Offene Tür St. Gertrud vor Schließung

Von: Beatrix Oprée
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Bald wohl keine Luftsprünge mehr möglich: Noch kann sich Marcel, Besucher der OT in Herzogenrath, auf dem Trampolin im Innenhof nach Herzenslust austoben. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Die Schließung der Offenen Tür (OT) kündigt eine weit gestreute Pressemitteilung des Kirchenvorstands St. Gertrud an. Rund 350 Kinder und Jugendliche werden zurzeit in den Räumen an der Schütz-von-Rode-Straße montags bis freitags von zwei pädagogischen Vollzeitkräften betreut.

Sie stammen „aus oft prekären Lebensverhältnissen“ und sollen hier einen „Ort der Beheimatung finden, der ihnen Hilfen zu einem reifen Menschsein bereitstellt“, sagt Frank Schafranek, Vertreter des Pfarreirats St. Gertrud. Neben „dezidierten Bildungsangeboten“ seien es vor allem das Wirken der pädagogischen Mitarbeiter und die „Hilfen zur Prävention vor den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen, die die OT zu einem bislang unverzichtbaren Element der Jugend-Sozialarbeit in der Stadtmitte von Herzogenrath mit ihren unterschiedlichen sozialen Brennpunkten gemacht haben“.

Seit Jahren jedoch kann die OT ihre wertvolle Arbeit nicht ohne Defizit bestreiten, der steigenden Personalkosten wegen. Ein Minus von 174.305,03 Euro habe sich von 2008 bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres summiert, bisher gedeckt durch die Pfarrgemeinde. Weitere rund 40.000 Euro Defizit seien für 2016 zu erwarten – „ebenfalls zu Lasten der Kirchengemeinde“, wie Schafranek mitteilt. Für 2015 sei ein Finanzloch von rund 20.000 Euro budgetiert.

Durch ehrenamtliche Verwaltung „und nicht zuletzt durch umfangreiche finanzielle Hilfen aus den freien Mitteln der Kirchengemeinde“ seien die von Stadt Herzogenrath und Landschaftsverband NRW sowie durch Zuschüsse aus Kirchensteuern durch das Bistum Aachen nicht gedeckten Betriebskosten letztlich aufgefangen worden.

Die finanzielle Unterstützung der Offenen Tür aus den freien Mitteln der Gemeinde St. Gertrud sei bei der vom Bistum angeordneten Bildung des Kirchengemeindeverbands (KGV) Herzogenrath/Merkstein zum 1. Januar 2010 der Pfarrei St. Gertrud weiterhin zur Pflicht gemacht worden. Doch die Höhe dieses „Finanzausgleichs“ habe „das erträgliche Maß seit langem weit überschritten“.

„Eine öffentliche Aufgabe“

Schafranek betont auch im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die OT ist kein Bestandteil der pfarrlichen Arbeit, sondern eigentlich eine öffentliche Aufgabe, eine Dienstleistung am Gemeinwesen.“ So hat die Kirchengemeinde auf weitere städtische Zuschüsse, zusätzlich zu den bereits im Jugendhilfeausschuss im September 2014 gewährten Steigerungen (siehe Interview rechts), gehofft.

Doch die Stadt Herzogenrath könne „aufgrund der Bindung ihrer Ausgaben an die Richtlinien ihres derzeitigen Nothaushaltes auf die finanziellen Erfordernisse der OT St. Gertrud nicht reagieren und ihre Zuschüsse an die Kostendynamik des Betriebes nicht anpassen, in denen sich die allgemeine gesellschaftliche Kostenentwicklung abbildet“.

Und das Bistum habe signalisiert, seinen Zuschuss nur aufstocken zu wollen, wenn dies Herzogenrath auch tue. Die Stadt aber darf zurzeit keine neuen freiwilligen Ausgaben tätigen. Eine Zwickmühle. Schafranek: „Irgendwann mussten wird die Reißleine ziehen.“

Das Bistum bestätigt, eine weitere Förderungsanpassung in Aussicht gestellt zu haben. Bedingung für Höhe und Auszahlung sei, „dass die Stadt dem Träger mit ebenfalls erhöhtem Zuschuss der bisherigen Regelförderung entgegenkommt“, wie Josef Heinrichs, Abteilung Kommunikation im Generalvikariat, auf Anfrage mitteilt.

Die Frage, ob bekannt sei, dass Herzogenrath einen Nothaushalt habe, wird seitens des Generalvikariats bejaht: „Aber es bleibt eine Sache der Kommune, und das Bistum sieht diese in der Verpflichtung, den Träger auszustatten. Das Angebot des Bistums berücksichtigt bereits die schwierige Haushaltslage der Stadt. Kirchensteuermittel können aber nicht öffentliche Mittel ersetzen.“ Der KGV erhält vom Bistum bisher für die OT jährlich 35.000 Euro, für 2014 und 2015 zudem jeweils 16.000 Euro.

An einer nun möglicherweise folgenden städtischen Ausschreibung zur künftigen Wahrnehmung der Jugendarbeit in Herzogenrath-Mitte durch einen anderen freien Träger werde sich der KGV beteiligen, bestätigt Schafranek. Und sieht darin keinen Widerspruch: „Es ist ein urkatholischer Gedanke, benachteiligten Kindern zu helfen. Deswegen erhofft man sich natürlich, dass die finanziellen Rahmenbedingungen nach einer Neuausschreibung andere sein werden, die für eine Kirchengemeinde tragbar sind.“

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