Ökostrom: Gut gemeint, schlecht beraten

Von: Karl Stüber
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Vor der Montage einer Photovol
Vor der Montage einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Hausdach gilt: Interessenten sollten sich informieren und offene Fragen ausräumen. Bürokratische Hürden können sich schnell zu Stolperfallen mit Blick auf das Kosten/Nutzen-Verhältnis auswachsen. Foto: imago/Harald Lange

Nordkreis. Umweltschutz ist grundsätzlich eine feine Sache, wird aber nicht selten zu einer mühsamen und ärgerlichen Angelegenheit, wenn die Konsequenzen nicht von vorneherein klar sind. So erging es einem Bürger aus dem Nordkreis, der aus persönlichen Gründen nicht namentlich genannt sein möchte, sich aber dennoch bei der Lokalredaktion meldete, um seine Erfahrungen zu schildern, auf dass andere Leser nicht in dieselbe Bürokratiefalle tappen, wie er sagt.

Nennen wir ihn Wolfgang S.

Bereits im fortgeschrittenen Alter, hatte unser Wolfgang S. beschlossen, seinen ganz persönlichen Beitrag zum Thema Umweltschutz und regenerativer Energie zu leisten. „Ich habe ja mitbekommen, dass dank der vielen privaten Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie ganze Kraftwerke abgeschaltet werden können.” Diesen Prozess wollte er unterstützen.

Er ließ sich von einer ausgewiesenen und keinesfalls kleinen Fachfirma eine Photovoltaikanlage aufs Dach seines schmucken Häuschens setzen. Sie wissen schon: Unter Photovoltaik versteht man ja die direkte Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie mittels Solarzellen. Die 5,5-KW-Anlage kostete ihn rund 16.000 Euro. Die darin enthaltene Mehrwertsteuer erhielt er vom Finanzamt zurück. Die Zellen sind auf dem Dach in bester Südausrichtung installiert. Die Anlage schnurrt, die erzeugte Energie wird vollständig ins Netz eingespeist. So weit, so gut.

Vertrag für 20 Jahre

Aber nun begann der Ärger. Unser Wolfgang S. war es gewohnt, dass die Lohnsteuerhilfe seine Steuererklärung preiswert erstellt. Ihm war vor der Entscheidung zur Installation nicht klar, dass er praktisch fortan Unternehmer ist, weil er ja als Stromlieferant mit einem Stromabnehmer bzw. Energieversorger einen auf 20 Jahre angelegten Liefervertrag mit garantierter Abnahme und Vergütung abgeschlossen hat. Jeden Monat muss er deshalb dem Finanzamt eine Umsatzsteuermeldung fertigen.

Er folgte dem Hinweis, einen Steuerberater auch mit dem Jahresabschluss zu beauftragen. Und das ging richtig ins Geld. Alleine für diesen Aspekt verlangte der professionelle Steuerfachmann gut 300 Euro, und die der Einfachheit halber gleich mit erstellte Jahressteuererklärung fiel deutlich teurer als bei der Lohnsteuerhilfe aus. Die Installation der Photovoltaikanlage ließ die Gebäudeversicherung nach oben schnellen. Zudem war eine spezielle Zusatzversicherung auch gegen Diebstahl fällig.

Innerhalb eines Jahres warf die Stromerzeugung auf dem Haus etwas mehr als 1500 Euro ab. Abzüglich der geschilderten Kosten, die Wolfgang S. zuvor nicht auf dem Schirm hatte, bleibt nicht mehr viel davon übrig, um die Kosten der Anschaffung innerhalb der Vertragslaufzeit wieder hereinzuholen oder gar ausreichend Rücklagen für Reparaturen zu bilden.

Natürlich lässt sich im Nachhinein sagen, unser guter Mann hätte sich eben vorher genau informieren müssen. Wolfgang S. sieht das durchaus selbstkritisch. Allerdings sagt er auch, dass es Bestandteil der Beratung durch die Firma hätte sein müssen, ihn auf die Folgen aufmerksam zu machen, und wenn es nur durch das Aushändigen eines Infoblatts gewesen wäre. „Aber es handelte sich um ein reines Verkaufsgespräch”, erinnert er sich. Sicherlich sei der Firma klar gewesen, dass gerade ältere Leute, die nicht so firm am Computer sind, um die Steuerformalitäten fortlaufend selber zu erledigen, von der Anschaffung einer Photovoltaikanlage absehen würden, würde man ihnen den damit verbundenen Aufwand vor Augen führen.

Ärgerlich für Wolfgang S. war, dass er dem falschen Rat seitens eines Finanzfachmanns gefolgt war, deshalb einen Steuerberater zu engagieren.

Großer Ärger

Erst später wurde ihm gesagt, dass dies alles auch via staatlichem Elster-Programm gehe. Nun will er einen entsprechenden Kurs belegen, um sich doch noch selbst erfolgreich durch das Programm hacken zu können. Der Ärger ist und bleibt aber groß. Und das alles nur der Umwelt zuliebe - und mangels Kundenberatung. „Da lässt der Staat den kleinen Mann im Regen stehen, damit andere Leute viel Geld verdienen”, zürnt unser guter Mann.
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