OGS-Träger fühlen sich hängengelassen

Von: Beatrix Oprée
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Neue Perspektiven brauchen die OGS-Macher fast überall: Greta und Jolina genießen ihre Zeit in der OGS „Sonnenschein“. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Ein lauter Hilferuf ertönt aus Straß in Richtung Düsseldorf: Einen Brandbrief haben die Eltern und Unterstützer der Offenen Ganztagsschule (OGS) „Sonnenschein“ geschrieben. Die Liste der Adressaten ist lang.

Nicht nur Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat Post bekommen, sondern auch die Ministerien und die Minister für Schule und Weiterbildung, für Finanzen, für Arbeit sowie für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes. Dazu auch noch die Landtagsfraktionen sowie deren Vorsitzende. Und natürlich die Landtagsabgeordneten unserer Region.

BSK-Beschluss reicht nicht

Mit in den Kuverts steckten Kopien der über 300 Namen zählenden Unterschriftenliste für den Erhalt der OGS „Sonnenschein“.

Denn auch nach dem Beschluss zur Erhöhung der Kopfpauschale um 95 Euro, mit dem der Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur (BSK) jüngst einstimmig den Willen zum Erhalt der guten OGS-Standards in Herzogenrath betont, wird die Pfarre St. Josef in Straß strukturell nicht mehr lange in der Lage sein, die anspruchsvolle Aufgabe zu stemmen.

Will heißen: Dringend werden – und das nicht nur beim OGS-Träger in Straß – höhere Zuschüsse seitens des Landes benötigt. „Bis 31.12. muss eine Entscheidung her“, sagt Bernhard Ruhl, Vorsitzender des Kirchenvorstands von St. Josef. Nach Stand der Dinge wird die Pfarre um betriebsbedingte Kündigungen nicht herum kommen.

3000 Euro jährlich steckt die Pfarre schon seit geraumer Zeit aus den bescheidenen eigenen Mitteln in die OGS, die gesamte damit verbundene Verwaltungsarbeit wird ehrenamtlich erledigt. 85 Kinder unterschiedlicher sozialer Schichten besuchen gerne die bunt gestalteten Räume in dem knallrot lackierten Containeranbau hinter der Grundschule. Sie werden durch Fachpersonal betreut, „mit großem Engagement, Professionalität und Einsatzbereitschaft“, wie die Eltern schreiben.

Wer soll den Rest bezahlen?

Die Kinder benötigen „eine regelmäßige, auch manchmal eine intensive sozialpädagogische Betreuung und gute Förderung in unterschiedlichen Bereichen“. Und: „Erschwerend kommt noch das neue Modell der Inklusion hinzu. Im Unterricht arbeiten Sonderpädagogen und Sozialarbeiter mit, um diese Kinder zu fördern ...“ Am Nachmittag in der OGS sollen sie aber auch durch qualifizierte Mitarbeiter „aufgefangen“ werden, wie die Elternschaft betont. Qualität aber ist nicht zum Nulltarif zu haben.

Die Personalkosten jedoch – die Straßer Gemeinde zahlt gemäß kirchlicher Arbeits- und Vergütungsordnung (KAVO) – sind mittlerweile nicht mehr aufzufangen. Die Kosten für eine Erzieherstunde seien von 2008 bis 2013 um 29 Prozent gestiegen. „Wie kann es da sein, dass die Zuschüsse seit Einführung der OGS nur um circa 7 Prozent gestiegen sind?“, möchten die Eltern wissen. Und: „Wer soll die übrigen 22 Prozent zahlen?“

Dann machen sie noch eine andere Rechnung auf, nämlich den Vergleich zu Kindertagesstätten, die ungleich höher gefördert werden. Im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) würden zudem Qualitätsstandards gesetzt. Für die OGS hingegen gebe es weder Qualitäts- und Qualifikationsstandards noch Personalschlüssel. Auch hier folgt eine eindringliche Frage: „Warum ist ein Vorschulkind mehr wert als ein Schulkind?“

Und die Mutmaßung, warum das so ist: Würden für die OGS Standards gesetzlich festgelegt, müsste das Land zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen.

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