Ölspuren binden zu viele Kräfte der Feuerwehr

Von: Beatrix Oprée
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Stundenlanger Einsatz: Diese Ölspur, hinterlassen vom Bus eines Unternehmens in der Städteregion, zog sich von Würselen über Alsdorf nach Herzogenrath und beschäftigte gleich drei Feuerwehren. Foto: Christoph Simon

Nordkreis. Müssen gut ausgebildete Feuerwehrleute jedes Mal ausrücken, um Ölspuren auf Fahrbahnen zu beseitigen? Der Landesverband der Feuerwehren NRW meint nicht und würde die Aufgaben gerne anders verteilt wissen.

„Das ist eine ganz heiße Kiste“ – Achim Schwark, Leiter der Herzogenrather Feuerwehr, bringt es mit berufstypischem Vokabular auf den Punkt: Der Aufwand für Ölspureinsätze ist kräfteraubend und für die Kollegen, vor allem im Ehrenamt, nicht unbedingt motivierend.

Dennoch ist die Wehr meist die einzige Lösung, um schnell und gründlich weitere Gefahren für Mensch und Umwelt auszuschließen. Denn selbst eine vermeintlich kleine Verunreinigung durch Kraftstoff verwandelt sich bei Regen in kürzester Zeit in eine großflächig-rutschige Gefahrenstelle, die vor allem für Zweiradfahrer fatal sein kann. Ungleich größer wird der Aufwand, wenn Diesel oder Benzin ins Kanalsystem geraten.

43-mal ist Rodas Wehr in diesem Jahr bereits ausgerückt, um schmierige Hinterlassenschaften von Kraftfahrzeugen zu beseitigen. 263 Stunden war dabei hautamtliches Personal gebunden, knapp 40 Stunden zudem freiwillige Wehrleute.

„Die werden hinzugerufen, wenn gleichzeitig ein anderer Einsatz ansteht oder das Ausmaß der Verunreinigung es erfordert“, erklärt Schwark. Will auch heißen: Wo Lebensretter für eine Bagatelle – abstreuen, verteilen, zusammenkehren – eingesetzt werden müssen, wird es personell unter Umständen knapp, wenn ein echter Notfall auftritt.

Die steigende Tendenz der Öleinsätze erklärt Schwark mit wachsender Sensibilität: „Bürger rufen im Zuge des Umweltschutzes schneller die Feuerwehr als früher. Das ist ja auch gut so.“

In Würselen noch Handarbeit

Gut auch, wenn entsprechende Hilfsmittel für den öligen Einsatz vorhanden sind – ein elektronisch steuerbares Gefäßsystem etwa, das am Einsatzwagen angebracht werden kann und das Bindemittel während der Fahrt zügig und gleichmäßig über die Gefahrenstelle verteilt. Bei der Würselener Wehr aber gibt es ein solches Gerät noch nicht. „Eine entsprechende Anschaffung ist in Vorbereitung“, sagt Wehrsprecher Ralf Jüsgens,

Löschzugführer in Broichweiden. Bis dahin muss von Hand abgestreut werden, per Hin- und Herschwenken der zehn Kilo schweren Bindemittelsäcke, kraftzehrend und wenig wirbelsäulenfreundlich. Auch in Würselen rückt erst die Hauptwache aus, werden die Löschzüge bei Bedarf hinzugezogen. „Bei parallelen Einsätzen kann es auch sein, dass Ölspuren komplett von Ehrenamtlern abgearbeitet werden“, sagt Jüsgens.

Noch gebe es kaum Probleme mit Arbeitgebern: „Doch strapazieren möchte man die Bereitschaft und das Verständnis natürlich nicht. Wir sind ja schon froh, wenn Arbeitgeber ihre Leute für Notfälle wie Verkehrsunfälle oder Brände freistellen.“ 68 Öleinsätze gab es in Würselen seit Jahresbeginn, 99 waren es 2015.

Christoph Simon, Sprecher der Alsdorfer Wehr, schildert das wachsende Dilemma: „Immer wieder können ehrenamtliche Feuerwehrleute nicht ausrücken, weil sie vor die Wahl gestellt werden: Feuerwehr oder Beruf? Zudem gibt es viele Arbeitsfelder, wo eine Freistellung für den Betrieb weitreichende wirtschaftliche Folgen haben könnte.“

Komplett auf Freiwillige setzt indes die Stadt Baesweiler in Sachen Feuerwehr. 20-mal mussten die in 2014 Öl wegputzen, 26-mal in 2015 und schon 20-mal in diesem Jahr, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens erläutert. „Wir sind dankbar, dass die Wehr immer so schnell reagiert“, würdigt er. Viele Freiwillige sind beim städtischen Bauhof angestellt, doch deren Einsatz reiche oft nicht aus. Linkens drängt deswegen ebenfalls darauf, dass die Last der Ölspur-Beseitigung verstärkt auf die Straßenbaulastträger verlagert wird.

Das im Januar in Kraft getretene Gesetz über Brandschutz, Hilfeleistung und Katastrophenschutz (BHKG NRW) sollte eine Entlastung des Ehrenamts erwirken. Es regelt bis zum Eingreifen der zuständigen Stelle den „ersten Zugriff“ der Gemeinden bei „konkreter Gefährdung von Leben, Tieren, Gesundheit, natürlichen Lebensgrundlagen oder Sachen“. Linkens: „Das Problem dürfte aber sein, dass der Bereitschaftsdienst nicht schnell genug am Einsatzort sein kann.“ Der Landesbetrieb Straßen unterhält am späteren Nachmittag und nachts überdies gar keinen Bereitschaftsdienst.

Ehrenamtler Christoph Simon zieht daher ein ernüchterndes Fazit: „Eine Entlastung der Wehren, besonders im hiesigen Bereich, wird durch die gesetzliche Regelung nicht bewirkt!“ Ohne dass eine praktische Reaktion der Baulastträger erfolge, kehre der freiwillige Feuerwehrmann „in vorderster Front vor anderer Haustür“. In Alsdorf 174-mal 2015 und bereits 93-mal in diesem Jahr bis zum Juli.

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