Alsdorf - Offene Atelier Häuser: Unterschiedlich, aber vereint in der Sache

Offene Atelier Häuser: Unterschiedlich, aber vereint in der Sache

Von: Katrin Fuhrmann
Letzte Aktualisierung:
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Unterschiedliche Arbeit, aber in der Liebe zur Kunst vereint: Carmen Kahn (3.v.r.) zeigt in einem Workshop, wie Malen mit Acrylfarbe funktioniert.
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Maike Thomas ist Goldschmiedemeisterin und seit zwei Jahren selbstständig.
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Gabi Schmertz macht aus Filz ein Sitzkissen.

Alsdorf. Die Platte aus Metal ist krumm und ziemlich abgenutzt. An der linken Seite löst sich der letzte noch vorhandene Nagel – der eine weitere verbogene Platte befestigt. Der Besitzer konnte mit dem wertlosen Objekt wohl nichts mehr anfangen – sonst wäre es wohl kaum auf dem Schrottplatz gelandet. Zum Glück.

Denn aus dieser abgenutzten, wertlos erscheinenden Platte fertigt Hobbykünstlerin Dagmar Junk eine Skulptur für ihren Garten an. Zusammen mit einem alten Schloss, zwei Scharnieren und anderem Altmetall hat sie drei Tage lang geschweißt und geflechst. Entstanden ist daraus ein Schmetterling, der auf einem Sockel steht.

Dagmar Junk ist eine von vielen (Hobby-)Künstlern, die sich in der Woche der Offenen Alsdorfer Atelier Häuser (OAAH) im Alsdorfer Gymnasium kreativ austobt.

Aus Schrott Kunst machen

Junk ist zwar einige der wenigen, für die das kreative Arbeiten nur Hobby ist, aber sie ist mit genauso viel Leidenschaft dabei, wie die Künstler, die das beruflich machen. Das sehen auch Manfred Greulich-Blaß und Frieder Wisten so. Die beiden Künstler geben den Workshop „Aus vermeintlichem Abfall Kunst herstellen“ und lassen sich, wie viele andere Künstler in dieser Woche, beim Entstehen ihrer Arbeiten über die Schulter schauen. Sie wissen genau, worauf Hobbykünstler, wie Junk zu achten haben, damit auch nichts schief geht. Schließlich haben sie sozusagen die Verantwortung für sie.

„Man sollte nicht einfach drauf los schweißen, sondern sich vorher überlegen, was man schaffen möchte. Und man muss immer ein Schutzschild tragen“, sagt Wisten, der genau beobachtet, was seine Schützlinge tun. „Ich finde es spannend, aus vermeintlich Nutzlosem eine Skulptur und Dekoration zu kreieren“, sagt Marion Moretti, die eigentlich Psychologin ist, aber Kunst als ihr größtes Hobby beschreibt.

Für Maike Thomas ist die Kunst Berufung. Die Goldschmiedemeisterin, die seit zwei Jahren selbstständig ist, wusste schon mit elf Jahren, was sie später einmal beruflich machen möchte. Ihre Tante und ihr Onkel waren Goldschmied. Die Ferien hat Thomas immer bei ihnen verbracht. Schon früh durfte sie mit anpacken und selber kleine Objekte anfertigen. So kam die Faszination für den Beruf, den sie anderen gerne weitergeben möchte.

In der Aktionswoche zeigt sie, wie sie die Inspirationen für ihre Arbeiten findet, wie erste Entwürfe entstehen und wie sie die Idee aufs Papier bringt. Dass es immer weniger Goldschmiede gibt und dass der Beruf immer weniger Auszubildende findet, ist für Thomas kein Grund, den Beruf an den Nagel zu hängen. Das motiviert sie eher.

„Die Schmuckindustrie ist breit aufgestellt. Man muss etwas finden, was einen von den anderen unterscheidet. Der Beruf bietet nämlich viele Möglichkeiten, weil man zum Beispiel alte Technologien wieder benutzen kann und so seine eigene Linie finden kann“, sagt sie. Und ergänzt: „Mir wird nie langweilig“.

Langeweile kennen auch die Künstlerinnen Gabi Schmertz und Veronika Kropidlowski nicht. Die eine fertigt Objekte aus Filz – vom Sitzkissen bis hin zum befilzten Glas oder Holz ist alles dabei, die andere hat sich dem Malen von Tier- und Menschenaugen verschrieben. Der Grund: Kropidlowski war früher sehr schüchtern. Sie hatte Angst, anderen Menschen in die Augen zu schauen und ihrem Blick standzuhalten.

Seit sie Augen malt, ist diese Angst vergessen. Sie sagt, dass es besonders aufregend war, die Augen eines Elefanten zu malen. Das Tier sei zwar sehr groß, die Augen im Verhältnis aber winzig klein. Kropidlowski fotografiert die Augen der Tiere und nimmt die Fotografie als Vorlage für ihre Zeichnung. Denn das Problem ist: „Tiere bewegen sich nun mal. Egal, wie oft ich es versucht habe, sie bleiben nie so lange ruhig stehen, bis ich fertig gezeichnet habe“, sagt sie und schmunzelt.

Die Künstlerin ist sich sicher, dass die Kunst Menschen verbindet und jeder Kunst anders versteht.

Dass Kunst viel Spielraum für Interpretationen bietet, weiß auch Andreas Klose. Er arbeitet mit der besonderen Technik des Airbrushes. Für ihn ist Improvisation beim Entstehen eines Bildes das Wichtigste. Er sagt: „Ich mag es, wenn mich die gezeichneten Wesen während meiner Arbeit sozusagen beobachten. Meine Kompositionen sind immer unterschiedlich.“

Den Blick schärfen

Carmen Kahn, die in der Woche der Offenen Alsdorfer Atelier Häuser einen Workshop zum Thema „Entdeckungsreise Acrylmalerei anbietet, animiert die Teilnehmer ihres Kurses dazu, ihren Blick zu schärfen für Farben, Formen und deren Wirkung. Sie will, dass die Hobbykünstler mutig sind.

Und auch wenn die Arbeiten der Künstler kaum unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie alle die Liebe zur Sache. Ein Grund, warum alle Künstler es schätzen in dieser Woche im Gymnasium zusammenzukommen. Mit so vielen kreativen Köpfen unter einem Dach, können nur tolle Arbeiten entstehen, sind sie sich allesamt sicher.

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