„Oh Tannenbaum” wird teuer

Von: jan
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Nordkreis. Das Thema Gema verdirbt den Organisatoren der Weihnachtsmärkte im Nordkreis die Stimmung. In Gefahr ist aber keiner der Märkte, weil die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) den Veranstaltern künftig tiefer in die Tasche greift. In Würselen, Herzogenrath, Baesweiler und Alsdorf wird es trotzdem Weihnachtsmärkte geben.

Warum das Thema Gema auf die Laune drückt: Die Verwertungsgesellschaft legt künftig anhand der gesamten Fläche fest, wie hoch die Gebühren ausfallen, die sie verlangt. Grundlage dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs Karlsruhe. Dass auch die Zahl der Besucher keinen Einfluss mehr auf die Gebühren hat, ärgert derzeit alle Veranstalter.

Viele befürchten ein Szenario mit schlechtem Wetter und wenigen Besuchern, aber trotzdem hohen Gebühren. „Da braucht man gar nicht erst zu versuchen, mit der Gema zu reden. Die sind bei diesem Thema stocksteif”, sagt Günter Diederen, der Vorsitzende des Gewerbeverbandes Baesweiler.

Ein Problem sieht Diederen jedoch nicht auf den Weihnachtsmarkt vom 8. bis zum 11. Dezember zukommen. Schließlich habe der Verband schon immer entsprechend der jetzt gültigen Abrechnungsmethode kalkuliert. 240 bis 260 Euro mussten bisher für den Markt, der diesmal aus 17 Verkaufsständen besteht, bezahlt werden. „Ob diese Gebühren berechtigt sind, steht auf einem anderen Blatt”, so Diederen. „Vor allem dann, wenn es sich um eine wohltätige Veranstaltung handelt.”

Abzocke?

Die Stadt Herzogenrath, die einen Teil des Weihnachtsmarktes (16. bis 18. Dezember) auf der Burg und in der Innenstadt betreut, will das Gespräch mit der Gema suchen. Für dieses Jahr erwartet Josef Poquet keine hohe Summe. Denn diesmal beschränkt sich der Weihnachtsmarkt-Anteil der Stadt auf den Burggarten. „Dass wir für eine Veranstaltung, bei der die Musik im Mittelpunkt steht, zahlen müssen, ist völlig in Ordnung. Aber ich finde es ärgerlich, dass das auch der Fall ist, wenn im Hintergrund nur Begleitmusik läuft.”

Manfred Wirtz, Chef der Arbeitsgemeinschaft Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie Würselen, hält mit seiner Meinung über die Gema nicht hinter dem Berg. „Wenn wir so abgezockt werden, dann haben wir ein Pro-blem”, spricht Wirtz nicht nur über den Weihnachtsmarkt der Pfarre St. Sebastian (26. und 27. November). „Das ist ein Benefiz-Weihnachtsmarkt und trotzdem muss die Pfarre Gema-Gebühren zahlen. Das finde ich nicht richtig”, so Wirtz.

Große Schwierigkeiten sieht der Vorsitzende im Mai auf die Arbeitsgemeinschaft zukommen. Dann findet das City-Fest statt. Die Bemessungsfläche für die Kaiserstraße sei 1200 mal 13 Meter. „Wenn die Gema das so durchsetzt, dann macht sie das City-Fest kaputt.” Deswegen fordert Wirtz, dass die Verwertungsgesellschaft zwischen Veranstaltungen, die mit Musik Geld verdienen, und solchen, bei denen sie im Hintergrund für Atmosphäre sorgt, unterscheiden muss.

Die Aktionsgemeinschaft Alsdorf richtet ihren Weihnachtsmarkt vom 25. November bis zum 4. Dezember aus. Der Vorsitzende Toni Klein betont, dass die AG einen bestehenden Vertrag mit der Gema habe. Ob dieser neu aufgelegt werden muss, ist unklar. In der nächsten Woche will die Aktionsgemeinschaft mit der Gema sprechen. Klein: „Es ist ohnehin schon mühsam, wenn man ehrenamtlich eine solche Aktion wie den Weihnachtsmarkt auf die Beine stellt. Wenn einem dann noch solche Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, dann verliert man mitunter die Lust.”

Gema vertritt 65.000 Musiker in Deutschland

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) vertritt rund 65.000 Musiker in Deutschland. Die Musiker haben als Urheber das Recht, Gebühren zu verlangen, wenn ihre Kompositionen öffentlich gespielt werden.

Mit einem Vertrag ermächtigen die Musiker die Gema, die Gebühren für sie einzutreiben. Knapp 1100 Mitarbeiter hat die Gema. Diese führen unter anderem Stichproben bei öffentlichen Veranstaltungen durch.

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