirklichen würde und es schließlich doch nicht tut“, erzählt Stefan Leupers. Er nahm sich vor, endlich Schluss zu machen mit den traurigen Konjunktiven „hätte, sollte, müsste“ und einfach sein Ding durchzuziehen.

Und schon steckte er mittendrin in der Planung. Auflisten, was man auf einer mehrwöchigen Radtour alles braucht, Erfahrungsberichte anderer studieren, YouTube-Videos anschauen, sich mit Gleichgesinnten austauschen, die dieses Abenteuer bereits bestanden haben. Und dann trainieren und noch mal trainieren. Denn 1488 Kilometer – von Flensburg an der dänischen Grenze bis Oberstdorf an der österreichischen – sind nun mal kein Pappenstiel.

Jeden zweiten Tag strampelte Stefan 45 Minuten auf seinem Heimtrainer, fuhr mehrmals mit dem Fahrrad von seinem Wohnsitz in Oidtweiler nach Aachen-Haaren zu seinem Arbeitsplatz. Ein Kollege brachte ihn schließlich auf die Idee, vom Treckingrad aufs Liege-Dreirad umzusteigen. „Nachdem ich es beim Fahrrad-Händler getestet habe, war ich sofort Feuer und Flamme: einfach draufsetzen, losfahren und wohlfühlen“, erzählt Stefan.

Und dann ging es für drei Wochen auf Radwegen vom Norden bis zum Süden der Republik. Stefan besorgte sich einen Mietwagen und fuhr mitsamt Liege-Dreirad und Gepäck bis Flensburg zur deutsch-dänischen Grenze. Von dort aus ging es mit Hilfe eines Navigationssystems per Rad weiter – auf ausgebauten Wegen, oft genug auch über Feldwege und holperige Strecken.

Übernachtet hat Stefan Leupers auf Campingplätzen und in Jugendherbergen. Manch einer bestaunte sein etwas ungewöhnliches Rad. „Auf dem Weser-Radweg meinte jemand, so ein Gefährt habe er hier noch nie gesehen“, lacht Stefan. Einige Zufallsbekanntschaften traf er hin und wieder auf Campingplätzen wieder. Erfahrungen austauschen, über Gott und die Welt klönen – auch das gehört zu einem solchen Abenteuer dazu.

Seine längste Tagesstrecke – 132 Kilometer von Flensburg bis Itzehoe – absolvierte er gleich am ersten Tag. „Das war sehr anstrengend. Denn zwischendurch gab es weder Campingplatz noch Jugendherberge. Da hatte ich auch einen kleinen Durchhänger“, erzählt der Abenteurer. „Aber schon am nächsten Morgen war meine Stimmung wieder bestens.“

Obwohl ihm das Wetter hold war – zwölf Tage lang Sonnenschein – wurde Stefan Leupers zwischendurch auch mal nass bis auf die Haut. „Ich habe die Wäsche draußen aufgehängt. Aber durch den Weser-Nebel wurde sie dann noch nasser“, erzählt er. Auch Höhenunterschiede stellten eine Herausforderung dar: „Die norddeutsche Ebene ist nicht so flach, wie man denkt“, hat er erfahren müssen.

Eines der Highlights waren die Überquerung der Elbe mit einer Fähre und der Anblick der Porta Westfalica, am Durchbruch der Weser. Hier lernte Stefan eine Norwegerin kennen. „Eine ältere Dame, die von Schweden über Dänemark und Deutschland nach Spanien wollte“, erinnert er sich. „Ein ganzes Jahr hat sie sich dafür Zeit genommen.“ Auch für ihn einmal eine Option? „Nein“, sagt der Familienvater.

„Da ist mir meine Familie daheim in Oidtweiler viel wichtiger. Mit meiner Frau Tina und unseren Töchtern Julia und Sophie habe ich täglich telefoniert oder WhatsApp geschrieben. Und dann haben die drei jeden Abend mit einem roten Klebepunkt auf einer großen Deutschlandkarte meinen jeweiligen Standort fixiert. So waren wir vier uns ganz nahe.“

Für sein großes Vorhaben hat Stefan Leupers übrigens unbezahlten Urlaub genommen. „Ich wollte ja auch noch mit meiner Familie unterwegs sein“, sagt er. „Zum Glück war mein Chef damit einverstanden.“ Zwei Pannen gehören zu seiner Schluss-Bilanz – und viele nette Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen.

Hätte, könnte, sollte: Traurige Konjunktive wird es auch in Zukunft in Stefan Leupers‘ Leben nicht geben. „Deutschland vom West- bis zum Ostzipfel mit dem Liegerad zu befahren wäre schon genial“, sagt er.

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